- Technische Defekte sollen laut EU-weiter Studien bei weniger als 1 bis 2 Prozent der Motorradunfälle Hauptursache sein
- Organisationen wie die Federation of European Motorcyclists’ Associations sehen keinen messbaren Sicherheitsgewinn durch verpflichtende PTI
- Forderungen nach einer Ausweitung der Prüfpflicht stützen sich vor allem auf Annahmen, nicht auf belegte Unfallursachen
Die Diskussion um verpflichtende periodische technische Inspektionen (PTI) für Motorräder flammt in der EU regelmäßig auf. Befürworter argumentieren, dass mehr Kontrollen automatisch zu mehr Verkehrssicherheit führen. Kritiker halten dagegen und verweisen auf umfangreiche Unfallanalysen, die ein anderes Bild zeichnen.
Unfallursachen laut EU-Statistiken
Auswertungen aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zeigen ein einheitliches Muster. Technische Defekte spielen bei Motorradunfällen nur eine sehr untergeordnete Rolle. In weniger als 1 bis 2 Prozent der erfassten Fälle gelten sie als Hauptursache. Deutlich häufiger werden menschliches Fehlverhalten, mangelhafte Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer sowie Probleme der Infrastruktur genannt.
Nach Einschätzung von Wim Taal, Vertreter der FEMA, lässt sich daraus kein relevanter Sicherheitsgewinn durch verpflichtende technische Prüfungen ableiten. Der Zustand eines Fahrzeugs bei einer Kontrolle sage wenig darüber aus, ob dieser Aspekt tatsächlich zu einem Unfall beitrage.
Welche Mängel bei Kontrollen auffallen
Bei technischen Überprüfungen werden am häufigsten Beanstandungen an Beleuchtung, Bremsen und Reifen festgestellt. Diese Bauteile sind für die Sicherheit unbestritten wichtig. Dennoch weisen Unfallforscher darauf hin, dass ein festgestellter Mangel nicht automatisch bedeutet, dass er in der Praxis unfallursächlich war.
Statistiken aus mehreren EU-Ländern bestätigen laut Motorradfahrer-Verbänden, dass mechanisches Versagen nur äußerst selten der Auslöser schwerer Unfälle ist.
Argumente der Befürworter und ihre Einordnung
Ein zentrales Argument für die Ausweitung der Prüfpflicht kommt unter anderem vom European Economic and Social Committee. Dort wird darauf verwiesen, dass bei Straßenkontrollen in einzelnen Ländern angeblich bei mehr als 20 Prozent der überprüften Motorräder schwere Mängel festgestellt worden seien.
Diese Zahl wird jedoch relativiert. Der schwedische Motorradverband SMC weist darauf hin, dass solche Kontrollen sehr selten seien und meist nur dann stattfinden, wenn bereits ein konkreter Verdacht auf einen Mangel besteht, etwa bei nicht genehmigten Auspuffanlagen. Die Auswahl der kontrollierten Fahrzeuge sei daher nicht zufällig, was zwangsläufig zu höheren Beanstandungsquoten führe.
Aus Sicht der Kritiker eignen sich diese Ergebnisse nicht als Grundlage für eine EU-weit verpflichtende periodische Inspektion.
Fehlender Nachweis für sinkende Unfallzahlen
In Ländern, in denen Motorräder bereits regelmäßig geprüft werden müssen, lasse sich kein messbarer Rückgang der Motorradunfälle oder Todesfälle nachweisen. Trotz mehrfacher Aufforderungen sei bislang kein belastbarer Beleg präsentiert worden, der einen direkten Zusammenhang zwischen PTI und verbesserter Motorradsicherheit zeige.
Motorradfahrer-Organisationen aus mehreren EU-Staaten haben dazu technische Stellungnahmen eingereicht. Ihr gemeinsamer Kernpunkt lautet, dass die bekannten Hauptursachen von Motorradunfällen durch technische Pflichtprüfungen nicht adressiert werden.
Alternative Ansätze zur Erhöhung der Sicherheit
Statt zusätzlicher Bürokratie fordern die Verbände einen stärkeren Fokus auf Maßnahmen mit nachweisbarer Wirkung. Dazu zählen eine verbesserte Fahrerausbildung mit Schwerpunkt auf Gefahrenwahrnehmung, Brems- und Ausweichmanöver sowie defensives Fahren. Auch die Infrastruktur gilt als entscheidender Faktor. Fahrbahnbeläge, Leitplanken und Kreuzungsgestaltung haben laut Unfallanalysen einen erheblichen Einfluss auf das Risiko für Motorradfahrer.
Ein weiterer Ansatzpunkt sind Aufklärungskampagnen für alle Verkehrsteilnehmer. Ein Großteil der Unfälle mit Motorradbeteiligung entsteht in Mehrfahrzeug-Situationen, bei denen andere Fahrer den Motorradfahrer übersehen.
Fazit der Kritiker
Aus Sicht der Gegner einer verpflichtenden periodischen technischen Inspektion für alle Motorräder handelt es sich um eine Maßnahme, die an den tatsächlichen Unfallursachen vorbeigeht. Die vorhandenen EU-Daten zeigten, dass technische Defekte fast nie ausschlaggebend seien. Verkehrssicherheit lasse sich demnach eher durch gezielte, datenbasierte Maßnahmen erhöhen als durch eine pauschale Ausweitung von Prüfpflichten.
Was das für mich als Motorradfahrer bedeutet?
Für Motorradfahrer bedeutet die aktuelle Debatte vor allem Unsicherheit darüber, ob künftig zusätzliche Pflichten entstehen, ohne dass sich die eigene Sicherheit messbar erhöht. Eine verpflichtende periodische technische Inspektion würde mehr Aufwand (in mehreren Ländern bereits Plicht), Zeit und Kosten bedeuten, obwohl Unfallstatistiken zeigen, dass technische Defekte nur selten unfallursächlich sind. Unabhängig von politischen Entscheidungen bleibt es dennoch sinnvoll, das Motorrad regelmäßig eigenverantwortlich zu warten, da Bremsen, Reifen und Beleuchtung sicherheitsrelevant sind. Gleichzeitig liegt ein großer Teil des persönlichen Sicherheitsfaktors weiterhin beim eigenen Fahrverhalten sowie bei der Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer und der Qualität der Infrastruktur, also genau in den Bereichen, die durch zusätzliche Prüfungen nicht beeinflusst werden.

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