- Betroffen sind zehn Modelle der Baujahre 2022 bis 2024, darunter Bonneville T100, T120, Speed Twin 900 und Scrambler 900
- Der Zulieferer Mahle lieferte das fehlerhafte Bauteil
- Ein erster Rückruf im Oktober 2024 brachte keine ausreichende Lösung für alle betroffenen Fahrzeuge
Triumph Motorcycles America hat bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA einen Sicherheitsrückruf unter der Kampagnennummer SRAN 641 eingereicht. Insgesamt sind 8.849 Motorräder betroffen, was laut den Werksunterlagen des Herstellers 100 Prozent der betroffenen Produktionspopulation entspricht. Die betroffenen Maschinen liefen zwischen Januar 2021 und Dezember 2023 vom Band.
Drei Kabel zwischen Lichtmaschine und Regler als Problemquelle
Das Problem liegt an der Verbindung zwischen Lichtmaschine und Gleichrichter/Regler. Drei Kabel, die den Strom von der Lichtmaschine zum Regler transportieren, sind über einen zweiteiligen Kunststoffstecker mit dem Hauptkabelbaum verbunden. Dieser Stecker kann den Belastungen im Alltagsbetrieb offenbar nicht dauerhaft standhalten. Die Ursache ist laut NHTSA-Bericht eine Kombination aus mehreren Faktoren: Ölkontakt, die Umgebungstemperatur des Motors, sogenanntes Fretting (Reibkorrosion) an den Kontaktstellen und eine hohe Stromaufnahme. Zusammen führen diese Faktoren dazu, dass der Übergangswiderstand an der Verbindung steigt und Temperaturen entstehen, die das Kunststoffmaterial des Steckergehäuses überfordern.
Im schlimmsten Fall kann es zu Rauchentwicklung und Überhitzung kommen, was zu verkohlten Steckern und thermischen Schäden an umliegenden Bauteilen führen kann. Das erhöht das Risiko eines Unfalls oder eines Brandes. Ein diagnostisches Warnsystem über die Bordelektronik existiert nicht. Besitzer können den Defekt allenfalls anhand sichtbarer Schäden am Steckergehäuse erkennen, etwa durch Blasenbildung oder geschwärzte Gehäuseteile und Kabel.
Zweiter Anlauf nach gescheitertem Erstfix
Der aktuelle Rückruf ist bereits der zweite Versuch, das Problem zu beheben. Im Oktober 2024 hatte Triumph unter der Kampagnennummer SRAN 627 (NHTSA-Rückruf 24V785) einen ersten Rückruf gestartet. Die damalige Lösung bestand darin, einen sogenannten Wire Alignment Clip einzubauen, der die Kabelführung im Stecker stabilisieren sollte. Diese Maßnahme erwies sich jedoch bei einem Teil der betroffenen Fahrzeuge als unzureichend. Konkret funktionierte der Fix bei Motorrädern mit einer Fahrgestellnummer oberhalb von AE2011 nicht wie erhofft, da an diesen Maschinen bereits vorgeschädigte Kontakte im Stecker die Wirksamkeit des Clips einschränkten. Fahrzeuge unterhalb dieser Fahrgestellnummer gelten laut Triumph dagegen als statistisch zuverlässig.
Zwischen November 2024 und Juli 2025 überwachte die Qualitätsabteilung von Triumph die Ergebnisse des ersten Rückrufs und stellte fortlaufend Defekte fest. Im Februar 2026 fiel dann die Entscheidung, die alte Kampagne zu ersetzen und den neuen Rückruf SRAN 641 aufzulegen.
Welche Modelle sind betroffen?
Insgesamt betrifft der Rückruf zehn verschiedene Modellvarianten aus der Bonneville-Familie. Die meisten Maschinen entfallen auf die Bonneville T120 Black mit 1.928 Stück, gefolgt von der Bonneville T120 mit 1.540 und der Bonneville T100 mit 1.425 Exemplaren. Die Speed Twin 900 (Modelljahre 2023 bis 2024) ist mit 1.345 Einheiten vertreten, die Street Twin (Modelljahr 2022) mit 1.022 und die Street Scrambler (Modelljahr 2022) mit 610. Dazu kommen die Scrambler 900 mit 628 Einheiten, die Street Twin Goldline und die Street Scrambler Sandstorm mit jeweils 150 Stück sowie die auf 51 Exemplare limitierte Bonneville T120 DGR aus dem Modelljahr 2024.
Neue Reparaturlösung soll das Problem dauerhaft beseitigen
Die Reparatur bei den Triumph-Vertragshändlern sieht vor, den bisherigen zweiteiligen Kunststoffstecker komplett zu entfernen. An seiner Stelle wird für jedes der drei Kabel eine einzelne, direkt gecrimpte Inline-Verbindung hergestellt. Damit entfällt der anfällige Steckerkontakt vollständig. Laut Triumph wurde diese Lösung umfangreich analysiert und unter verschiedenen Einsatzbedingungen getestet, einschließlich Worst-Case-Szenarien.
In der laufenden Produktion hat Triumph das Problem bereits ab der Fahrgestellnummer BT0246 durch den werksseitig verbauten Wire Alignment Clip behoben. Bei diesen Fahrzeugen wurden bisher keine Beanstandungen im Feldeinsatz gemeldet.
Händler bereits informiert, Besitzer erhalten Post
Triumph hat sein US-Händlernetz bereits am 18. Februar 2026 über den Rückruf informiert. Benachrichtigungsschreiben an die registrierten Besitzer der betroffenen Motorräder wurden ab dem 24. Februar 2026 verschickt. Betroffene Halter sollen sich an ihren lokalen Triumph-Vertragshändler wenden, um einen Werkstatttermin zu vereinbaren. Die Reparatur erfolgt im Rahmen des Rückrufs kostenlos.
Wer die Reparatur bereits auf eigene Kosten hat durchführen lassen, kann unter Vorlage entsprechender Belege wie Werkstattrechnungen eine Erstattung beantragen. Die Abwicklung läuft über das allgemeine Erstattungsprogramm von Triumph aus dem April 2024.
Die NHTSA führt den Rückruf unter der Nummer 26V078. In den USA können Besitzer die Kunden-Hotline von Triumph unter 1-678-854-2010 erreichen oder sich direkt an die NHTSA unter 1-888-327-4236 wenden. Ob der Rückruf auch Märkte außerhalb der USA betrifft, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor.
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