- Sehr einfacher technischer Aufbau ohne komplexe Elektronik
- Herausnehmbare Akkus mit manuellem Verriegelungssystem
- Ausrichtung auf preisbewusste Märkte wie Indien oder Afrika
Nach Jahren, in denen elektrische Motorräder vor allem mit hoher Leistung, komplexer Technik und entsprechend hohen Preisen auf den Markt kamen, deutet sich mit einem neuen Honda Patent ein anderer Ansatz an. Statt Innovationen im Premiumsegment zu suchen, rückt hier ein bewusst einfach konstruiertes Elektromotorrad in den Fokus, das vor allem über niedrige Kosten und Zweckmäßigkeit überzeugen soll.

Einfacher Aufbau statt Hightech
Der im Patent dargestellte Entwurf setzt auf eine sehr konventionelle Basis. Das Motorrad nutzt einen klassischen Stahl Backbone Rahmen und verzichtet auf aufwendige oder teure Komponenten. Am Heck kommen zwei Federbeine zum Einsatz, vorne ist eine simple, per Bowdenzug betätigte Trommelbremse vorgesehen. Auch sonst orientiert sich das Layout stark an bekannten, einfachen Motorrädern mit Verbrennungsmotor.
An der Stelle, an der üblicherweise ein luftgekühlter Einzylindermotor sitzen würde, befindet sich ein kleiner Elektromotor. Dieser ist mit einem einstufigen Getriebe kombiniert, was auf eine möglichst einfache und wartungsarme Kraftübertragung schließen lässt. Ziel scheint es zu sein, den elektrischen Antrieb insgesamt günstiger zu realisieren als einen klassischen Verbrennungsmotor in dieser Fahrzeugklasse.
Akkukonzept als Kern des Patents
Der zentrale Inhalt des Patents ist die Art und Weise, wie die Akkus im Fahrzeug untergebracht sind. Honda sieht zwei herausnehmbare Batterien vor, die links und rechts im Bereich des Tankattrappen Körpers sitzen. Jede Batterie ist in einem Metallrahmen untergebracht, der vorne angeschlagen ist.
Diese Rahmen lassen sich seitlich aufschwenken, sodass die Akkus nach außen entnommen werden können. Sind die Batterien eingesetzt, werden die Halterungen zurück in ihre Ausgangsposition geschwenkt. Dabei greifen die Akkus in entsprechende Aussparungen im oberen Fahrzeugbereich und werden dort fixiert.
Eine abschließbare Klappe auf der Oberseite verdeckt einen einfachen mechanischen Verriegelungsmechanismus. Erst nach dem Öffnen mit einem Schlüssel lassen sich die Batteriehalterungen entriegeln und die Akkus entnehmen. Zusätzlich zeigt das Patent eine klassische Zündschloss Lösung, die sich hinter einer sehr einfachen Anzeigeeinheit befindet. Diese Anzeige soll unter anderem Informationen zum Ladezustand liefern.

Laden ohne Bordelektronik
Auf eine fest integrierte Ladeeinheit verzichtet das Konzept vollständig. Stattdessen werden die Akkus im eingebauten Zustand lediglich über flexible Kabel mit dem Fahrzeug verbunden. Zum Laden müssen sie entnommen und separat an einer externen Stromquelle geladen werden.
Dieses Vorgehen spart zusätzliche Technik, Gewicht und Kosten. Gleichzeitig bringt es Einschränkungen im Alltag mit sich, etwa durch das manuelle Handling der Batterien. Details zur verwendeten Batterietechnologie, zur Reichweite oder zur Leistungsabgabe sind im Patent nicht genannt.
Fokus auf Kosten statt Leistung
Aus dem Gesamtkonzept lässt sich ableiten, dass Leistung und Reichweite bei diesem Elektromotorrad eine untergeordnete Rolle spielen sollen. Vielmehr dürfte das Ziel sein, Antrieb und Energiespeicher so günstig zu gestalten, dass sie preislich mit einfachen Verbrennungsmotoren konkurrieren können.
Gedacht ist das Fahrzeug offenbar für Märkte, in denen günstige Mobilität im Vordergrund steht und elektrische Roller bereits in großer Stückzahl verbreitet sind. Ob und wann Honda ein solches Elektromotorrad tatsächlich in Serie bringt, geht aus dem Patent nicht hervor.

Was das für mich als Motorradfahrer bedeutet?
Ein solches Konzept bedeutet vor allem eine Verschiebung des Blickwinkels auf Elektromotorräder. Statt Reichweite, Leistung oder digitaler Ausstattung rückt der reine Nutzwert in den Vordergrund. Für Motorradfahrer heißt das, dass Elektromobilität nicht zwangsläufig teuer, kompliziert oder techniklastig sein muss. Ein einfach aufgebautes Elektromotorrad könnte den Einstieg erleichtern, besonders im urbanen Alltag oder für kurze Pendelstrecken. Gleichzeitig wird klar, dass Komfort, Performance und Langstreckentauglichkeit hier bewusst hintenangestellt sind. Wer Motorradfahren primär als funktionale Fortbewegung versteht, könnte von solchen Konzepten profitieren. Für Fahrer, die Emotion, Leistung oder Tourentauglichkeit suchen, bleibt dieser Ansatz dagegen eher eine Ergänzung als ein Ersatz.








