- Pierer Mobility AG heißt seit Januar 2026 Bajaj Mobility AG
- Rund 500 Stellen bei KTM werden gestrichen, vor allem in Verwaltung und Management
- Neuer Vertriebs Vorstand kommt von BMW Motorrad
Nach turbulenten Monaten setzt sich bei KTM die Restrukturierung fort. Die vollständige Übernahme durch den indischen Bajaj Konzern bringt nicht nur einen neuen Namen für die Konzernholding, sondern auch tiefgreifende strukturelle Veränderungen in Mattighofen. Neben einem weiteren Personalabbau werden zentrale Führungspositionen neu besetzt.
Pierer Mobility wird zu Bajaj Mobility
Seit dem 13. Januar 2026 firmiert die bisherige Pierer Mobility AG unter dem Namen Bajaj Mobility AG. Der Schritt kommt nicht überraschend, nachdem Bajaj bereits im Frühjahr 2025 mit einer Finanzspritze von 800 Millionen Euro die Insolvenz des österreichischen Motorradherstellers abgewendet hatte. Seit November 2025 hält der indische Konzern 74,9 Prozent der Anteile und hat damit die Kontrolle über KTM sowie die Marken Husqvarna und GasGas übernommen.
Parallel zur Umbenennung wurde auch der Sitz der Aktiengesellschaft verlegt. Statt Wels ist nun Mattighofen offizieller Unternehmensstandort. Damit rückt die Konzernführung näher an das operative Zentrum der Motorradproduktion.
Deutlicher Stellenabbau in Österreich
Mit der endgültigen Übernahme folgen nun konkrete Maßnahmen. Rund 500 Arbeitsplätze werden gestrichen, etwa zwei Drittel davon in Österreich. Betroffen sind überwiegend Angestellte sowie Mitarbeiter im mittleren Management. Auch eine komplette Führungsebene soll entfallen.
Zum Jahresende 2025 beschäftigte KTM noch 3.794 Mitarbeiter. Vor der Insolvenz Ende 2024 waren es 5.310. Mit dem aktuellen Schritt sinkt die Zahl auf knapp über 3.300 Beschäftigte. Damit hat sich der Personalstand innerhalb von gut einem Jahr nahezu halbiert.
CEO Gottfried Neumeister erklärte zu den Maßnahmen wörtlich:
„We are reducing complexity across all areas—for example in our model range, in IT, and also in the organisation of our departments, particularly by removing one management layer.“
Übersetzung: „Wir reduzieren die Komplexität in allen Bereichen, zum Beispiel bei unserer Modellpalette, in der IT und auch in der Organisation unserer Abteilungen, insbesondere durch das Herausnehmen einer Führungsebene.“
Für die betroffenen Mitarbeiter steht eine Arbeitsstiftung der Automotive Branche zur Verfügung, die vom Land Oberösterreich und dem Arbeitsmarktservice finanziert wird. Ein Großteil der vorgesehenen Plätze ist aktuell noch verfügbar.
Kritik aus Indien und klare Worte von Rajiv Bajaj
Bereits Monate zuvor hatte sich Bajaj Konzernchef Rajiv Bajaj in einem indischen Fernsehinterview kritisch zur Situation bei KTM geäußert. Er bezeichnete es als problematisch, dass von rund 4.000 Mitarbeitern lediglich etwa 1.000 direkt an der Motorradfertigung beteiligt gewesen seien, während der Großteil administrative Tätigkeiten ausgeübt habe. Ein weiterer Stellenabbau sei aus seiner Sicht unvermeidlich gewesen.
Auch zur zukünftigen Ausrichtung machte Bajaj eine klare Ansage und deutete an, dass eine stärkere internationale Arbeitsteilung der Produktion langfristig der eingeschlagene Weg sei.
Überproduktion bleibt ein zentrales Problem
Ein wesentlicher Auslöser der Insolvenz war die massive Überproduktion. Ende 2024 standen weltweit 248.580 unverkaufte Motorräder auf Lager. Bis zum 31. Dezember 2025 konnte dieser Bestand auf 147.427 Fahrzeuge reduziert werden. Rund 100.000 Motorräder wurden also abverkauft oder zumindest in den Handel gebracht. Dennoch verursachen weiterhin fast 150.000 Fahrzeuge hohe Lager und Logistikkosten.
Als Konsequenz soll auch die Modellpalette verkleinert werden. KTM will sich stärker auf die drei Kernmarken KTM, Husqvarna und GasGas konzentrieren. Andere Projekte wurden bereits beendet oder verkauft, darunter die Fahrradmarke Felt und das Sportwagenprojekt X Bow.
Neuer Vertriebs Vorstand kommt von BMW Motorrad
Zusätzlich zur strukturellen Verschlankung setzt KTM auf frische Impulse im Management. Stephan Reiff, seit Sommer 2022 globaler Vertriebs und Marketingchef bei BMW Motorrad, wechselt im April 2026 nach Mattighofen. Er übernimmt im Vorstand der KTM AG die Rolle des Chief Commercial Officer und verantwortet künftig Vertrieb und Marketing.
Reiffs Aufgabenbereich entspricht weitgehend seiner bisherigen Funktion bei BMW Motorrad. Die Verpflichtung eines erfahrenen Managers aus München soll Stabilität in einer Phase bringen, in der sich KTM strategisch neu aufstellt.
Blick nach vorne: Österreichischer Standort unter Druck
Wie sich KTM langfristig als österreichische Marke entwickelt, bleibt offen. Bereits seit Jahren werden die Einzylinder Modelle bis 390 bei Bajaj in Indien gefertigt, während Reihenzweizylinder bei CFMoto in China entstehen. Weitere Verlagerungen von Produktionsschritten nach Asien gelten zumindest als möglich.
Fest steht: Mit der Umbenennung zu Bajaj Mobility, dem erneuten Stellenabbau und der Neubesetzung zentraler Vorstandsposten beginnt für KTM eine neue Phase, die stark von indischem Einfluss geprägt ist.

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