- Die neue Helmnorm FIMFRHPhe-02 gilt seit Saisonbeginn 2026
- Bagnaia, Bastianini und Moreira waren im MotoGP-Feld betroffen
- Ein Mitarbeiter des Helmherstellers PT Tara musste die Zertifizierungsetiketten persönlich aus der Schweiz nach Thailand fliegen
Als hätte der Start in die neue MotoGP-Saison nicht ohnehin schon genug Unsicherheit und Nervosität mit sich gebracht, kam beim Auftaktrennen im thailändischen Buriram eine weitere Stressquelle hinzu. Ausgerechnet der Helm, eigentlich das wichtigste Schutzelement eines Rennfahrers, wurde zum Problem. Gleich mehrere Piloten in allen drei Klassen waren betroffen und mussten kurzfristig improvisieren.
Neue Sicherheitsnorm als Auslöser
Hintergrund ist die neue Homologationsvorschrift FIMFRHPhe-02 der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM), die ab dieser Saison verpflichtend gilt. Angekündigt wurde der neue Standard bereits vor drei Jahren. Neben deutlich verschärften Aufpralltests für die Helmschalen liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Visiersicherung. Die Visiere müssen nun so konstruiert sein, dass sie sich bei einem Sturz nicht vom Helm lösen können.
Diese Verschärfungen brachten die Helmhersteller an ihre Grenzen. Mehr als ein Hersteller schaffte es nicht, rechtzeitig zum ersten Rennwochenende alle Zertifizierungen abzuschließen. Ein zusätzlicher Faktor erschwerte die Lage: Jede einzelne Helmgröße benötigt eine separate Homologation, was den gesamten Prozess erheblich aufwendiger macht.
PT Tara Group im Zentrum des Problems
Der auffälligste Fall in Thailand betraf die indonesische PT Tara Group, die gleich zwei bekannte Helmmarken besitzt: KYT und Suomy. KYT stattet unter anderem Enea Bastianini und Diogo Moreira aus, während Suomy den zweifachen Weltmeister Francesco Bagnaia beliefert. Die Helmgrößen der beiden Italiener und des Brasilianers erhielten ihre Homologation erst am Donnerstagnachmittag, nachdem Labortests im spanischen Aragon bestanden worden waren.
Etiketten aus der Schweiz, Luftraum über Doha gesperrt
Allerdings entstand ein logistisches Problem: Die offiziellen Zertifizierungsetiketten können ausschließlich am FIM-Hauptsitz im schweizerischen Mies gedruckt werden. Ein Mitarbeiter von PT Tara flog daraufhin in die Schweiz, um die Etiketten am Freitag persönlich abzuholen, und bestieg anschließend einen Flug nach Thailand mit Zwischenstopp in Doha. Nur zwei Stunden nach seinem Abflug Richtung Bangkok wurde allerdings der Luftraum über dem Nahen Osten wegen eines Konflikts gesperrt, was die Anreise zusätzlich dramatisch machte.
Fremdhelme als Notlösung
Da nicht sicher war, ob die Zertifizierungen rechtzeitig für die Sessions am Freitag und Samstag eintreffen würden, sicherten sich die drei betroffenen Fahrer homologierte Ersatzhelme von Konkurrenzmarken. Die Designs ihrer gewohnten Helme wurden dabei auf die Fremdhelme übertragen, während die tatsächliche Helmmarke verdeckt wurde, um mögliche rechtliche Konflikte mit den bestehenden Sponsorenverträgen zu vermeiden.
Bastianini fuhr am Freitag mit einem Arai-Modell, fühlte sich damit aber nicht vollständig wohl. Am Samstag wechselte er deshalb auf einen Alpinestars-Helm. Bagnaia, einer der prominentesten Markenbotschafter von Suomy, erhielt besondere Aufmerksamkeit: Zwei Mitarbeiter der Rennabteilung des Helmherstellers waren am Eingang der Ducati-Box stationiert, um sein Feedback direkt aufzunehmen.
Am Sonntag wieder mit dem eigenen Helm
Am Rennsonntag konnten schließlich alle betroffenen Fahrer im Warm-up mit ihren regulären Helmen fahren. Die Zertifizierungsetiketten waren eingetroffen und ordnungsgemäß in die Helme eingenäht worden. Was als bürokratisches Problem begann, hatte sich über das gesamte Wochenende gezogen und den betroffenen Fahrern in einer ohnehin angespannten Phase zusätzlichen Stress bereitet.
Die Situation wirft Fragen auf, wie gut die Übergangsfristen bei derart grundlegenden Regeländerungen funktionieren. Die FIM hatte den neuen Standard zwar drei Jahre im Voraus angekündigt, doch offenbar reichte diese Vorlaufzeit für einige Hersteller nicht aus, um sämtliche Größen rechtzeitig homologieren zu lassen. Dass ausgerechnet ein Pilot wie Bagnaia, amtierender Spitzenfahrer und prominentes Aushängeschild seines Helmsponsors, betroffen war, unterstreicht die Tragweite des Problems.
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