- Gerhard Hillebrand legt sein Amt als ADAC-Verkehrspräsident nieder
- Auslöser sind Interviewäußerungen zur CO₂-Bepreisung und zu höheren Spritpreisen
- Das Ressort übernimmt kommissarisch Technikpräsident Karsten Schulze
Der Automobilclub steht nach dem Rücktritt vor der Aufgabe, sein Selbstverständnis als Interessenvertreter der Autofahrer neu zu justieren. Die Ereignisse zeigen, wie sensibel verkehrspolitische Aussagen innerhalb der großen Mitgliedschaft aufgenommen werden.
Umstrittene Aussagen als Auslöser der Krise
Der Rücktritt von Gerhard Hillebrand ist unmittelbar mit einem Interview verbunden, das er kurz vor dem Jahreswechsel der Neue Osnabrücker Zeitung gegeben hatte. Darin bezeichnete er die CO₂-Bepreisung als geeignetes Instrument zur Erreichung der Klimaziele und sprach sich offen für höhere Preise bei Benzin und Diesel aus. Diese sollten aus seiner Sicht einen finanziellen Anreiz schaffen, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen.
Zugleich warnte Hillebrand davor, bestehende Vorgaben zum Verbot von Verbrennungsmotoren aufzuweichen. Innerhalb der ADAC-Mitgliedschaft wurden diese Aussagen vielfach als Abkehr von der Rolle des Clubs als Anwalt der Autofahrer verstanden.
Massive Reaktionen aus der Mitgliedschaft
Die Reaktionen fielen deutlich aus. Nach Angaben aus Medienberichten sollen innerhalb weniger Wochen rund 60.000 Mitglieder ihre ADAC-Mitgliedschaft gekündigt haben. Der ADAC selbst bestätigte zahlreiche Beschwerden und sprach von erheblichen Irritationen innerhalb des Vereins.
In einer Stellungnahme räumte Hillebrand ein, mit seinen Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert zu haben. Sein Rücktritt sei eine persönliche Konsequenz aus dem entstandenen Reputationsschaden und solle der Glaubwürdigkeit des Clubs dienen.
Zur Einordnung verweist der ADAC darauf, dass der Verein weiterhin mehr als 22 Millionen Mitglieder zählt und es im selben Zeitraum auch zahlreiche Neueintritte gegeben habe. Dennoch wurde die Kündigungswelle intern als deutliches Warnsignal gewertet.
Führung übernimmt Technikpräsident
ADAC-Präsident Christian Reinicke nahm den Rücktritt an und dankte Hillebrand für dessen Arbeit. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, den ADAC wieder klar als Interessenvertretung seiner Mitglieder zu positionieren.
Kommissarisch übernimmt Karsten Schulze das Amt des Verkehrspräsidenten zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben. Eine dauerhafte Neubesetzung des Postens wurde zunächst nicht kommuniziert.
Mehr als ein Personalwechsel
Der Rücktritt wird innerhalb und außerhalb des Clubs als Hinweis auf die wachsende Kluft zwischen verkehrspolitischen Zielsetzungen und dem Alltag vieler Autofahrer gesehen. Ein Großteil der ADAC-Mitglieder fährt weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Forderungen nach steigenden Kraftstoffpreisen werden vor diesem Hintergrund als Belastung empfunden, insbesondere für Pendler, Handwerker und Familien im ländlichen Raum.
Für den ADAC geht es damit nicht nur um die Neubesetzung eines Amtes, sondern um die Frage, wie Interessenvertretung, Klimaziele und gesellschaftliche Erwartungen künftig miteinander in Einklang gebracht werden können.
Was bedeutet das für mich als Motorradfahrer?
Für Motorradfahrer hat der Rücktritt zunächst keine direkten praktischen Folgen, er ist jedoch politisch relevant. Der ADAC ist eine der einflussreichsten Stimmen in der deutschen Verkehrspolitik und positioniert sich regelmäßig zu Themen wie Kraftstoffpreisen, CO₂-Bepreisung, Fahrverboten und künftigen Antriebskonzepten. Da Motorräder fast ausschließlich mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind, betreffen Debatten über höhere Spritpreise oder restriktivere Klimavorgaben diese Gruppe unmittelbar. Der personelle Einschnitt kann dazu führen, dass der ADAC seine verkehrspolitischen Positionen künftig vorsichtiger formuliert und stärker an den Interessen klassischer motorisierter Verkehrsteilnehmer ausrichtet. Ob sich daraus langfristig eine veränderte Haltung gegenüber Elektro / Verbrennern ergibt, bleibt allerdings abzuwarten.

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