- Marquez und Ducati sind sich in den meisten Vertragspunkten einig, eine Unterschrift fehlt aber weiterhin
- Der Saisonauftakt in Thailand verlief für Ducati enttäuschend, Marquez war dennoch der beste Pilot des Herstellers
- Ab 2027 soll Pedro Acosta im Ducati-Werksteam an die Seite von Marquez rücken
Die MotoGP-Saison 2026 hat gerade erst begonnen, doch abseits der Strecke dreht sich vieles bereits um das kommende Jahr. Marc Marquez, neunfacher Weltmeister und aktueller MotoGP-Champion, hat seinen Vertrag mit Ducati noch nicht verlängert. Dass die Zusammenarbeit fortgesetzt wird, gilt zwar als so gut wie sicher, doch der 33-jährige Spanier lässt sich bewusst Zeit. Der Grund dafür liegt nicht in finanziellen Differenzen oder sportlichen Zweifeln, sondern in den Nachwirkungen einer Schulterverletzung, die ihm nach wie vor zu schaffen macht.

Vertragsgespräche auf Eis: Marquez will sich zuerst fit fühlen
Beim Saisonauftakt im thailändischen Buriram und auch bei einem anschließenden Sponsorentermin in Madrid gab Marquez Einblicke in den Stand der Verhandlungen. Er erklärte, dass er und Ducati sich in den wesentlichen Punkten bereits einig seien. Allerdings habe er den Hersteller aus Borgo Panigale darum gebeten, mit der finalen Unterzeichnung noch zu warten. „Als wir begonnen haben, über unsere Zukunft zu reden, war ich verletzt. Ich muss mich zuerst gut fühlen auf dem Motorrad – dann werde ich den Vertrag unterzeichnen“, so Marquez.
Bereits beim Buriram-Test im Februar hatte er betont, keinen neuen Vertrag unterschreiben zu wollen, solange er sich körperlich nicht bei 100 Prozent sieht. Ein offener Diskussionspunkt ist zudem die Laufzeit: Ob Marquez für ein oder zwei weitere Jahre bei Ducati unterschreibt, ist noch nicht entschieden.
Trotz der fehlenden Unterschrift zeigte sich Marquez nach dem Thailand-Wochenende optimistisch. Er sprach davon, dass ihm die zweiwöchige Pause bis zum Brasilien-GP in Goiânia helfe, körperlich einen weiteren Schritt zu machen. „Langsam fühle ich mich aber immer besser“, gab er zu verstehen.
Thailand-GP: Ducati unter Druck, Marquez als Lichtblick
Der Saisonauftakt in Buriram verlief für Ducati insgesamt ernüchternd. Im Sprintrennen am Samstag war Marquez auf dem Weg zum Sieg, wurde jedoch von den Rennkommissaren wegen eines umstrittenen Manövers gegen Pedro Acosta mit einer Strafe belegt und musste den KTM-Fahrer passieren lassen. Platz 2 im Sprint war dennoch das beste Ducati-Ergebnis des Wochenendes, denn die nächsten Desmosedici-Piloten Fabio Di Giannantonio und Pecco Bagnaia landeten nur auf den Rängen 8 und 9.
Im Hauptrennen am Sonntag wurde es noch bitterer. Marquez schied mit einer zerstörten Felge und einem geplatzten Hinterreifen aus. Bester Ducati-Fahrer war letztlich Di Giannantonio auf Rang 6. Konkurrent Aprilia hingegen dominierte: Neben Rennsieger Marco Bezzecchi brachte der Hersteller aus Noale drei weitere RS-GP-Piloten in die Top 5. Für Ducati war es ein ungewohnt schwacher Auftritt, der zusätzlich dadurch belastet wurde, dass Marquez die neue GP26 nach eigener Aussage noch nicht so fahren kann, wie er es sich vorstellt.

Das Sprint-Duell mit Acosta: Ein Vorgeschmack auf 2027
So enttäuschend das Gesamtbild für Ducati war, so elektrisierend war das Duell zwischen Marquez und Acosta im Sprintrennen. Dass der junge Spanier auf seiner KTM überhaupt um den Sieg kämpfen würde, hatte kaum jemand erwartet. Doch Acosta überraschte mit einer starken Rennpace und einem Motorrad, das beim Anbremsen hervorragend funktionierte und die Reifen schonte.
Das Duell mit mehrfachen Positionswechseln gipfelte in jenem umstrittenen Überholmanöver von Marquez eine Runde vor Schluss, das die Rennleitung letztlich mit einer Positionsrückgabe bestrafte. Acosta sicherte sich so seinen ersten Sprintsieg in der MotoGP. Beide Fahrer spielten den Vorfall nach dem Rennen herunter und bezeichneten ihn als normalen harten Rennsport. Doch die Szene gewann an Brisanz, wenn man bedenkt, dass Acosta ab 2027 als Teamkollege von Marquez im Ducati-Werksteam vorgesehen ist.
Was zuvor noch wie ein fernes Zukunftsszenario gewirkt hatte, bekam plötzlich greifbare Konturen. Die Art und Weise, wie die beiden auf der Strecke miteinander umgingen, erinnerte an zwei Platzhirsche, die bereits ihr Revier abstecken, bevor sie sich tatsächlich eine Garage teilen.
Parallelen zu Rossi und Lorenzo bei Yamaha
Zwei echte Alphatiere in einem Werksteam: Das ist eine Konstellation, die Teams nur ungern eingehen. Die letzte vergleichbare Situation in der MotoGP war die Paarung von Valentino Rossi und Jorge Lorenzo bei Yamaha, die bekanntlich in offene Feindschaft mündete.
Die mögliche Partnerschaft von Marquez und Acosta weist durchaus Parallelen auf. Ein junger Herausforderer rückt ins Team eines etablierten Weltmeisters und beginnt, an dessen Thron zu rütteln. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings im Altersabstand. Als Lorenzo 2008 zu Yamaha kam, war er 21 Jahre alt, Rossi 29 und auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zwischen Marquez und Acosta liegen dagegen ganze zwölf Jahre. Wenn die Saison 2027 beginnt, wird Marquez 34 sein.
Hinzu kommt der körperliche Verschleiß. Marquez’ Körper trägt die Spuren zahlreicher schwerer Verletzungen, während Acosta bei einem sturzfreien Verlauf der aktuellen Saison 2027 in bester physischer Verfassung antreten dürfte. Den jüngeren Rivalen in Schach zu halten, könnte für Marquez die letzte große Herausforderung seiner MotoGP-Karriere werden, möglicherweise aber auch genau der Antrieb, den er braucht, um selbst mit neun WM-Titeln weiter an seine Grenzen zu gehen.
Ducatis Management vor einer heiklen Aufgabe
Bei Ducati dürfte man sich bereits auf eine anspruchsvolle Situation einstellen. Schon in der jüngeren Vergangenheit hatte die Führungsetage alle Hände voll zu tun, die Spannungen zwischen Marquez und seinem aktuellen Teamkollegen Bagnaia zu managen. Mit Acosta als neuem Partner ab 2027 könnte eine Management-Herausforderung ganz anderer Dimension entstehen.
Sollte Acosta seine im Sprintrennen von Thailand gezeigte Entwicklung bestätigen und sich als regelmäßiger Konkurrent um Podestplätze und Siege etablieren, wird die Frage im Raum stehen, ob Marquez’ immense Erfahrung und Cleverness ausreichen, um den hungrigen Youngster dauerhaft hinter sich zu halten. Das Sprintrennen von Buriram hat jedenfalls gezeigt, dass diese Rivalität das Potenzial hat, die dominierende Erzählung der kommenden MotoGP-Saisons zu werden.

Marquez denkt auch über das Karriereende hinaus
Neben den Vertragsfragen und der Rivalität mit Acosta äußerte sich Marquez beim Thailand-GP auch zu seiner langfristigen Zukunft. Auf die Frage, ob er sich nach dem Ende seiner aktiven Karriere vorstellen könne, als Teambesitzer in der MotoGP tätig zu sein, blieb er offen, ohne sich festzulegen. „At the moment, no, because I’m fully focused on riding“ (Im Moment nein, weil ich voll und ganz aufs Fahren fokussiert bin), erklärte er. „If you’re a rider, your life is fully focused on riding. In the future, you never know.“ (Wenn man Fahrer ist, dreht sich das ganze Leben ums Fahren. In der Zukunft weiß man nie.)
Er werde seine Karriere früher oder später beenden und dann entscheiden, betonte Marquez. Eines stehe für ihn aber fest: „I know that MotoGP and motorcycles are part of my life and will remain a part of my life.“ (Ich weiß, dass die MotoGP und Motorräder Teil meines Lebens sind und es auch bleiben werden.)
In der MotoGP gibt es bereits mehrere Teams, die von ehemaligen Fahrern geführt werden. Das VR46-Team gehört Valentino Rossi, LCR wird von Ex-Grand-Prix-Pilot Lucio Cecchinello geleitet, und das Gresini-Team, bei dem Marquez 2024 gemeinsam mit seinem Bruder Alex fuhr, wurde vom verstorbenen Fausto Gresini gegründet und steht heute unter der Leitung seiner Frau Nadia Padovani. Auch in der neuen Ära unter Liberty Media wächst das Interesse prominenter Investoren an MotoGP-Teams. So wurde Tech3 an ein Konsortium unter der Führung des ehemaligen Formel-1-Teamchefs Günther Steiner verkauft.
Bis es so weit ist, richtet Marquez seinen Fokus aber vollständig auf die Gegenwart: auf seine körperliche Genesung, den offenen Vertrag mit Ducati und den Brasilien-GP in gut zwei Wochen als nächste Gelegenheit, seine Titelverteidigung in Schwung zu bringen.

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