- Craig und Lindsay Foreman wurden im Januar 2025 im Iran verhaftet und im Februar 2026 zu zehn Jahren Haft verurteilt
- Die Familie bezeichnet das Urteil als willkürlich und haltlos, es wurde keinerlei Beweis für Spionage vorgelegt
- Die britische Außenministerin Yvette Cooper nannte die Verurteilung „vollkommen entsetzlich und völlig ungerechtfertigt“
Es sollte der Traum einer Motorrad-Weltreise werden, doch für das britische Ehepaar Craig und Lindsay Foreman endete die Reise in einem iranischen Gefängnis. Ein Gericht in Teheran hat die beiden nun wegen Spionagevorwürfen zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt. Die Familie weist die Anschuldigungen entschieden zurück und spricht von einem willkürlichen Urteil ohne jede Grundlage.
Fünf Tage Durchreise, 13 Monate Haft
Das Paar aus der südenglischen Grafschaft Sussex, beide in ihren Fünfzigern, hatte sich auf eine Motorradreise rund um die Welt begeben. Ihr Ziel war Australien, die Route führte über den Landweg durch den Iran. Am Silvesterabend 2024 reisten die Foremans mit gültigen Visa, einem lizenzierten Reiseführer und einer vorab genehmigten Reiseroute in das Land ein. Der Plan sah lediglich fünf Tage für die Durchquerung vor.
Die Route führte über Tabriz, Teheran und Isfahan. Am 4. Januar 2025 sollte Kerman in Zentraliran die letzte Station sein, bevor die Reise weiter Richtung Osten gehen sollte. Dort kamen die Foremans allerdings nie an. Nachdem sie am Vortag noch in sozialen Netzwerken gepostet hatten, verstummten ihre Telefone plötzlich, und das Paar erschien nicht in seinem Hotel. Erst fast sechs Wochen später bestätigten iranische Staatsmedien die Verhaftung und die Anklage wegen Spionage.
Prozess ohne Verteidigung
Die Verhandlung fand Ende Oktober 2025 vor Richter Abolghasem Salavati an der Abteilung 15 des Islamischen Revolutionsgerichts in Teheran statt. Salavati wurde bereits von Großbritannien, den USA und der EU mit Sanktionen belegt, unter anderem wegen Menschenrechtsverletzungen und der Durchführung von Schauprozessen, die wegen mangelnder rechtsstaatlicher Verfahren international kritisiert werden.
Die Verhandlung dauerte nach Angaben der Familie rund drei Stunden. Dem Ehepaar sei es nicht gestattet worden, eine Verteidigung vorzutragen. Auch seien keinerlei Beweise für den Spionagevorwurf vorgelegt worden. Die iranischen Anwälte des Paares hätten klargemacht, dass es keine rechtliche Grundlage für das Verfahren gebe, doch Anträge auf Kaution seien ignoriert worden.
Das Urteil wurde erst Anfang 2026 verkündet und entspricht laut der Familie den schwersten politisch motivierten Inhaftierungen britischer Staatsbürger im Iran.
Der iranische Justizsprecher Asghar Jahangir hatte im vergangenen Jahr behauptet, die Foremans seien unter dem Deckmantel von Touristen in den Iran eingereist und hätten vor ihrer Verhaftung Informationen gesammelt.
Haftbedingungen in Evin sorgen für Besorgnis
Lindsay Foreman wird derzeit in der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses in Teheran festgehalten, Craig Foreman im politischen Flügel der Haftanstalt. Das Evin-Gefängnis steht seit langem in der Kritik internationaler Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, wegen unmenschlicher Haftbedingungen.
Die Familie berichtet von beengten Zellen, unzureichender Verpflegung und mangelhaftem Zugang zu rechtlicher Vertretung. Laut ihrem Sohn Joe Bennett seien die Foremans von „Schmutz, Ungeziefer und Gewalt“ umgeben und hätten an Gewicht verloren. Monatelang hätten sie keinen Zugang zu grundlegenden Dingen wie Wechselkleidung oder angemessener Nahrung gehabt. Bei Verlegungen zwischen Einrichtungen seien ihnen die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Längere Phasen in Einzelhaft und nur eine Handvoll Telefonate nach Hause seien die Realität der vergangenen 13 Monate gewesen.
Bennett erklärte nach der Urteilsverkündung: „My parents have now been sentenced to 10 years following a trial that lasted just three hours and in which they were not allowed to present any defence.“ (Übersetzung: „Meine Eltern wurden nun zu zehn Jahren verurteilt, nach einem Prozess, der nur drei Stunden dauerte und in dem sie keine Verteidigung vorbringen durften.“) Die Familie sei zutiefst besorgt um das Wohlergehen der beiden.
Britische Regierung verurteilt das Urteil
Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete die Verurteilung als „completely appalling and totally unjustifiable“ (Übersetzung: „vollkommen entsetzlich und völlig ungerechtfertigt“). Sie erklärte: „We will pursue this case relentlessly with the Iranian government until we see Craig and Lindsay Foreman safely returned to the UK and reunited with their family.“ (Übersetzung: „Wir werden diesen Fall unermüdlich gegenüber der iranischen Regierung verfolgen, bis Craig und Lindsay Foreman sicher nach Großbritannien zurückgekehrt und mit ihrer Familie wiedervereint sind.“)
Die Familie beschreibt sich allerdings als von der Regierung im Stich gelassen. Briefe an den Premierminister und die Außenministerin seien unbeantwortet geblieben. Bennett sprach davon, er sei „krank vor Sorge“. Im Januar 2026 unterzeichneten 45 Abgeordnete des Unterhauses und Mitglieder des House of Lords einen parteiübergreifenden Brief, in dem sie die Außenministerin zu weiterem Handeln in diesem Fall aufforderten.
Zum Jahrestag der Inhaftierung übergab die Familie eine Petition an Downing Street, die mittlerweile fast 64.000 Unterschriften zählt. Die Angehörigen fordern ein direktes Engagement der britischen Regierung und die Nutzung aller verfügbaren diplomatischen Mittel, um das Paar nach Hause zu bringen.
Motorradreisende im Spannungsfeld der Geopolitik
Bennett beschrieb seine Mutter und seinen Stiefvater als Opfer geopolitischer Spannungen. Sie seien „caught in the middle“ (Übersetzung: „zwischen die Fronten geraten“) der schwierigen Beziehungen zwischen Teheran und westlichen Ländern, insbesondere den USA, sowie den angespannten britisch-iranischen Beziehungen.
Der Fall der Foremans reiht sich in ein bekanntes Muster ein. Der Iran hat in den vergangenen Jahren Dutzende Doppelstaatler und ausländische Einwohner festgehalten, in der Regel wegen Vorwürfen der Gefährdung der nationalen Sicherheit oder Spionage. Mindestens 15 dieser Inhaftierten hatten Verbindungen nach Großbritannien. Menschenrechtsorganisationen sehen in solchen Fällen häufig diplomatische Druckmittel.
2022 wurden die britisch-iranischen Staatsbürger Nazanin Zaghari-Ratcliffe und Anoosheh Ashoori freigelassen, nachdem Großbritannien eine langjährige Schuld von 650 Millionen Pfund (circa 767 Millionen Euro / 878 Millionen US-Dollar) gegenüber dem Iran beglichen hatte. Auch französische und deutsche Staatsbürger wurden nach anhaltendem diplomatischen Druck ihrer jeweiligen Regierungen freigelassen.
Das britische Außenministerium rät seit langem von jeglichen Reisen in den Iran ab und warnt, dass britische Staatsbürger allein aufgrund ihrer Verbindungen zum Vereinigten Königreich ein Risiko tragen, willkürlich inhaftiert zu werden. Für Motorradreisende, auf deren Reiserouten der Iran wegen seiner Landschaft seit jeher ein beliebtes Ziel ist, setzt der Fall der Foremans ein deutliches Warnsignal.

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