- KTM liegt nach Etappe 8 mit einer Doppelführung in der RallyGP-Wertung vorn
- Luciano Benavides übernimmt die Gesamtführung mit 10 Sekunden Vorsprung
- Ricky Brabec bleibt bester Honda-Pilot, zeigt sich aber zunehmend frustriert
Nach dem Ruhetag und dem Start in die entscheidende zweite Dakar-Woche steht fest: Die Rallye 2026 entwickelt sich zunehmend zu einer internen KTM-Angelegenheit. Während Honda mit vier RallyGP-Werkspiloten sowie zusätzlicher Rally2-Unterstützung breit aufgestellt ist, kontrolliert KTM nach Etappe 8 sowohl das Tempo als auch die Gesamtwertung.

Etappe 8 als Wendepunkt der Dakar 2026
Die achte Etappe rund um Wadi ad-Dawasir stellte mit einer 483 Kilometer langen Wertungsprüfung die bislang längste Einzelprüfung der Rallye dar. Schnelle Pisten, ausgedehnte Dünenfelder, technische Passagen in Tälern sowie starker Wind forderten Konzentration und Navigationssicherheit über viele Stunden hinweg. Gerade diese Mischung spielte KTM in die Karten.
Luciano Benavides eröffnete die Etappe als Sieger des Vortags und fuhr über die gesamte Distanz an der Spitze. Trotz der schwierigen Bedingungen ließ sich der Argentinier nicht einholen, sammelte wertvolle Zeitgutschriften und baute seinen Vorsprung im Tagesklassement kontinuierlich aus.
Benavides nutzt Bonuszeit und übernimmt die Gesamtführung
Am Ende der Etappe stand für Benavides der zweite Tagessieg in Folge. Mit einer Fahrzeit von 4:26:39 Std. gewann er 4:50 Minuten auf Teamkollege Daniel Sanders und 5:02 Minuten auf Ricky Brabec. Entscheidender als der Etappensieg war jedoch der Effekt auf die Gesamtwertung.
Dank insgesamt 7:28 Minuten Zeitgutschrift übernahm der 30-Jährige erstmals bei der Dakar 2026 die Gesamtführung. Nach acht von 13 Etappen liegt Benavides nun mit lediglich 10 Sekunden Vorsprung vor Sanders an der Spitze.
„Ich habe von Anfang bis Ende attackiert und fühlte mich großartig dabei. Der starke Wind im letzten Teilstück hat die Navigation extrem schwierig gemacht, aber insgesamt war es ein sehr guter Tag“, erklärte Benavides nach der Etappe.

Honda trotz guter Einzelergebnisse unter Zugzwang
Aus Honda-Sicht verlief Etappe 8 zwiespältig. Ricky Brabec nutzte seinen Startplatz zehn, fuhr lange Zeit die Bestzeiten an den Checkpoints und baute zwischenzeitlich mehr als zwei Minuten Vorsprung auf Sanders auf. Doch die KTM-Bonuszeitstrategie machte diesen Vorteil zunichte.
Brabec beendete die Etappe auf Rang drei und fiel in der Gesamtwertung ebenfalls auf Platz drei zurück. Der Rückstand auf die Spitze beträgt nun 4:47 Minuten. Fahrerisch zeigte sich der US-Amerikaner zwar zufrieden, emotional jedoch deutlich angeschlagen.
„Ich habe keine Fehler gemacht und bin so schnell wie möglich gefahren, aber unser Bestes ist im Moment nicht gut genug. Es wirkt fast so, als wüssten sie Dinge über manche Etappen, die wir nicht wissen“, so Brabec.
Auch Tosha Schareina konnte den Anschluss nicht halten. Trotz Platz vier auf der Etappe liegt der Spanier bereits über 20 Minuten zurück und dürfte realistisch nicht mehr in den Kampf um den Gesamtsieg eingreifen. Adrien van Beveren und Skyler Howes fuhren solide Top-6-Ergebnisse ein, verloren in der Gesamtwertung jedoch weiter an Boden.
KTM mit taktischem Vorteil in der zweiten Dakar-Woche
Während Honda auf Konstanz setzt, scheint KTM die Etappencharakteristik der zweiten Woche optimal zu nutzen. Schnelle Prüfungen mit vergleichsweise einfacher Navigation kommen dem KTM-Trio entgegen. Benavides und Sanders profitieren zudem gezielt von den Zeitboni für Etappeneröffner.
Daniel Sanders zeigte sich trotz Verlust der Gesamtführung zufrieden mit seiner Leistung. „Von Platz vier zu starten war schwierig. Wenn vorne keine Fehler passieren, ist es fast unmöglich, Zeit gutzumachen“, erklärte der Australier.
Hinter der KTM-Doppelführung zeigte auch Rookie Edgar Canet mit Platz sieben erneut eine konstante Leistung, obwohl kleinere Navigationsfehler Zeit kosteten.
Rally2: Ventura stark, Campbell bleibt Gesamtleader
In der Rally2-Kategorie ging der Etappensieg an Neels Theric, der bereits seinen dritten Tageserfolg bei der Dakar 2026 feierte. Martim Ventura verpasste den Sieg auf Honda nur um 15 Sekunden, machte aber erneut Plätze gut und liegt nun auf Rang fünf der Gesamtwertung.
Preston Campbell verteidigte mit Platz vier seine Gesamtführung souverän. Trotz eines Zeitverlusts von 3:31 Minuten auf den Etappensieger beträgt sein Vorsprung auf Toni Mulec weiterhin 9:36 Minuten.

Blick nach vorn: Marathonetappe als nächste Hürde
Mit Etappe 9 beginnt die zweite Marathonprüfung der Rallye. Auf insgesamt 541 Kilometern, davon 418 Kilometer Wertungsprüfung, sind Reifenmanagement und Materialschonung erneut entscheidend. Externe Hilfe ist nicht erlaubt, was taktische Fehler besonders hart bestrafen kann.
Nach aktuellem Stand kommen realistisch nur noch Luciano Benavides, Daniel Sanders und Ricky Brabec für den Gesamtsieg in Frage. Die kommenden Tage dürften entscheiden, ob Honda noch einmal zurückschlagen kann oder KTM den Weg zum nächsten Dakar-Triumph kontrolliert zu Ende fährt.

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