- Erstes größere Elektromotorrad von Honda für den europäischen Markt
- Zwei Leistungsvarianten für A1 und A2 Führerschein
- Marktstart ab Anfang 2026 geplant
Honda ist seit Jahrzehnten der weltweit größte Motorradhersteller und produziert jährlich mehr als 20 Millionen Fahrzeuge. Entsprechend groß ist die Signalwirkung, wenn sich der Konzern mit Nachdruck dem Thema Elektromotorrad widmet. Mit der WN7, die erstmals auf der EICMA in Mailand vorgestellt wurde, soll nun ausgelotet werden, wie alltagstauglich und akzeptiert ein batterieelektrisches Naked Bike dieser Klasse tatsächlich ist.

Hondas Einstieg in die elektrische Mittelklasse
Die Präsentation der WN7 markiert für Honda einen wichtigen Schritt. Während der Hersteller bislang vor allem kleine elektrische Roller im Programm hat, richtet sich die WN7 klar an Fahrer klassischer Motorräder mit Verbrennungsmotor. Intern gilt das Modell als Lernprojekt, mit dem Erfahrungen gesammelt werden sollen, um langfristig ein breiteres elektrisches Portfolio aufzubauen.
Projektleiter Masatsugu Tanaka, seit vielen Jahren in der Entwicklung großer Honda Motorräder tätig, sieht den Vergleich mit Verbrennern als unvermeidlich. Ziel sei es, künftig ein Elektromotorrad anzubieten, das auch eingefleischte Fahrer konventioneller Maschinen zufriedenstellt.
Antrieb, Leistung und Fahrmodi
Der Elektromotor der WN7 sitzt in der Achse der Schwinge und treibt das Hinterrad über einen Riemen an. Eine klassische Kupplung oder ein Getriebe gibt es nicht, die Kraftentfaltung erfolgt ausschließlich über den Gasgriff.
Honda bietet zwei Leistungsvarianten an.
In der A2 Version liegt die Dauerleistung bei 24,5 PS (18 kW), während die A1 Variante 14,9 PS (11 kW) bereitstellt. Die maximale Leistung fällt deutlich höher aus: 68 PS (50 kW) in der A2 Ausführung sowie 15,2 PS (11,2 kW) bei der A1 Version. Das maximale Drehmoment beträgt in beiden Fällen 100 Nm, was umgerechnet rund 73,8 lb.ft entspricht.
Vier Fahrmodi stehen zur Verfügung: Sport, Standard, Rain und ECO. Sie beeinflussen unter anderem die Leistungsabgabe und sollen die WN7 sowohl im urbanen Umfeld als auch auf kurvigen Landstraßen gut kontrollierbar machen.

Batterie, Ladezeiten und Reichweite
Die fest verbaute Lithium Ionen Batterie verfügt über eine Kapazität von 9,3 kWh bei 26,67 Ah und einer Systemspannung von 349,44 Volt. Geladen wird entweder über einen Typ 2 Anschluss oder per CCS2 Schnelllader.
Laut Hersteller sind bei Nutzung eines CCS2 Schnellladers 20 bis 80 Prozent Ladestand in rund 30 Minuten möglich. Die Reichweite gibt Honda nach dem WMTC Prüfzyklus mit 140 km für die A2 Version und bis zu 156 km für die A1 Version an. In früheren Aussagen war zudem von einer praxisnahen Reichweite von bis zu 87 Meilen die Rede, was etwa 140 km entspricht. Für größere Touren ist das aus heutiger Sicht noch eine klare Einschränkung, was Honda selbst offen einräumt.
Fahrwerk, Abmessungen und Gewicht
Der Rahmen der WN7 ist als tragendes Element ausgelegt. Vorn arbeitet eine Upside Down Gabel mit 43 mm Durchmesser und 120 mm Federweg, hinten ein einstellbarer Monoshock Dämpfer mit ebenfalls 120 mm Federweg.
Die WN7 misst 2.156 mm in der Länge, ist 826 mm breit und kommt auf einen Radstand von 1.480 mm. Die Sitzhöhe liegt bei 800 mm, die Bodenfreiheit bei 139 mm. Das fahrfertige Gewicht beträgt 217,5 kg, was umgerechnet rund 479,6 lbs entspricht.
Gebremst wird vorn mit zwei 296 mm Scheiben und radial montierten Nissin Zweikolben Sätteln, hinten mit einer 256 mm Scheibe. Serienmäßig an Bord ist ein Zweikanal ABS mit inertialer Messeinheit IMU.
Ausstattung und Konnektivität
Zur Serienausstattung gehören ein 5 Zoll TFT Display mit Konnektivität sowie eine USB Typ C Steckdose. Über Honda RoadSync lässt sich das Motorrad mit Android und iOS Smartphones koppeln. Stauraum oder Transportmöglichkeiten sind nicht vorgesehen, da Honda die WN7 primär als Pendlerfahrzeug und klassisches Naked Bike positioniert.
Kundenfeedback als Schlüssel für die Weiterentwicklung
Masayuki Hamamatsu, General Manager und Assistant Vice President der Electrification Business Division, betont, dass die aktuelle Technik noch nicht alle Kundenanforderungen erfülle. Rückmeldungen aus dem Markt seien entscheidend, um Reichweite, Gewicht und Alltagstauglichkeit weiter zu verbessern. Langfristig soll das elektrische Angebot ähnliche Fahrzeugklassen abdecken wie bei den Verbrennermodellen, von Sportmaschinen über Tourer bis hin zu größeren Rollern.
Recycling und Zweitnutzung der Batterien
Parallel zur Fahrzeugentwicklung arbeitet Honda an Konzepten für die Weiterverwendung und das Recycling von Batterien. In Indien werden gebrauchte Mobile Power Pack e Batterien bereits als stationäre Stromspeicher eingesetzt, um Generatoren zu ersetzen. Nach ihrer Nutzung werden die Akkus zurückgenommen und recycelt. Laut Honda könnten solche Systeme künftig auch in anderen Ländern zum Einsatz kommen.

Einordnung
Mit der WN7 zeigt Honda deutlich, dass Elektromotorräder künftig eine größere Rolle im Portfolio spielen sollen. Das Modell ist weniger als fertige Lösung gedacht, sondern vielmehr als Basis für weitere Entwicklungen. Dass der weltweit größte Motorradhersteller diesen Weg einschlägt, dürfte die gesamte Branche nachhaltig beeinflussen.
Was bedeutet das für mich als Motorradfahrer?
Aus Sicht eines Motorradfahrers zeigt die Honda WN7 vor allem, wohin sich das Motorradfahren mittelfristig entwickeln könnte. Das Modell macht deutlich, dass Elektromotorräder derzeit vor allem im urbanen Umfeld und auf kürzeren Strecken ihre Stärken haben: leises Fahren, sofort verfügbares Drehmoment und einfache Bedienung ohne Kupplung oder Schaltung. Gleichzeitig wird klar, dass Reichweite, Gewicht und Ladeinfrastruktur aktuell noch Grenzen setzen, besonders für längere Touren oder spontane Ausfahrten ohne feste Planung. Die WN7 ist damit weniger ein Ersatz für ein klassisches Allround Motorrad mit Verbrennungsmotor, sondern eher eine Alternative für Pendler oder Fahrer, die bewusst ein zweites Motorrad mit klar definiertem Einsatzzweck suchen. Sie zeigt, was heute möglich ist, ohne zu verschweigen, dass der Schritt zum vollwertigen Ersatz noch Entwicklungszeit braucht.

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