- Marquez könnte in Buriram seinen 100. Grand-Prix-Sieg feiern
- Nur noch drei Siege trennen ihn von Valentino Rossis MotoGP-Rekord
- Neuer Ducati-Vertrag über zwei Jahre steht kurz vor der Bekanntgabe
Wenn an diesem Wochenende in Buriram die MotoGP-Saison 2026 beginnt, richtet sich der Blick fast zwangsläufig auf Marc Marquez. Der 33-jährige Spanier hat 2025 nach Jahren voller Verletzungen und Rückschläge seinen siebten Königsklassen-Titel geholt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Nun steht er vor einer Saison, in der gleich mehrere historische Bestmarken in Reichweite liegen.

Buriram als perfekter Auftakt
Der Chang International Circuit in Buriram hat für Marquez eine besondere Bedeutung. Dort feierte er 2025 seinen ersten Sieg im Ducati-Werksteam und startete damit perfekt in seine Titelsaison. „Auf dieser Strecke habe ich meinen ersten GP mit dem Ducati-Lenovo-Team gewonnen, eine dieser Erinnerungen, die einem einen zusätzlichen Schub geben. Das erste Rennen der Saison ist auch nach so vielen Jahren immer etwas Besonderes“, so der neunfache Weltmeister.
Die Strecke liegt Ducati ohnehin. Seit die Motorrad-WM 2018 erstmals in Thailand gastierte, holten in den letzten drei Jahren ausschließlich Ducati-Fahrer den Sieg beim Thailand-GP: Jorge Martin 2023, Pecco Bagnaia 2024 und Marquez 2025. Beim jüngsten Buriram-Test landeten Marquez und Bagnaia in der kombinierten Zeitenliste auf den Rängen 3 und 4, hinter dem Aprilia-Duo Marco Bezzecchi und Ai Ogura.
Top-Speed-Vorteil der Ducati schmilzt
Allerdings dürfte das Überholen auf den Geraden in Buriram 2026 schwieriger werden als in den Vorjahren. Der erste Sektor der Strecke ist besonders leistungsabhängig, und die Konkurrenz hat aufgeholt. Alex Marquez, der 2026 erstmals bei Gresini Racing mit Werksmaterial von Ducati antritt, warnte nach dem Test vor den Geraden-Geschwindigkeiten der Gegner. „Man braucht mehr als 2 km/h Vorsprung, um sauber zu überholen. Das ist nicht einfach, und hier war ich hinter einigen Aprilias und auch einigen Hondas. Die sind ziemlich ähnlich schnell. Es wird nicht einfach, auf dieser Strecke zu überholen“, erklärte er.
Die Zahlen aus dem Test bestätigen das: Bagnaia wurde mit 342 km/h geblitzt, wobei ein neues Ride-Height-Device der Desmosedici auf den Geraden helfen soll. Aprilia kam am letzten Testtag auf knapp 340 km/h, die schnellste Honda erreichte 338 km/h. Der Vorsprung der Ducati ist damit deutlich geschrumpft.

Verletzungen statt Alter als größte Hürde
Die Vorbereitung auf die neue Saison war für Marquez alles andere als reibungslos. Beim Indonesien-GP 2025 im Oktober hatte er sich in einer Kollision mit Marco Bezzecchi in der Eröffnungsrunde eine komplizierte Schulterfraktur zugezogen. Zunächst schien keine Operation nötig, doch als innerhalb der ersten Woche keine Heilung einsetzte, musste er sich doch unters Messer legen. Die restliche Saison 2025 fiel für ihn aus, erst im Januar 2026 saß er wieder auf dem Motorrad.
Beim Buriram-Test musste Marquez dann drei Stürze wegstecken. „Abgesehen von den Stürzen und meiner körperlichen Verfassung hatten wir insgesamt einen positiven Test auf dieser Strecke“, bilanzierte er. Dass die Verletzungen ihm zunehmend zu schaffen machen, verhehlt er nicht. „Es wird nicht mit dem Alter schwieriger, sondern mit den Verletzungen. Mental fühle ich mich noch jung. Aber mit den Verletzungen, eine nach der anderen, wird mein Körper träger und träger, und es dauert immer länger, sich zu erholen“, räumte der Champion ein. Der Winter sei extrem lang gewesen, und die Rehabilitation laufe noch immer. Die zweiwöchige Pause nach dem Thailand-GP soll weitere Fortschritte bringen.
Stefan Bradl, jahrelang als Test- und Ersatzfahrer bei Honda an Marquez‘ Seite, sieht in den Stürzen allerdings kein Warnsignal, sondern das genaue Gegenteil. „Das ist einfach typisch Marc Marquez. Er sucht den Grenzbereich. Wenn er diesen gefunden hat, das Limit ertastet hat, dann weiß er auch, wie er das einzuschätzen hat“, erklärte Bradl als ServusTV-Experte in der Sendung „Sport und Talk aus dem Hangar 7″. Stürze der Nummer 93 seien sogar ein positives Zeichen: „Wenn man sieht, dass er stürzt, dass er das Risiko nimmt und solche kleinen Stürze in Kauf nimmt, dann ist der Mann wieder ganz gefährlich.“
Die Jagd auf Rossis Rekorde
Neben der Titelverteidigung geht es 2026 für Marquez auch um historische Bestmarken, die fast alle mit einem Namen verknüpft sind: Valentino Rossi. Bradl kennt seinen ehemaligen Teamkollegen gut genug, um zu wissen, dass ihn genau das antreibt. „Ich denke, es ist alles an Rekorden möglich. Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass ihn das reizt. Ich will nicht behaupten, dass solche Rekorde auf seiner Prioritätenliste ganz oben stehen, aber sie sind dennoch interessant für ihn“, so der Deutsche. Und dann wird Bradl deutlich: „Natürlich will er der alleinige King sein in der MotoGP und Valentino Rossi überholen. Das ist der Anreiz.“
Schon beim Saisonauftakt in Buriram könnte Marquez einen Meilenstein erreichen: seinen 100. Grand-Prix-Sieg über alle Klassen hinweg. In der MotoGP-Klasse allein wäre es sein 74. Erfolg. Aktuell steht er bei 99 Siegen insgesamt und damit auf Rang 3 der ewigen Bestenliste hinter Giacomo Agostini mit 122 und Rossi mit 115 Siegen.
Besonders spannend wird der Blick auf die reinen MotoGP-Siege. Rossi kommt auf 76 Siege in der MotoGP-Ära (ohne 500cc), Marquez auf 73. Drei Siege fehlen also noch, um Rossi auch in dieser Wertung abzulösen. In der kombinierten Wertung aus 500cc und MotoGP führt Rossi mit 89 Siegen vor Marquez mit 73 und Agostini mit 68.
Bei den WM-Titeln sieht es ähnlich eng aus. Marquez steht mit neun Weltmeisterschaften über alle Klassen gleichauf mit Rossi, Mike Hailwood und Carlo Ubbiali. In der Königsklasse hat er sieben Titel, genau wie Rossi. Nur Agostini liegt mit acht Königsklassen-Titeln noch davor. Ein achter MotoGP-Titel 2026 würde Marquez also mit Agostinis Rekord gleichziehen lassen.
Auch bei den meisten Siegen in einer einzelnen Saison hält Marquez bereits den Rekord: 13 Siege in der Saison 2014, gefolgt von seinen eigenen 12 Siegen 2019 und Mick Doohans 12 Siegen 1997.

Bruder Alex als zusätzlicher Antrieb
Eine weitere Motivationsquelle sieht Bradl in der Familiendynamik. Alex Marquez, der jüngere Bruder, fuhr 2025 als Vizeweltmeister die beste Saison seiner Karriere. „Meiner Meinung nach ist es für ihn extrem wertvoll, dass sein Bruder so stark ist. Dass sie gemeinsam Podien einfahren und als Brüderpaar so erfolgreich sind. Das hatte auf Marc einen extrem positiven Einfluss“, meint Bradl.
Alex selbst geht 2026 mit neuem Selbstbewusstsein in die Saison. Erstmals steht ihm bei Gresini Racing das volle Werksmaterial von Ducati zur Verfügung. Für ihn eröffnet das ganz neue Möglichkeiten. „Es geht nicht nur um die Verantwortung, sondern um die Chancen. Letztes Jahr gab es null Chancen. Dieses Jahr hat man viele Möglichkeiten, das Paket immer weiter zu verbessern“, sagte er. Im Vergleich zu den Vorjahren mache das Testen deutlich mehr Sinn, es gebe tatsächlich Dinge auszuprobieren, statt nur Runden zu drehen.
Vertrag und Teamkonstellation 2026
Noch während des Buriram-Tests war der neue Vertrag zwischen Marquez und Ducati nicht unterschrieben. Der Weltmeister erklärte, er wolle zunächst die Genesung seiner Schulter weiter evaluieren, bevor er sich langfristig bindet. Ducati drängt auf einen Zweijahresvertrag, und die Bekanntgabe soll in den kommenden Tagen noch vor dem Saisonstart erfolgen. An seiner Seite im Werksteam soll Pedro Acosta treten, während Bagnaia vor einem Wechsel zu Aprilia stehen soll.

Bradls klare Prognose
Für Stefan Bradl steht der Ausgang der Saison schon fest. „Ich tippe darauf, dass Marc Marquez seinen Titel verteidigt. Er ist einfach der intelligenteste und vom Rennmanagement her der Beste“, so sein Urteil. Ob es am Ende tatsächlich so kommt, wird sich ab diesem Wochenende zeigen. Die Voraussetzungen für eine historische Saison sind jedenfalls gegeben.
Was das für mich als MotoGP-Fan bedeutet?
Was sich 2026 rund um Marc Marquez zusammenbraut, hat das Zeug zur denkwürdigsten Saison seit Jahren. Hier geht es nicht nur um einen weiteren Titel oder einen weiteren Sieg. Hier schreibt möglicherweise jemand die Geschichtsbücher um, und zwar genau die Kapitel, die seit Jahren mit dem Namen Valentino Rossi versehen sind. Wer die Rivalität zwischen den beiden über die Jahre verfolgt hat, weiß, wie emotional aufgeladen dieses Thema ist. Dass Marquez das alles nach einer derart brutalen Verletzungshistorie angeht, mit einem Körper, der nach seinen eigenen Worten immer träger wird, macht die Sache nur noch beeindruckender. Dazu kommt die Geschichte mit Bruder Alex, der endlich das Material hat, um ganz vorne mitzufahren. Zwei Brüder, die gemeinsam um Podien und Siege kämpfen, das gab es in dieser Form in der MotoGP noch nie. Und dann ist da noch die Frage, wie lange das Ducati-Werksteam in dieser Konstellation überhaupt Bestand hat, wenn Bagnaia tatsächlich zu Aprilia wechselt und Acosta als neuer Teamkollege kommt. Es gibt selten eine Saison, bei der schon vor dem ersten Rennen so viele Erzählstränge zusammenlaufen. Buriram am Wochenende wird zeigen, in welche Richtung sich das alles entwickelt.
- Motorex 960-836Motorex Racing Ketten-SchmiermittelGrundpreis: € 39,98 / l








