- Limitierung auf fünf Exemplare weltweit
- Längs eingebauter 1.036 Kubikzentimeter Boxer-Zweizylinder
- Aluminium-Monocoque-Rahmen mit 24 Kilogramm Gewicht
- Komplett polierte Oberflächen nach mehreren hundert Arbeitsstunden
Die französische Manufaktur Midual hat auf der Retromobile-Ausstellung in Paris ein neues Kapitel ihrer exklusiven Motorradproduktion aufgeschlagen. Mit der Francaise präsentiert das Unternehmen einen Café Racer, der technische Raffinesse mit ausgeprägtem Nationalstolz verbindet. Die Basis bildet die kürzlich vorgestellte Type 1 Series 3, die bereits mit einem Preis von 186.000 Euro (circa 156.000 Pfund oder umgerechnet rund 195.000 US-Dollar) im oberen Segment des Luxusmotorradmarktes angesiedelt ist.

Preisniveau im Bereich der Supersportwagen
Während Midual bislang keine offizielle Preisangabe zur Francaise kommuniziert hat, deuten Branchenbeobachter auf eine mögliche Marke von rund 300.000 Euro (circa 260.000 Pfund beziehungsweise etwa 315.000 US-Dollar) hin. Diese Einschätzung orientiert sich an der 2025 vorgestellten Quintessence, die exakt zu diesem Preis angeboten wurde. Jenes Modell war mit einer Auflage von lediglich drei Einheiten noch exklusiver als die neue Francaise. Für den veranschlagten Betrag bewegt sich die Francaise im Preissegment von Supersportwagen wie dem Ferrari Amalfi.
Café Racer mit französischer Seele
Die Francaise unterscheidet sich durch mehrere charakteristische Merkmale von ihrer Schwester, der Type 1 Series 3. Die Lenkerposition wurde leicht verändert und vermittelt eine sportlichere Sitzposition. Oberhalb des runden Scheinwerfers sitzt nun ein kleines Windschild, die dem Motorrad ein typisches Café-Racer-Profil verleiht. Aerodynamische Spoiler, an denen die Blinker befestigt sind, ergänzen die Frontpartie.
Unverkennbar französisch zeigt sich die Farbgebung: Die französische Trikolore ziert die Flanken des Tanks, während der Sattel in einem kräftigen Himmelblau gehalten ist. Kniepads aus Samtleder tragen ebenfalls die französische Flagge, und blaue Einlegearbeiten durchziehen das aufwendig gestaltete Armaturenbrett mit seinen zahlreichen Rundinstrumenten. Das Heck bleibt schlank und minimalistisch, ähnlich der Series 3, während die Auspuffanlage das klare, skulpturale Design der Basisversion übernimmt.
Politur statt Chrom
Besonders auffällig ist die Oberflächenbehandlung der Francaise. Statt auf Verchromung setzt Midual auf vollständig polierte Komponenten. Dieser Ansatz erfordert mehrere hundert Arbeitsstunden pro Motorrad und verleiht der Maschine einen eigenständigen Glanz. Im Cockpit fallen hochwertige Details ins Auge: Die Brücken am Lenker sind aufwendig gefertigt, die Öhlins-Gabel setzt auf bewährte Premium-Technik, und der Tachometer konzentriert sich auf das Wesentliche. Ein bemerkenswertes Detail: Abgesehen von Kupplungszug und Bremsleitung gelingt es Midual, sämtliche Kabel und Leitungen unsichtbar zu verlegen.

Motor in Längsrichtung: Technisches Alleinstellungsmerkmal
Das technische Herzstück der Francaise bildet ein 1.036 Kubikzentimeter großer Boxermotor, der in Längsrichtung eingebaut ist. Diese Anordnung ist weltweit einzigartig: Die Zylinder ragen nicht seitlich aus dem Motorrad heraus, sondern die Kolben bewegen sich in Fahrtrichtung vor und zurück. Diese unkonventionelle Konstruktion hebt Midual deutlich von etablierten Herstellern ab.
Die Leistungsdaten fallen mit 100 PS und 93,5 Newtonmeter vergleichsweise moderat aus. Moderne Supersportler bieten deutlich höhere Werte, doch die Francaise verfolgt einen anderen Ansatz. Das Motorrad versteht sich nicht als Werkzeug für Rundenzeiten, sondern als mechanisches Kunstwerk, bei dem Exklusivität und handwerkliche Perfektion im Vordergrund stehen. Gemessen am Preis pro PS dürfte die Francaise zu den kostspieligsten Motorrädern der Welt zählen.
Aluminium-Monocoque als tragende Struktur
Der Rahmen der Francaise basiert auf einer Aluminium-Monocoque-Konstruktion, die gleichzeitig als Verkleidung und Kraftstofftank dient. Nach der Fertigstellung bringt diese Struktur 24 Kilogramm auf die Waage. Der Entstehungsprozess ist ungewöhnlich: Das Aluminium wird in einer massiven Sandform gegossen, die 1,7 Tonnen wiegt. Das rohe Gussteil durchläuft anschließend eine intensive Bearbeitung, sodass jedes Exemplar innerhalb der Kleinserie ein Unikat darstellt.
Verzicht auf moderne Assistenzsysteme
Die Francaise kommt ohne Fahrmodi, Traktionskontrolle, Smartphone-Konnektivität oder ABS aus. Midual spricht von einem Motorrad, das sich über modische Trends oder alltägliche Nutzungsszenarien hinwegsetzt, um technische Perfektion zu erreichen. Dieser puristische Ansatz unterstreicht den Charakter als Sammlerstück und fahrende Skulptur.

Straßenzulassung trotz Sammlerstatus
Trotz ihres Kunstobjekt-Charakters besitzt die Francaise eine Straßenzulassung. Ob die fünf Besitzer ihre Exemplare tatsächlich regelmäßig im Straßenverkehr bewegen werden, bleibt fraglich. Die extreme Exklusivität und der hohe Preis legen nahe, dass die Motorräder eher in Sammlungen wandern als auf öffentlichen Straßen zu sehen sein werden.
Nach der Premiere auf der Retromobile in Paris soll die Francaise im weiteren Verlauf des Monats auf der 2-Wheel Show in Lyon präsentiert werden. Damit erhalten Interessierte eine der wenigen Gelegenheiten, eines der fünf Exemplare aus nächster Nähe zu betrachten.
Passion vor Kaufkraft
Midual macht deutlich, dass die Francaise nicht allein eine Frage des verfügbaren Kapitals ist. Die Manufaktur betont, dass Leidenschaft für das Objekt im Vordergrund stehen muss. Dennoch bleibt ein entsprechend großes Bankkonto Voraussetzung, um sich einen der fünf geplanten Plätze zu sichern.
Mit der Francaise unterstreicht Midual seine Position als Hersteller von Motorrädern, die irgendwo zwischen Präzisionsmaschine und rollender Skulptur angesiedelt sind. Die Verbindung aus nationalem Stolz, unkonventioneller Ingenieurskunst und extremer Seltenheit festigt den Ruf der französischen Manufaktur im ultra-exklusiven Segment des Motorradmarktes.
Was das für mich als Motorradfahrer bedeutet
Die Midual Francaise richtet sich an eine äußerst spezielle Zielgruppe, die mit dem durchschnittlichen Motorradfahrer wenig gemein hat. Wer auf der Suche nach einem alltagstauglichen Sportler, einem Tourenbegleiter oder einem leistungsstarken Supersportler ist, wird bei diesem Modell nicht fündig. Die Francaise versteht sich als rollende Kunst und Sammlerstück für vermögende Enthusiasten, die Wert auf absolute Exklusivität und handwerkliche Perfektion legen. Mit nur fünf produzierten Exemplaren weltweit ist die Wahrscheinlichkeit, einem dieser Motorräder auf der Straße zu begegnen, verschwindend gering. Der geschätzte Preis von rund 300.000 Euro rückt die Francaise in eine Liga mit Supersportwagen, während die Leistungsdaten vergleichsweise bescheiden ausfallen. Für die allermeisten Motorradfahrer bleibt dieses französische Unikat damit ein faszinierendes Objekt der Betrachtung, das die Grenzen dessen zeigt, was im exklusiven Motorradbau möglich ist – jedoch ohne praktische Relevanz für den eigenen Fahrzeugkauf.


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