- Marquez brach sich beim Überfahren eines Kerbs in Kurve 4 die Hinterradfelge
- Auch Jorge Martin und Joan Mir erlitten im Laufe des Wochenendes Reifenprobleme
- Temperaturen von 35 Grad in der Luft und 55 Grad am Asphalt setzten dem Felgenmaterial zu
Der MotoGP-Saisonauftakt 2026 auf dem Chang International Circuit im thailändischen Buriram hatte für Marc Marquez eigentlich vielversprechend begonnen. Der amtierende Weltmeister lag in Runde 21 von 26 auf dem vierten Platz und hatte gemeinsam mit Pedro Acosta (KTM) gerade den Anschluss an den zweitplatzierten Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia) hergestellt. Dann passierte das Unerwartete: In der schnellen Linkskurve 4 trug es Marquez weit nach außen, er überrollte den doppelten Kerb am Kurvenausgang, und im selben Moment war sein Rennen gelaufen.

Kerb zerstört Felge und Hinterreifen
Was zunächst nur in der Wiederholung der TV-Bilder erkennbar war, bestätigten anschließend sowohl Marquez selbst als auch sein Ducati-Team. Der Spanier hatte den Kerb am Ausgang von Kurve 4 mit hoher Geschwindigkeit überfahren. Dabei brach die Hinterradfelge, die Luft entwich schlagartig und der Reifen löste sich von der Felge. Ducati-Teammanager Davide Tardozzi erklärte gegenüber dem britischen MotoGP-Sender TNT Sports: "Unfortunately, he went to the kerb at turn four and he broke the rim. That's why he lost air and he was forced to stop. He hit the edge of the kerb and broke the wheel." (Übersetzung: "Leider ist er in Kurve 4 über den Kerb gefahren und hat dabei die Felge gebrochen. Deshalb hat er Luft verloren und musste anhalten. Er hat die Kante des Kerbs getroffen und das Rad zerstört.")
Tardozzi betonte, dass er in seiner mehr als zehnjährigen Zeit als Teammanager bei Ducati noch nie einen vergleichbaren Vorfall erlebt habe. Er sprach zwar von einem Fehler, schränkte aber sofort ein, dass Marquez schlicht Pech gehabt habe, da zahlreiche andere Fahrer ebenfalls in Kurve 4 über diesen Kerb gefahren seien, ohne dass es zu einem solchen Schaden gekommen sei.
Auch ServusTV-Experte Sandro Cortese sah den Vorfall als Fehler von Marquez, den ersten des gesamten Wochenendes. Marquez selbst zeigte sich dagegen ratlos. Er habe bereits während der Kurvenmitte gespürt, dass das Hinterrad etwas mehr als gewöhnlich rutschte, das aber zunächst auf den Reifenverschleiß geschoben. Als die Situation unsicherer wurde, habe er sich bewusst dafür entschieden, auf der sicheren Seite über den Asphalt neben der Strecke zu fahren, anstatt ein Risiko einzugehen. "I think that just the kerb was the reason, but it's true that many riders, even in the test, jumped that kerb and nothing happened," so Marquez gegenüber TNT Sports. (Übersetzung: "Ich denke, dass es nur an dem Kerb lag, aber es stimmt, dass viele Fahrer, sogar im Test, über diesen Kerb gefahren sind und nichts passiert ist.") Während des Tests in der Vorwoche und in den Trainings sei er etwa hundertmal über diesen Kerb gefahren, ohne dass je etwas passiert sei.
Dass die Felge dabei nicht nur verbogen, sondern regelrecht zerborsten sei, machte den Vorfall für Marquez noch beunruhigender. Er sprach davon, Glück gehabt zu haben, dass es nicht zu einem schweren Highsider kam. Michelin-Reifenlieferant sieht Marquez dabei nicht in der Verantwortung. Der Spanier stellte klar, dass weder Michelin noch die Strecke ein Problem gewesen seien, sondern die doppelten Kerbs vom Typ Misano 200 unter bestimmten Umständen offenbar solche Schäden verursachen können.
Hitze und Bremslast als entscheidende Faktoren
Reifenlieferant Michelin lieferte eine mögliche Erklärung dafür, warum es ausgerechnet an diesem Wochenende zu solchen Problemen kam. Motorsportmanager Piero Taramasso bestätigte gegenüber Canal+, dass der Schaden bei Marquez kein Einzelfall gewesen sei. Über das gesamte Wochenende hinweg seien verbogene Felgen ins Michelin-Zelt zurückgekommen. Taramasso nannte die extreme Hitze als wesentlichen Faktor. Tatsächlich wurden während des Hauptrennens 35 Grad Lufttemperatur und 55 Grad Asphalttemperatur gemessen, die höchsten Werte des gesamten Wochenendes und auch deutlich mehr als noch beim Test in der Vorwoche.
Das Felgenmaterial spielt dabei eine zentrale Rolle. Die von Zulieferern wie OZ oder Marchesini gefertigten Felgen bestehen aus einer Magnesiumlegierung. Je nach exakter Zusammensetzung kann dieses Material bereits ab etwa 100 Grad beginnen aufzuweichen. Der Chang International Circuit verschärft diese Problematik zusätzlich, denn mit vier aufeinanderfolgenden, harten Bremszonen zählt er zu den Strecken im MotoGP-Kalender, die besonders hohe Bremstemperaturen erzeugen. Die Kombination aus extremer Umgebungshitze und der thermischen Belastung durch das Bremsen sorgte offenbar dafür, dass die Felgen anfälliger für mechanische Einwirkungen durch die Kerbs wurden.

Martin und Mir ebenfalls betroffen
Marquez war nicht der einzige Fahrer, der am Thailand-Wochenende unter Reifenproblemen litt. Bereits am Samstag im Sprint hatte Jorge Martin einen schleichenden Druckverlust am Vorderreifen erlitten. Wie Taramasso erklärte, war auch bei Martin ein Kerb die Ursache. Das Vorderrad hatte sich dadurch verbogen und verlor langsam Luft. Da es sich nachweislich um einen Defekt handelte, wurde Martin trotz Unterschreitung des vorgeschriebenen Mindestreifendrucks nicht mit einer Zeitstrafe belegt. Martin hatte dabei mehr Glück als zunächst angenommen, denn mit etwas ungünstigeren Umständen hätte auch sein Sprint mit einem platten Reifen enden können.
Im Grand Prix am Sonntag traf es dann auch Joan Mir. Der Honda-Fahrer musste sein Motorrad kurz nach dem Ausfall von Marquez ebenfalls mit einem Reifenproblem abstellen. Bei Mir sprang der Reifen allerdings nicht von der Felge, sodass er langsam in Richtung Boxengasse fahren konnte. Mir befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einem starken vierten Platz und war bester Honda-Pilot. Er beschrieb, dass das Problem von einer Runde auf die andere aufgetreten sei und nichts mit dem normalen Reifenabbau zu tun gehabt habe. Er sprach von plötzlichen Vibrationen und einer Elektronik, die mit dem hohen Schlupf am Hinterrad nicht mehr zurechtgekommen sei. Mir bezeichnete die Situation als gefährlich.
Ducati rätselt über Leistungsverlust gegenüber dem Test
Neben dem Reifenschaden gab es für das Ducati-Werksteam ein weiteres Rätsel zu lösen. Tardozzi sprach offen davon, dass sich das Motorrad am Rennwochenende komplett anders angefühlt habe als noch beim Test in der Vorwoche auf derselben Strecke. Eine Erklärung dafür hatte das Team zum Zeitpunkt des Rennens noch nicht gefunden.
Hinzu kam die starke Leistung von Aprilia. Mit vier schnellen Fahrern am gesamten Wochenende hatte der Hersteller aus Noale einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Tardozzi zollte der Konkurrenz Respekt, räumte aber gleichzeitig ein, dass die fehlende eigene Performance das größere Problem dargestellt habe. Zum ersten Mal seit dem Großen Preis von Großbritannien 2021 hatte Ducati keinen einzigen Fahrer auf dem Podium.
Was bleibt: Null Punkte trotz starker Pace
Für Marquez endete der Saisonauftakt damit in einer bitteren Nullnummer im Grand Prix. Vor seinem Ausfall hatte er nach eigener Einschätzung mindestens das Podium in Reichweite gehabt, möglicherweise sogar den zweiten Platz. Tardozzi bestätigte, dass Marquez deutlich schneller unterwegs gewesen sei als Fernandez und das Podium ohne den Defekt sicher gewesen wäre. Der Ducati-Teammanager deutete zudem an, dass die WM 2026 für Marquez insgesamt härter werde als im Vorjahr, der Spanier aber volles Vertrauen in Technikchef Gigi Dall’Igna und seine Ingenieure habe. Zudem werde Marquez mit einigen Wochen weiterer Erholung an seiner rechten Schulter noch stärker werden.
Mit den neun WM-Punkten aus dem Sprint reiste Marquez als WM-Achter aus Thailand ab. Ob und welche Konsequenzen die MotoGP-Verantwortlichen aus den gehäuften Felgen- und Reifenschäden in Buriram ziehen werden, blieb vorerst offen.

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