- ADAC Verkehrspräsident befürwortet CO₂-Bepreisung als Instrument für Klimaziele
- Laut ADAC mittlere vierstellige Zahl an Austritten
- Diskussionen und Kündigungen vor allem in sozialen Netzwerken
Zum Jahresstart gerät der ADAC unerwartet in die Kritik seiner eigenen Mitglieder. Auslöser sind Aussagen von Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand, der sich in einem Interview für höhere Benzin und Dieselpreise ausgesprochen hatte. Ziel sei es, über die CO₂-Bepreisung einen Lenkungseffekt zu erzielen, um die deutschen und europäischen Klimaziele einzuhalten.
Umstrittene Aussagen zur CO₂-Bepreisung
Hillebrand hatte erklärt, dass der ADAC die CO₂-Bepreisung grundsätzlich für ein geeignetes Instrument halte, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Wörtlich sagte er:
„Der ADAC hält die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen.“
Nach seiner Auffassung brauche es finanzielle Anreize, damit Menschen von Benzin und Dieselfahrzeugen auf klimaschonendere Alternativen umsteigen. Zugleich warnte er davor, Klimaziele auf europäischer Ebene aufzuweichen. Europa müsse an ehrgeizigen CO₂-Minderungszielen festhalten, um die Erderwärmung zu begrenzen.
Diese Aussagen wurden in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach als Befürwortung deutlich steigender Kraftstoffpreise interpretiert. Besonders Fahrer klassischer Verbrennerfahrzeuge fühlten sich dadurch nicht mehr vertreten.
Reaktionen der Mitglieder und Stimmung in sozialen Medien
In sozialen Netzwerken wie X äußerten zahlreiche Nutzer ihren Unmut. Unter Hashtags wie #AdiosADAC oder #ADACkuendigen berichteten Mitglieder von ihrem Austritt oder kündigten diesen an. Häufig wurden Fotos von Kündigungsschreiben veröffentlicht, begleitet von deutlicher Kritik an der Clubführung.
Mehrere Stimmen bemängelten, dass ein Automobilclub aus ihrer Sicht die Interessen der Autofahrer vertreten müsse und nicht Forderungen unterstützen solle, die das Autofahren weiter verteuern. Besonders Halter älterer Benzin und Dieselfahrzeuge sehen sich laut Kommentaren finanziell unter Druck gesetzt.
Vereinzelt meldeten sich auch Mitglieder zu Wort, die die Aussagen Hillebrands verteidigten oder auf die umfangreichen Leistungen des ADAC hinwiesen. Diese Stimmen blieben jedoch in der öffentlichen Debatte deutlich in der Minderheit.
Stellungnahme des ADAC
Der ADAC reagierte auf die anhaltende Kritik mit einer klarstellenden Stellungnahme. Der Club betonte, dass er grundsätzlich gegen eine höhere Belastung von Autofahrern sei. In seinen Veröffentlichungen übe der ADAC regelmäßig Druck auf Mineralölkonzerne und Politik aus, um überhöhte Kraftstoffpreise zu vermeiden.
Zugleich erklärte der Automobilclub, dass die Aussagen Hillebrands in der öffentlichen Berichterstattung verkürzt wiedergegeben worden seien. Man warne vor einer finanziellen Überforderung der Menschen und fordere seit Jahren, dass eine CO₂-Bepreisung stets mit Entlastungen und Kompensationen verbunden sein müsse.
Zu den gemeldeten Kündigungen teilte der ADAC mit, dass die Zahl der Austritte aktuell im mittleren vierstelligen Bereich liege. Man hoffe, auch ausgetretene Mitglieder durch persönliche Gespräche wieder überzeugen zu können.
Einordnende Betrachtung
Die Debatte zeigt, wie sensibel das Thema Mobilitätskosten inzwischen geworden ist. Steigende Kraftstoffpreise, politische Klimaziele und der Wandel hin zur Elektromobilität sorgen für wachsende Spannungen zwischen Interessenvertretungen und Teilen der Autofahrerschaft. Ob die Diskussion langfristige Auswirkungen auf das Vertrauen in den ADAC haben wird, bleibt abzuwarten.








