Geplant war eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. April 2025, auf der eine Kapitalerhöhung um insgesamt 350 Millionen Euro (rund 375 Millionen US-Dollar) beschlossen werden sollte. Diese sollte sich aufteilen in eine Barkapitalerhöhung in Höhe von 150 Millionen Euro (ca. 161 Millionen US-Dollar) und eine Sachkapitalerhöhung über 200 Millionen Euro (etwa 214 Millionen US-Dollar). Beide Maßnahmen wurden jedoch kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen.
Finanzierungsprozess läuft weiter – Hoffnung ruht auf Investoren
Pierer Mobility steht unter enormem Zeitdruck. Bis zum 23. Mai 2025 müssen rund 600 Millionen Euro (etwa 643 Millionen US-Dollar) aufgebracht werden, um die von den Gläubigern der KTM-Gruppe akzeptierte Sanierungsplanquote von 30 Prozent zu bedienen. Das Management befindet sich nach eigenen Angaben „in der Finalisierungsphase“ der Verhandlungen mit Eigen- und Fremdkapitalgebern. Ein Scheitern dieser Gespräche würde schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.
Denn ohne verbindliche Finanzierungszusagen fehlt die Grundlage für eine positive Fortbestehensprognose – die Voraussetzung für die Bilanzierung zu sogenannten Going-Concern-Werten. Andernfalls müsste das Unternehmen seine Jahresbilanz auf Basis von Zerschlagungswerten erstellen, was die Situation zusätzlich verschärfen würde.
Negatives Eigenkapital – Hauptversammlung wegen Verlustes notwendig
Bereits Anfang April hatte Pierer Mobility bekanntgegeben, dass das Eigenkapital zum Jahresende 2024 voraussichtlich deutlich negativ ausfallen werde. Grund dafür sind eine massiv reduzierte Betriebsleistung und hohe Restrukturierungskosten. Laut Unternehmensangaben wird das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2024 stark negativ ausfallen. Der Verlust des halben Grundkapitals zwingt das Unternehmen laut österreichischem Aktienrecht zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung.
Der Wirtschaftsprüfer hat in diesem Zusammenhang von seiner gesetzlich vorgesehenen Redepflicht Gebrauch gemacht. Die Veröffentlichung des vollständigen Jahresfinanzberichts wurde inzwischen auf Ende Mai 2025 verschoben. Bis dahin will das Unternehmen weitere vorläufige Finanzkennzahlen vorlegen.
Kapitalerhöhung zu € 7,50 je Aktie ursprünglich geplant
Ursprünglich sah der Rettungsplan zwei Kapitalmaßnahmen zu einem Ausgabepreis von 7,50 Euro (etwa 8,04 US-Dollar) je Aktie vor:
- Barkapitalerhöhung: 150 Millionen Euro durch Ausgabe neuer Aktien mit Bezugsrecht für bestehende Aktionäre. Nicht gezeichnete Anteile sollten von der Hauptaktionärin Pierer Bajaj AG übernommen werden.
- Sachkapitalerhöhung: 200 Millionen Euro durch Einbringung von Darlehen, die von Pierer Bajaj AG gewährt wurden, als Sacheinlage. Die Darlehen in Höhe von 150 Millionen Euro (plus ein weiteres von 50 Millionen Euro) wurden zuvor zum Wiederanlauf der Produktion bereitgestellt.
Durch diese Maßnahmen wäre das Grundkapital der Pierer Mobility AG auf das rund 2,4-Fache angestiegen – ein Schritt, der jedoch auf später verschoben wurde.
Eigentümerstruktur und Verantwortung
Die Pierer Mobility AG gehört zu 74,9 Prozent der Pierer Bajaj AG. Diese wiederum ist mehrheitlich im Besitz der Pierer Industrie GmbH von Stefan Pierer; rund die Hälfte der Anteile hält die indische Bajaj-Gruppe. Auch die finanziellen Mittel für die Darlehen zur geplanten Sachkapitalerhöhung stammen laut Angaben des Unternehmens von Bajaj Auto, einem langjährigen Partner.
Ausblick: Unsichere Zukunft mit Hürden
Während der Vorstand weiterhin von einem erfolgreichen Abschluss der Investorengespräche ausgeht, bleibt die wirtschaftliche Zukunft der KTM-Gruppe ungewiss. Sollte bis zum Stichtag keine Lösung gefunden werden, droht nicht nur die Bilanzierung zu Zerschlagungswerten – auch die Fortführung des Geschäftsbetriebs könnte ernsthaft gefährdet sein.
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