- Entschädigungsansprüche wegen Schlaglöchern stiegen seit 2021 um 91 Prozent
- Nur 26 Prozent der Anträge führten 2024 zu Auszahlungen
- Für Motorradfahrer bedeuten Schlaglöcher ein deutlich höheres Verletzungsrisiko
Der schlechte Zustand vieler Straßen sorgt seit Jahren für Diskussionen. Neue Zahlen zeigen nun, wie stark sich das Problem verschärft hat. Hinter den Statistiken stehen jedoch nicht nur beschädigte Fahrzeuge, sondern auch schwere Unfälle mit langfristigen Folgen insbesondere für Motorradfahrer.
Deutlich mehr Entschädigungsanträge wegen Straßenschäden
Eine Auswertung des Automobilclubs RAC auf Basis von Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz zeigt einen deutlichen Anstieg der Schlagloch Entschädigungsanträge. Bei 177 antwortenden Kommunen gingen im Jahr 2024 insgesamt 53.015 Ansprüche ein. Im Jahr 2021 waren es noch 27.731. Das entspricht einem Plus von 91 Prozent innerhalb von drei Jahren.
Besonders stark fiel der Anstieg in Derbyshire aus. Dort wuchs die Zahl der Anträge von 224 auf 3.307. Auch Glasgow verzeichnete mehr als eine Verdopplung auf 2.794 Ansprüche. Oxfordshire folgte mit einem Anstieg von 488 auf 1.941 Anträge.
Trotz dieser Entwicklung ging die Gesamtzahl im Vergleich zu 2023 leicht zurück. Damals wurden 56.655 Ansprüche gezählt. Der Rückgang von rund sechs Prozent ändert jedoch wenig am grundsätzlichen Ausmaß des Problems.
Nur ein Bruchteil der Ansprüche wird anerkannt
Von den über 53.000 eingereichten Anträgen im Jahr 2024 führten lediglich 26 Prozent zu einer Auszahlung. Insgesamt wurden 13.832 Fälle reguliert. Die Kommunen zahlten dafür rund 3,56 Millionen Euro (€) beziehungsweise etwa 3,87 Millionen US Dollar ($) aus.
Die durchschnittliche Entschädigung lag bei etwa 449 Euro (€) oder rund 488 US Dollar ($) pro Fall. Demgegenüber stehen durchschnittliche Reparaturkosten von etwa 679 Euro (€) beziehungsweise 739 US Dollar ($), sobald Schäden über einen einfachen Reifenschaden hinausgehen.
Einige Kommunen lehnten nahezu alle Anträge ab. In Gloucestershire, Worcestershire, Medway, Carmarthenshire und Telford wurden rund 99 Prozent der Forderungen zurückgewiesen. Bridgend stellte eine Ausnahme dar und zahlte alle 52 eingegangenen Anträge aus.
Motorradfahrer tragen ein besonders hohes Risiko
Während Autofahrer meist mit beschädigten Reifen oder Fahrwerkskomponenten konfrontiert sind, stellt ein Schlagloch für Motorradfahrer ein akutes Sicherheitsrisiko dar. Bereits ein einzelner Defekt in der Fahrbahn kann zum Kontrollverlust führen. Ohne Knautschzonen oder schützende Karosserie sind die Folgen eines Sturzes oft deutlich schwerwiegender.
Das zeigt auch das Schicksal von Richard Cheshire. Er wurde im Alter von 19 Jahren nach einem Unfall wegen einem Schlagloch vom Hals abwärts gelähmt. Der Unfall ereignete sich im Oktober 2010 auf einer Landstraße bei Mansfield. Nach dem Aufprall auf einen Zaun erlitt er schwerste Rückenmarksverletzungen und verbrachte sechs Monate im Krankenhaus.
„It has been 15 years, and the roads are a massive embarrassment. Nothing has changed.“
„Es sind 15 Jahre vergangen, und die Straßen sind eine massive Blamage. Nichts hat sich geändert.“
Richard ist heute dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Seine eigene Entschädigungsklage blieb erfolglos. Die betroffene Straße wurde zwar später saniert und das Tempolimit gesenkt, eine rechtliche Verantwortung wurde jedoch nicht festgestellt.
Lebenslange Folgen statt einmaliger Reparaturkosten
Heute arbeitet Richard Cheshire in spezialisierten Kliniken und engagiert sich als Rollstuhl Trainer für die Wohltätigkeitsorganisation Whizz Kidz. Er weist darauf hin, dass die Folgekosten schwerer Unfälle langfristig deutlich höher sind als regelmäßige Straßeninstandhaltung.
„The NHS is paying throughout my life. I’ve adapted, but I’m ageing differently. It takes a toll on your body and your mind.“
„Der staatliche Gesundheitsdienst zahlt mein ganzes Leben lang. Ich habe mich angepasst, aber ich altere anders. Das belastet Körper und Geist.“
Gerade für Motorradfahrer tauchen diese Kosten in keiner Schadensstatistik auf. Ein Unfall kann den Verlust der Mobilität, des Berufs und der Selbstständigkeit bedeuten.
Investitionen angekündigt doch Skepsis bleibt
Die britische Regierung hat Investitionen von rund 8,5 Milliarden Euro beziehungsweise etwa 9,3 Milliarden US Dollar ($) über vier Jahre angekündigt, um Straßen zu sanieren und Schlaglöcher zu beseitigen. Kommunen sollen dadurch Planungssicherheit erhalten und verstärkt präventive Maßnahmen umsetzen.
Der RAC sieht darin einen Schritt in die richtige Richtung, warnt jedoch, dass sich Verbesserungen erst mittelfristig bemerkbar machen dürften. Solange bleibt das Risiko insbesondere für Motorradfahrer hoch.
Die steigende Zahl der Anträge zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist. Für viele Zweiradfahrer geht es dabei nicht um beschädigte Felgen oder Reifen, sondern um die eigene körperliche Unversehrtheit.

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