- Honda zeigt erstmals Videomaterial vom Debüt der RC214V mit 850-ccm-Motor
- Nakagami lobt das geringe Gewicht des neuen Prototyps
- Vier Hersteller testeten diese Woche in Jerez bereits 850er-Maschinen und Pirelli-Reifen
Fast drei Monate nach dem ersten Roll-out hat Honda nun Videomaterial seines MotoGP-Prototyps für die Saison 2027 veröffentlicht. Die neue RC214V mit dem auf 850 Kubikzentimeter reduzierten Motor war bereits am 17. Dezember auf dem Sepang International Circuit in Malaysia erstmals auf der Strecke unterwegs. Am Lenker saß Testfahrer Takaaki Nakagami, der seitdem ausschließlich an der Entwicklung des 2027er-Motorrads arbeitet.

Nakagami überrascht vom geringen Gewicht
Die Aufnahmen zeigen die RC214V unter nassen Streckenbedingungen, ausgestattet mit profilierten Reifen. Der Motorsound auf der Start-Ziel-Geraden ist ebenfalls zu hören. Im Video äußert sich Nakagami zu seinen ersten Eindrücken: „The first impression is ’super light‘. I was a bit surprised, in these conditions. Yeah, quite nice.“ Der erste Eindruck sei also ein auffällig leichtes Motorrad gewesen, was ihn unter den schwierigen Bedingungen überrascht habe.
Welche Reifenmarke bei dem Dezember-Test konkret zum Einsatz kam, lässt sich im Video nicht eindeutig erkennen. Allerdings soll Pirelli bereits Prototypen der neuen MotoGP-Mischungen nach Sepang geliefert haben. Der italienische Reifenhersteller wird ab 2027 die Einheitsreifen für die Königsklasse liefern und damit Michelin ablösen.
Testprogramm mit klarer Rollenverteilung
Honda hat die Entwicklungsarbeit an der RC214V klar aufgeteilt. Während sich Nakagami vollständig auf den 2027er-Prototyp konzentriert, arbeitet sein Testfahrerkollege Aleix Espargaro weiterhin an der aktuellen RC213V für die laufende Saison 2026. Nach dem offiziellen MotoGP-Test in Barcelona am 18. Mai soll auch Espargaro in die Entwicklung der neuen Maschine einsteigen und gemeinsam mit Nakagami an der RC214V arbeiten.
Als erster Termin, an dem die Honda-Stammfahrer den 2027er-Prototyp selbst testen können, ist der offizielle Test in Brünn am 22. Juni vorgesehen.
Amtierender Weltmeister rechnet mit schnelleren Rundenzeiten
Der amtierende MotoGP-Weltmeister Marc Marquez begrüßt grundsätzlich die Bemühungen, die enormen Höchstgeschwindigkeiten der aktuellen Maschinen zu reduzieren. Gleichzeitig geht er davon aus, dass die kleineren Motorräder auf vielen Strecken ähnliche oder sogar schnellere Rundenzeiten fahren könnten. Der Grund dafür liege im geringeren Gewicht bei gleichzeitig besserer Handlichkeit, auch wenn die Leistung sinke. Er sprach davon, dass man abwarten müsse, wie sich das entwickle.
Neben einem möglichen Leistungssprung durch das neue Reglement könnte sich bei Honda auch die Fahrerpaarung verändern. Der Weltmeister von 2021, Fabio Quartararo, soll stark mit einem Wechsel von Yamaha zu HRC in Verbindung gebracht werden.
Nicht nur Honda testet für 2027
Honda war nach KTM der zweite Hersteller, der offiziell Videomaterial von seinem 850er-Prototyp zeigte. KTM hatte seine neue Maschine ebenfalls im Dezember 2025 erstmals in Jerez getestet, damals mit den Testfahrern Pol Espargaro und Dani Pedrosa am Lenker. Der 850er-Motor von KTM weist aktuell etwa 30 PS weniger Leistung auf als das bisherige 1000er-Aggregat. Das äußere Erscheinungsbild der KTM im Carbon-Look hat sich seit dem ersten Test verändert, die Aerodynamik wurde laut Berichten leicht reduziert.
KTM-Berater Heinz Kinigadner erklärte dazu, man habe das 850er-Bike auch schon bei den offiziellen IRTA-Tests mitgeführt, um unter verschiedenen Bedingungen und auf möglichst vielen Rennstrecken Daten zu sammeln.

Vier Hersteller diese Woche gemeinsam in Jerez
In dieser Woche ging die Entwicklung für 2027 in großem Stil weiter. Auf dem Circuito de Jerez testeten gleich vier Hersteller ihre 850er-Prototypen. Neben KTM mit Pol Espargaro waren auch Ducati mit Michele Pirro, Aprilia mit Lorenzo Savadori und Yamaha mit Andrea Dovizioso vor Ort. Alle vier Teams nutzten den privaten Test in Südspanien auch dazu, die neuen Pirelli-Reifen zu erproben, die ab der Saison 2027 zum Einsatz kommen. Die Bedingungen in Jerez waren dabei deutlich besser als bei Hondas regenbeeinflusstem Debüt in Sepang.
Damit haben inzwischen alle fünf MotoGP-Hersteller ihre 2027er-Maschinen auf die Strecke gebracht. Yamaha soll bereits hinter verschlossenen Türen erste Fahrten absolviert haben, bevor der Hersteller nun in Jerez offiziell mit dabei war.
Auffällige Aerodynamik am Honda-Prototyp
Im Honda-Video fällt auf, dass die aerodynamische Konfiguration der RC214V noch stark an die aktuelle Maschinengeneration erinnert. In dieser Form wäre sie unter dem neuen Reglement ab 2027 allerdings nicht zulässig. Die überarbeiteten Regeln schreiben vor, dass Frontverkleidungen fünf Zentimeter schmaler und kürzer ausfallen müssen. Zusätzlich wird die Höhe des Hecks inklusive sämtlicher Flügelelemente um zehn Zentimeter reduziert.
Das ändert sich ab 2027 in der MotoGP
Die Saison 2027 markiert den Beginn einer neuen Ära in der MotoGP. Die wichtigste Änderung ist die Reduzierung des Hubraums von 1000 auf 850 Kubikzentimeter. Darüber hinaus werden Ride-Height-Devices während der Fahrt verboten, die aerodynamischen Möglichkeiten eingeschränkt und der Kraftstoff vollständig auf nachhaltige Produktion umgestellt. Dazu kommt der bereits erwähnte Wechsel von Michelin zu Pirelli als Einheitsreifenausstatter.
→ Alle Infos zur MotoGP-Saison 2026: Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand findest du in unserem Überblicksartikel zur MotoGP 2026.

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