- Quartararo als bester Yamaha-Pilot mit über 30 Sekunden Rückstand auf Sieger Bezzecchi
- Yamaha verbietet allen vier Fahrern den Kontakt mit den Medien nach dem Rennen
- Neuer V4-Motor noch ohne klare Entwicklungsrichtung, neue Triebwerke soll es erst ab Mai geben
Der MotoGP-Saisonauftakt 2026 auf dem Chang International Circuit im thailändischen Buriram hätte für Yamaha kaum schlechter laufen können. Was sich bereits in den Wintertests angedeutet hatte, bestätigte sich beim ersten Kräftemessen unter Rennbedingungen auf drastische Weise: Die neue M1 mit V4-Motor ist derzeit in keiner Disziplin konkurrenzfähig.

Vier Yamaha-Piloten, vier Platzierungen jenseits der Punkteränge
Die nackten Zahlen zeichnen ein ernüchterndes Bild. Fabio Quartararo brachte als bester Yamaha-Fahrer das Rennen auf Platz 14 ins Ziel, mit einem Rückstand von 30,823 Sekunden auf Rennsieger Marco Bezzecchi (Aprilia). Dass der Weltmeister von 2021 überhaupt zwei WM-Punkte einfuhr, lag vor allem an Stürzen und Ausfällen der Konkurrenz. Dahinter reihten sich Alex Rins auf Platz 15 mit 33 Sekunden Rückstand, Klassenneuling Toprak Razgatlioglu auf Position 17 mit 39,2 Sekunden und Jack Miller auf Rang 18 mit 47,8 Sekunden Rückstand ein. 14., 15., 17. und 18. beim Saisonauftakt: Das ist der schlechteste Start in eine MotoGP-Saison, den Yamaha in der modernen Ära je hingelegt hat.
Auch im direkten Tempovergleich wird das Ausmaß des Rückstands deutlich. Bezzecchi fuhr über die 26 Runden eine Durchschnittsrundenzeit von 1:31,390 Minuten. Quartararo kam auf einen Schnitt von 1:32,468 Minuten, lag also pro Runde über eine Sekunde hinter dem Renntempo des Siegers, und das auf einer der kürzesten Strecken im Kalender. Bereits im Qualifying war der Franzose als 16. fast 0,9 Sekunden davon entfernt, die Q1 anzuführen, geschweige denn in die Nähe der Pole Position zu kommen.
Neuer V4-Motor: Mehr Probleme als Lösungen
Das neue V4-Projekt, mit dem Yamaha langfristig an alte Erfolge anknüpfen will, steckt noch tief in den Kinderschuhen. Die M1 war in Buriram nicht nur am langsamsten in den Topspeed-Messungen, sondern kämpfte auch mit mangelndem Hinterradgrip und soll weniger agil sein als der Vorgänger mit Reihenmotor. Yamaha hatte im Vorfeld keinen Hehl daraus gemacht, die erste Saisonhälfte 2026 als eine Art verlängerten Test zu betrachten. Doch die Realität in Thailand fiel offenbar noch härter aus als erwartet.
Bereits beim Sepang-Test hatten öffentlich sichtbare mechanische Probleme einen kompletten Testtag gekostet. Während des Buriram-Tests sorgte Quartararo mit frustrierten Reaktionen für Aufsehen. Auch Rins zeigte sich unzufrieden, als er erfuhr, dass eines seiner Motorräder an Quartararo weitergegeben werden sollte, was auf Spannungen hinter den Kulissen hindeutet. Quartararo selbst erklärte, er erwarte keine neuen Motoren vor Mai und sehe derzeit keine klare Entwicklungsrichtung für das Projekt.

Mediensperre und Rennchef als Sprachrohr
Ein ungewöhnlicher Schritt unterstrich die angespannte Lage bei Yamaha nach dem Rennen. Kein einziger der vier Yamaha-Fahrer stand den Medienvertretern Rede und Antwort. Dass Fahrer bei Überseerennen gelegentlich Medientermine auslassen, ist nicht ungewöhnlich und geschieht oft aus logistischen Gründen. Dass ein Hersteller jedoch alle seine Piloten von den Mikrofonen fernhält und stattdessen eine Führungsperson vorschickt, ist selten und wird im Fahrerlager als deutliches Warnsignal gewertet.
Stattdessen trat MotoGP-Rennchef Paolo Pavesio vor die versammelte Presse. „Ich bin nicht der neue Fahrer von Yamaha“, eröffnete er seine Stellungnahme. „Zu Beginn unserer Reise, nachdem unsere Fahrer das ganze Wochenende ihr Bestes gaben, halte ich es für richtig, dass ich als Repräsentant der Firma erkläre, wo wir mit unserem Projekt stehen.“ Pavesio sprach offen über den Umfang des Rückstands und die Herausforderungen: „Jetzt wissen wir, wie groß der Rückstand ist und dass wir einen Berg zu erklimmen haben. Aber wir verpflichten uns dazu, diese Schritte zu machen, einen nach dem anderen.“
Er betonte, dass Yamaha beim Übergang zum neuen Motor bewusst Einbußen in Kauf genommen habe. „Über eine fliegende Runde konnten wir im vergangenen Jahr ein recht gutes Level erreichen. Wir wussten, dass wir das zu Beginn verlieren. Das opferten wir, um mehr Konstanz während des Rennens zu erreichen.“ Im Sprint sei der Rückstand der besten Yamaha zum Sieger identisch mit dem Vorjahr gewesen, im langen Rennen habe man allerdings deutlich mehr Probleme gehabt.
Pavesio gab zu, dass eine zeitliche Prognose schwierig sei. „Mit jeder Runde auf der Strecke entdecken wir neue Dinge, wir sind noch damit beschäftigt, die Grundabstimmung der Maschine zu erarbeiten.“ Dank der Concession-Regeln könne Yamaha mehr testen als die direkte Konkurrenz, was im Laufe der Saison Fortschritte ermöglichen soll. „Es gibt keine Magie. Wir sind entschlossen, die Sekunde, die uns zu den anderen fehlt, aufzuholen.“

Emotionale Belastung und Rückendeckung aus Japan
Auch die menschliche Seite der Krise sprach Pavesio an. Er beschrieb, dass die Situation für alle Beteiligten emotional schwierig sei, die Fahrer als öffentlich sichtbarste Personen aber besonders exponiert seien. Gleichzeitig gebe es zahlreiche Mitarbeiter in der Firma, die seit Monaten Tag und Nacht an dem Projekt arbeiteten. „Jedem muss klar sein, dass das eine Reise ist. Eine Reise, die wir hinter uns bringen müssen, um dorthin zurückzukommen, wo wir sein wollen.“
Als Zeichen der Unterstützung war an diesem Wochenende der Yamaha-Präsident persönlich aus Japan an die Rennstrecke gereist. Pavesio stellte klar, dass dessen Anwesenheit nicht der Kontrolle diente, sondern der Versicherung, dass das Projekt die volle Rückendeckung der Konzernspitze genieße. „Nichts aus der Vergangenheit ist mehr garantiert, das ist jedem bei uns klar.“
Parallelen zu 2017 und ein langer Weg
Die Mediensperre in Buriram erinnert an eine ähnliche Situation aus dem Jahr 2017, als Yamahas Management sich in Österreich öffentlich bei den versammelten Medien entschuldigte, während Valentino Rossi und Maverick Viñales im Hintergrund auf Fragen warteten. Damals benötigte Yamaha fünf weitere Jahre, bis der Hersteller 2021 mit Quartararo wieder einen MotoGP-Titel gewinnen konnte.
Inzwischen soll Quartararo vor einem Wechsel zu Honda stehen. Yamaha hat allerdings mit Jorge Martin und Luca Marini namhafte Neuzugänge für die Zukunft gewonnen. Ob diese den Turnaround beschleunigen können, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell das V4-Projekt Fortschritte macht. Nach dem Saisonauftakt in Thailand scheint ein langer Weg bevorzustehen.


- Cardo PTP00001Cardo Packtalk Pro (1er Set) (PTP00001) Schwarz







