- Pflicht zur periodischen technischen Inspektion soll für alle Motorräder über 50 ccm gelten
- Bisherige Ausnahmeregelungen für Mitgliedstaaten sollen entfallen
- Widerstand aus dem Rat der EU und von Motorradverbänden
Die Debatte um eine europaweit einheitliche Hauptuntersuchung für Motorräder nimmt erneut Fahrt auf. Anlass ist ein Entwurf des Berichts zur Überarbeitung des sogenannten Roadworthiness Package, der aktuell im Europäischen Parlament beraten wird.
Berichtsentwurf verschärft Kommissionsvorschlag
Der zuständige Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Jens Gieseke, hat einen Entwurf vorgelegt, der deutlich über den Vorschlag der Europäischen Kommission hinausgeht. Während die Kommission eine verpflichtende periodische technische Inspektion für Motorräder mit mehr als 125 ccm vorsieht, spricht sich Gieseke für eine Prüfung aller Motorräder über 50 ccm aus.
In seinem Änderungsantrag heißt es, die Überprüfung der Verkehrssicherheit von Motorrädern bringe klare Vorteile für die Verkehrssicherheit. Mehrere Mitgliedstaaten hätten entsprechende Systeme bereits eingeführt. Daher solle die technische Prüfung für alle Motorräder mit einem Hubraum über 50 ccm verpflichtend werden. Die bisherige Möglichkeit für Staaten, Motorräder über 125 ccm von der Pflicht auszunehmen, sei aus seiner Sicht nicht länger angemessen.
Begründung: Sicherheit und Umwelt im Fokus
Zur Begründung verweist der Berichtsentwurf auf sicherheitsrelevante Aspekte. Motorräder und Motorroller mit mehr als 50 ccm erreichen höhere Geschwindigkeiten und verfügen über stärkere Motoren als kleinere Kleinkrafträder. Dies erhöhe laut Entwurf das Unfallrisiko, wenn sicherheitsrelevante Bauteile wie Bremsen, Beleuchtung oder Reifen nicht ordnungsgemäß gewartet seien.
Regelmäßige Inspektionen sollen nach Ansicht des Berichterstatters nicht nur Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer schützen, sondern auch positive Effekte auf den Umweltschutz haben. Abgasrelevante Mängel könnten früher erkannt und behoben werden.
Unterschiedliche Positionen der EU-Institutionen
Der Vorstoß steht im klaren Gegensatz zur bisherigen Haltung des Rates der EU. Der Rat, in dem die Verkehrsminister der Mitgliedstaaten vertreten sind, hatte sich Anfang Dezember 2025 darauf verständigt, die bestehende Möglichkeit beizubehalten, Motorräder von der regelmäßigen technischen Prüfung auszunehmen. Diese Linie widerspricht sowohl dem Vorschlag der European Commission als auch dem nun vorliegenden Berichtsentwurf.
Der Entwurf von Gieseke ist Teil des parlamentarischen Verfahrens. Abgeordnete können nun Änderungsanträge einreichen, bevor der federführende Ausschuss, der Committee on Transport and Tourism, über die finale Position des Parlaments abstimmt.
Kritik von Motorradverbänden
Motorradverbände begleiten den Gesetzgebungsprozess seit Monaten kritisch. Sowohl die FEMA als auch die FIM haben Positionspapiere und technische Stellungnahmen bei Parlament, Rat und Kommission eingereicht. Darin wird auf Studien auf EU- und nationaler Ebene verwiesen, die übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen sollen, dass technische Defekte nur einen sehr kleinen Anteil an Motorradunfällen haben.
Vertreter der Organisationen waren in den vergangenen Monaten regelmäßig in Brüssel im Austausch mit Abgeordneten und Vertretern der Mitgliedstaaten. Ziel sei es nicht, Sicherheitsmaßnahmen grundsätzlich abzulehnen, sondern auf gezielte und datenbasierte Ansätze hinzuweisen.
„We support effective road safety policies,“ sagte FEMA-Generalsekretär Wim Taal. „Europe must avoid symbolic measures that burden riders without improving safety outcomes.“
„Wir unterstützen wirksame Maßnahmen zur Verkehrssicherheit, aber Europa sollte symbolische Maßnahmen vermeiden, die Motorradfahrer belasten, ohne die Sicherheit tatsächlich zu verbessern.“
Gesetzgebungsverfahren noch offen
Wie sich die Position des Europäischen Parlaments letztlich gestaltet, ist derzeit offen. Änderungsanträge könnten den Entwurf noch abschwächen oder weiter verschärfen. Erst nach der Abstimmung im zuständigen Ausschuss beginnt die nächste Phase der Verhandlungen mit Rat und Kommission.
Klar ist bereits jetzt, dass das Thema Hauptuntersuchung für Motorräder europaweit politisch umstritten bleibt. Die Spannbreite reicht von vollständiger Ablehnung verpflichtender Prüfungen bis hin zu einer Ausweitung auf nahezu alle motorisierten Zweiräder.

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