- Motorräder sind ab 2025 von den Touristenfahrten auf der Nordschleife ausgeschlossen
- Petition #SaveTheRingBikes fordert Wiederzulassung
- Juristische Prüfung auf Basis des rheinland pfälzischen Nürburgring Gesetzes geplant
Die kurzfristige Entscheidung der Nürburgring Betreiber, Motorräder von den Touristenfahrten auf der Nordschleife auszuschließen, sorgt innerhalb der Motorradszene für erhebliche Diskussionen. Nach jahrzehntelanger gemeinsamer Nutzung von Autos und Motorrädern soll damit eine etablierte Praxis enden. Initiatoren einer Petition sehen darin nicht nur einen Bruch mit der Tradition, sondern möglicherweise auch einen rechtlich problematischen Schritt.
Entscheidung der Betreiber sorgt für Kritik
Die Nürburgring GmbH teilte im Februar 2025 mit, dass Motorräder ab der laufenden Saison nicht mehr an den Touristenfahrten auf der Nürburgring Nordschleife teilnehmen dürfen. Als Begründung werden Sicherheitsaspekte genannt, insbesondere unterschiedliche Fahrdynamiken und Fahrlinien von Pkw und Motorrädern.
Diese Argumentation stößt bei vielen Motorradfahrern auf Unverständnis. Kritisiert wird unter anderem, dass auch innerhalb der Pkw Teilnehmer erhebliche Unterschiede bei Tempo, Erfahrung und Linienwahl bestehen, ohne dass dies zu einem generellen Ausschluss einzelner Fahrzeuggruppen geführt habe.
Petition #SaveTheRingBikes formiert Widerstand
Einer der zentralen Akteure des Protests ist Ralf Bollinger. Der langjährige Motorradfahrer nahm nach eigenen Angaben über drei Jahrzehnte hinweg regelmäßig an den Touristenfahrten teil. Mit der Petition #SaveTheRingBikes will er Motorradfahrer und Motorsportfans vereinen, um eine Wiederzulassung zu erreichen.
Laut Bollinger habe es mehrere Gesprächsangebote an die Betreibergesellschaft gegeben, die entweder unbeantwortet geblieben oder abgelehnt worden seien. Ein strukturierter Dialog zwischen Betreibern und der nun ausgeschlossenen Nutzergruppe habe bislang nicht stattgefunden.
Sicherheitsargumente und technische Entwicklungen
Unbestritten ist nach Einschätzung der Initiatoren, dass Motorradfahrer auf der Nordschleife besonderen Risiken ausgesetzt sind. Als eine der größten Gefahren gelten Betriebsmittel wie Öl oder Kühlflüssigkeit auf der Fahrbahn. Genau hier habe sich die Infrastruktur der Strecke in den vergangenen Jahren jedoch deutlich weiterentwickelt.
Genannt werden unter anderem Videoüberwachung, KI gestützte Systeme sowie Signalanlagen entlang der Strecke, mit denen auf Gefahrenstellen aufmerksam gemacht oder einzelne Abschnitte kurzfristig gesperrt werden können. Diese Maßnahmen sollen das Risiko für Motorradfahrer verringern, ohne einen vollständigen Ausschluss erforderlich zu machen.
Keine Trennung von Auto und Motorrad vorgesehen
Eine organisatorische Trennung von Auto und Motorrad bei den Touristenfahrten lehnen die Initiatoren ab. Zum einen sei dies wirtschaftlich für den Betreiber kaum darstellbar, zum anderen bestehe die Gefahr, dass sich Motorradfahrer auf vermeintlich freier Strecke überschätzen könnten. Die Touristenfahrten seien ausdrücklich keine Rennveranstaltungen, sondern eine öffentliche Nutzung der Strecke unter gegenseitiger Rücksichtnahme.
Juristische Prüfung auf Basis des Nürburgring Gesetzes
Ein zentraler Punkt der Argumentation ist das rheinland pfälzische Landesgesetz zur Nutzung des Nürburgrings aus dem Jahr 2013. Dieses sieht eine diskriminierungsfreie Nutzung der Strecke durch die Allgemeinheit vor, einschließlich motorsportlicher Betätigung im Breitensport. Nach Auffassung der Petitionsteilnehmer lasse sich daraus kein pauschaler Ausschluss von Motorrädern ableiten.
Zur Klärung dieser Frage wurde eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die bereits in früheren Verfahren gegen den Nürburgring erfolgreich gewesen sein soll. Geplant ist zunächst ein Kurzgutachten sowie eine formelle Aufforderung an den Betreiber. Die dafür veranschlagten Kosten belaufen sich auf 10.000 € und umgerechnet rund 10.800 $.
Finanzierung über Spendenaktionen
Zur Finanzierung der rechtlichen Schritte wurden Spendenaktionen auf Plattformen wie GoFundMe und Change.org gestartet. Nach Angaben der Initiatoren haben bereits mehrere tausend Unterstützer die Petition unterzeichnet. Die gesammelten Mittel sollen ausschließlich für die juristische Auseinandersetzung verwendet werden.
Ausblick
Ob die Motorräder künftig wieder an den Touristenfahrten auf der Nordschleife teilnehmen dürfen, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass der Ausschluss für viele Betroffene nicht nur eine organisatorische Entscheidung darstellt, sondern eine grundsätzliche Frage nach Zugang, Tradition und rechtlicher Gleichbehandlung aufwirft.
Was das für mich als Motorradfahrer bedeutet
Für Motorradfahrer bedeutet der Ausschluss von Motorrädern bei den Touristenfahrten auf der Nordschleife vor allem den Verlust einer langjährig gelebten Möglichkeit, Motorradfahren in einem klar geregelten und bekannten Rahmen auszuüben. Die Teilnahme war immer eine bewusste Entscheidung, verbunden mit dem Wissen um die besonderen Risiken dieser Strecke. Mit dem Verbot entfällt nicht nur der Zugang zu einer einzigartigen Infrastruktur, sondern auch ein Teil motorsportlicher Alltagskultur, die über Jahrzehnte hinweg für Motorradfahrer selbstverständlich war. Statt individueller Verantwortung und eigener Risikoabwägung tritt nun eine pauschale Entscheidung, die keinen Unterschied zwischen erfahrenen und unerfahrenen Fahrern macht und keine Alternativen innerhalb des bestehenden Systems anbietet.
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