- TVS verkaufte 2025 insgesamt 5,46 Millionen Zweiräder, ein Plus von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Yamaha kam im selben Zeitraum auf rund 5 Millionen Einheiten mit einem Wachstum von nur 0,8 Prozent
- Zwei der drei größten Zweiradhersteller weltweit kommen nun aus Indien
Die Rangordnung unter den größten Zweiradherstellern der Welt galt jahrelang als festgezurrt. Honda an der Spitze, Hero MotoCorp auf Platz zwei, Yamaha auf dem dritten Rang. Doch 2025 hat der indische Hersteller TVS Motor Company aus Chennai diese Ordnung durchbrochen und Yamaha von der dritten Position verdrängt. Es ist eine jener seltenen Verschiebungen in der globalen Motorradindustrie, die auf eine grundlegende Veränderung der Marktdynamik hindeuten.
Die Zahlen hinter dem Wechsel
TVS setzte im Kalenderjahr 2025 insgesamt 5,46 Millionen Motorräder und Roller ab. Im Vorjahr waren es noch 4,52 Millionen Einheiten gewesen, was einem Wachstum von 20,7 Prozent entspricht. Yamaha kam im gleichen Zeitraum auf rund 5 Millionen verkaufte Zweiräder, nach 4,96 Millionen im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von lediglich 0,8 Prozent.
Der Abstand zwischen beiden Herstellern ist mit rund 460.000 Einheiten nicht riesig, aber deutlich genug, um eine Verschiebung festzustellen, die sich über mehrere Jahre angebahnt hat. Zum Vergleich: Noch 2023 lag TVS mit 3,4 Millionen abgesetzten Zweirädern auf dem fünften Platz der globalen Rangliste, damals noch hinter Yamaha und dem indischen Konkurrenten Bajaj.
An der Spitze des weltweiten Rankings thront weiterhin Honda mit 16,44 Millionen verkauften Einheiten im Jahr 2025, ein Plus von 6 Prozent gegenüber den 15,51 Millionen des Vorjahres. Rund 85 Prozent von Hondas globalem Absatz entfallen auf den asiatischen Raum. Hero MotoCorp hält den zweiten Platz mit 6,25 Millionen Einheiten, nach 5,94 Millionen im Vorjahr, was einem Zuwachs von 5,2 Prozent entspricht.
Warum TVS so schnell wächst
Der Aufstieg von TVS hat mehrere Ursachen. Der Hersteller aus dem südindischen Chennai verfügt über ein breites Produktportfolio, das vom Moped über Pendlermaschinen und Roller bis hin zu sportlichen Motorrädern reicht. Dieses breite Angebot ermöglicht es dem Unternehmen, in verschiedenen Marktsegmenten gleichzeitig zu wachsen.
Ein wesentlicher Treiber ist der sogenannte Premiumisierungstrend auf dem indischen Markt. Die Nachfrage verschiebt sich dort zunehmend in Richtung Motorräder mit mehr als 150 Kubikzentimeter Hubraum, und TVS hat sein Angebot in diesem Segment gezielt ausgebaut. Modelle wie die Apache-Baureihe profitieren von dieser Entwicklung.
Gleichzeitig ist TVS in Indien der drittgrößte Zweiradhersteller hinter Hero MotoCorp und Honda mit einem geschätzten Marktanteil von 19 bis 20 Prozent. Doch anders als viele Konkurrenten hat TVS sein Wachstum nicht allein auf den Heimatmarkt gestützt. Das Unternehmen hat insbesondere in Afrika eine starke Exportpräsenz aufgebaut, die erheblich zum Gesamtvolumen beiträgt. Auch Lateinamerika, Südostasien und der Nahe Osten stehen im Fokus der Expansionsstrategie.
Elektromobilität als zusätzlicher Wachstumsmotor
Im Bereich der elektrischen Zweiräder hat sich TVS ebenfalls an die Spitze gesetzt. In Indien führt das Unternehmen mit Modellen wie dem iQube und dem Orbiter regelmäßig die monatlichen Verkaufsstatistiken an. Der Marktanteil im indischen Elektro-Zweiradsegment soll bei über 30 Prozent liegen, mit durchschnittlich mehr als 30.000 verkauften Einheiten pro Monat. Die jährliche Produktionskapazität nähert sich laut Branchenberichten der Marke von 500.000 Einheiten, und eine weitere Ausweitung wird geprüft.
Yamahas anderer Weg
Yamahas Entwicklung verlief in die entgegengesetzte Richtung. Der japanische Hersteller hat sich über die Jahre zunehmend auf Nischensegmente innerhalb des Massenmarktes konzentriert und mehrere Hochvolumen-Kategorien verlassen. Ein beträchtlicher Teil von Yamahas Absatz entfällt auf entwickelte Märkte wie Japan, Europa und Nordamerika, wo das Nachfragewachstum tendenziell langsamer verläuft als in den Schwellenländern.
In Nordamerika beispielsweise ist Yamaha stark im Bereich der Premium-Motorräder, Performance-Segmente und Offroad-Modelle positioniert, also in Bereichen mit vergleichsweise geringen Stückzahlen gegenüber den Pendlermaschinen, die in Entwicklungsländern dominieren.
Yamaha selbst beschrieb die Geschäftsentwicklung 2025 als durchwachsen. In Japan stiegen die Verkaufszahlen zwar, doch in Europa und den USA ging die Nachfrage zurück. In den Schwellenmärkten wurden Produktion und Auslieferungen in Vietnam zeitweise unterbrochen, während die Absätze in Indonesien, den Philippinen und Thailand zulegten. Insgesamt blieben Umsatz und Verkaufszahlen bei Motorrädern laut Unternehmensangaben auf dem Niveau des Vorjahres, allerdings sank das operative Ergebnis durch höhere Beschaffungskosten, gestiegene Ausgaben für Forschung und Entwicklung, steigende Arbeitskosten und die Auswirkungen neuer US-Zölle.
TVS und Norton: Der Griff nach dem Premiummarkt
TVS beschränkt sich nicht auf den Massenmarkt. Das Unternehmen ist seit einigen Jahren Eigentümer der traditionsreichen britischen Marke Norton Motorcycles und hat diese faktisch wiederbelebt. Norton hat kürzlich vier neue Modelle vorgestellt, die weltweit verkauft werden sollen. Mit der Übernahme positioniert sich TVS auch im Premium-Segment jenseits des asiatischen Kernmarktes.
Darüber hinaus kooperiert TVS mit BMW Motorrad. In diesem Rahmen entstehen unter anderem die Baureihe BMW G 310 sowie der Elektroroller BMW CE 02. Diese Partnerschaften zeigen, dass TVS nicht nur als Volumenhersteller agiert, sondern auch als Entwicklungs- und Produktionspartner für etablierte westliche Marken.
Um die technologische Kompetenz weiter auszubauen, hat TVS mit Sudarshan Venu einen neuen Vorsitzenden eingesetzt und Nick Rogers, den ehemaligen Technik-Chef von Jaguar Land Rover, in das Führungsteam geholt. Diese personellen Entscheidungen unterstreichen den Anspruch des Unternehmens, sich langfristig als globaler Akteur im Premium-Bereich zu etablieren.
Was die Verschiebung für die Branche bedeutet
Der Aufstieg von TVS auf den dritten Platz ist mehr als eine Fußnote in der Absatzstatistik. Mit TVS und Hero MotoCorp stehen nun zwei indische Hersteller unter den drei größten Zweiradproduzenten der Welt. Das spiegelt den wachsenden Einfluss der indischen Industrie im globalen Motorradmarkt wider und zeigt, wie sehr sich der Schwerpunkt der Branche in Richtung Schwellenländer verschoben hat.
Die Formel dahinter ist im Grunde simpel: Wer in den volumenstarken Märkten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas mit einem breiten, bezahlbaren Produktportfolio vertreten ist und gleichzeitig den Trend zur Elektromobilität bedient, wächst schneller als ein Hersteller, der primär in gesättigten westlichen Märkten auf Premium-Segmente setzt. Ob Yamaha diesen Rückstand in den kommenden Jahren wieder aufholen kann, hängt nicht zuletzt davon ab, ob der japanische Hersteller seine Strategie in den Hochvolumen-Märkten anpasst.

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