- FRHPhe 02 ab 2026 verpflichtend für internationale Wettbewerbe
- 17 zertifizierte Straßen Rennhelme und 11 Offroad Helme
- Weitere 38 Modelle im Zertifizierungsprozess
Vor rund zehn Jahren begann die Fédération Internationale de Motocyclisme mit der Entwicklung eines eigenen Homologationsprogramms für sicherheitsrelevante Produkte im Rennsport. Ziel war es, weltweit unterschiedliche Normen zu vereinheitlichen und ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau für Teilnehmer an FIM Wettbewerben sicherzustellen. Neben Helmen umfasst das Programm auch Streckenbegrenzungen, Lichtpaneele und spezielle Streckenfarben.
Struktur des FIM Racing Homologation Programme
Das FIM Racing Homologation Programme unterscheidet zwei Ebenen.
Level 1 betrifft Produkte, für die die FIM eine eigene technische Norm definiert hat und deren Prüfungen unter direkter Kontrolle der FIM in ausgewählten Laboren durchgeführt werden. Diese Produkte erhalten nach erfolgreicher Prüfung einen FIM Aufkleber. In diese Kategorie fallen unter anderem Helme.
Level 2 betrifft Produkte mit eigener FIM Norm, deren Prüfungen teilweise vom Hersteller durchgeführt werden können. Hier erfolgt eine Selbstzertifizierung, bei der der Hersteller die Konformität mit der FIM Norm bestätigt. Auch hier kann eine Kennzeichnung mit FIM Aufkleber vorgesehen sein.
Eine Homologation gilt erst als erteilt, wenn das jeweilige Produkt das definierte Prüfprotokoll vollständig bestanden hat. Der Hersteller verpflichtet sich vertraglich, keine Änderungen am Produkt vorzunehmen, ohne die FIM darüber zu informieren.
FRHPhe 01 und die Einführung im Straßenrennsport
Die erste Helmgeneration nach FIM Standard trug die Bezeichnung FRHPhe 01. Diese Phase war zunächst ausschließlich für den Straßenrennsport vorgesehen. Der erste homologierte Helm wurde im Juni 2019 in der MotoGP eingesetzt, ab Januar 2020 galt die Norm für weitere Rundstrecken Disziplinen.
Insgesamt waren 23 Hersteller an dieser ersten Phase beteiligt, 48 Helmmodelle erhielten eine entsprechende Zulassung. Die Einführung markierte den Beginn einer schrittweisen Umstellung aller internationalen Straßen Rennserien auf die FIM Norm.
FRHPhe 02 erweitert Anforderungen und Disziplinen
Im Dezember 2022 wurde die zweite Phase mit FRHPhe 02 gestartet. Diese Version deckt nahezu alle Disziplinen ab, ausgenommen Trial, Sidecar und Streamliner bei Land Speed Weltrekorden. Erstmals wurden damit auch Motocross, Enduro, Speedway und Cross Country Wettbewerbe umfassend einbezogen.
Mit FRHPhe 02 wurden die Prüfbedingungen für Straßenhelme verschärft und zusätzliche Tests eingeführt. Während in der Vergangenheit für die letzten drei Saisons noch Helme nach FRHPhe 01 zugelassen waren, entfällt diese Übergangsregelung nun. Ab 2026 sind in internationalen Wettbewerben ausschließlich Integralhelme mit FRHPhe 02 Zertifizierung erlaubt.
Prüfverfahren und technische Unterschiede zur ECE 22 06
Voraussetzung für die FIM Homologation ist zunächst eine Zertifizierung nach mindestens einer anerkannten Norm wie der ECE 22 06. Anschließend erfolgen zusätzliche Prüfungen nach FIM Vorgaben.
Während die ECE 22 06 Aufpralltests auf flache, bordsteinähnliche und schräge Ambosse vorsieht, nutzt die FIM zusätzlich einen halbkugelförmigen Amboss sowie einen größeren schrägen Amboss. Letzterer ist speziell auf Offroad Helme abgestimmt und mit Schleifpapier versehen, um Asphaltabrieb und dessen Einfluss auf Rotationskräfte zu simulieren.
Die FIM bewertet sowohl lineare als auch rotatorische Beschleunigungen bei sämtlichen Aufprallarten. Hierzu wird ein Beschleunigungssensor im Prüfkopf montiert, der unter anderem die maximale lineare und rotatorische Beschleunigung erfasst. Zusätzlich werden zufällige Einschlagpunkte getestet, um die Gleichmäßigkeit der Helmschale zu prüfen. Auch Zubehörteile werden einbezogen, da sie das Rotationsverhalten beeinflussen können.
Ein Helm kann je nach Testergebnis nur in bestimmten Größen oder in der gesamten Größenpalette homologiert werden. Die freigegebenen Größen werden veröffentlicht.
Kennzeichnung und Kontrolle über QR Code
Jeder homologierte Helm trägt einen eindeutigen QR Code, der in das Kinnband eingenäht ist. Über diesen Code lassen sich alle relevanten Informationen zum Modell, zu homologierten Größen und zugelassenem Zubehör abrufen. Nur die freigegebenen Größen dürfen im Wettbewerb eingesetzt werden.
Wird ein Helm verändert oder mit nicht zugelassenem Zubehör versehen, verliert die Homologation ihre Gültigkeit. Bei einem Sturz muss der Helm kontrolliert werden. Ist er als beschädigt gekennzeichnet oder weist deutliche Schäden an Schale oder EPS Innenschale auf, darf er nicht weiterverwendet werden. In bestimmten Fällen wird der Helm zur Analyse eingezogen.
Aktueller Stand der FRHPhe 02 Zertifizierungen
Zur Saison 2026 nimmt die Zahl der homologierten Modelle deutlich zu. Nachdem im Herbst zuvor lediglich rund 15 Referenzen verfügbar waren, sind inzwischen 17 Straßen Rennhelme und 11 Offroad Modelle nach FRHPhe 02 zertifiziert. Weitere 21 Straßenhelme sowie 17 Offroad Helme befinden sich im Zertifizierungsprozess.
Zu den jüngst hinzugekommenen Herstellern im Straßenbereich zählen unter anderem Shoei mit den Modellen X SPR Pro 02 und X Fifteen 02, Airoh, Alpinestars, Kabuto und MT Helmets. Im Offroad Segment sind unter anderem Fly Racing, Leatt Corporation und Troy Lee Designs vertreten.
Ausblick auf die Saison 2026
Mit der verbindlichen Einführung von FRHPhe 02 endet die Übergangsphase für ältere FIM Helmgenerationen. Hersteller mussten ihre Modelle entsprechend prüfen lassen, um weiterhin in internationalen Serien vertreten zu sein.
Angesichts der laufenden Zertifizierungsverfahren dürfte sich die Liste bis zum Saisonstart 2026 weiter verlängern. Für die Fahrer bedeutet dies eine größere Auswahl an zugelassenen Modellen, sofern sie den neuen technischen Anforderungen entsprechen.
Was das für Motorradfahrer bedeutet
Für den typischen Straßenfahrer ändert sich durch die Einführung der FRHPhe 02 Norm zunächst nichts. Die bisher zugelassenen Helme behalten ihre Gültigkeit, und im öffentlichen Straßenverkehr besteht keine Pflicht, einen Helm mit dieser speziellen FIM Homologation zu tragen.
Die neue Regelung betrifft ausschließlich internationale Wettbewerbe unter FIM Reglement. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass strengere Anforderungen aus dem Rennsport langfristig Einfluss auf die Entwicklung von Serienhelmen für den normalen Straßenverkehr nehmen. Helme mit FRHPhe 02 Zertifizierung dürfen selbstverständlich auch auf der Straße gefahren werden und erfüllen besonders hohe Prüfanforderungen, was unter Umständen ein zusätzliches Sicherheitsniveau bedeuten kann.

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