- Jorge Lorenzo arbeitet seit der Winterpause als Performance-Coach von Maverick Vinales
- Vinales hat sein komplettes Trainingsprogramm für die Saison 2026 umgestellt
- Der Tech3-KTM-Pilot sieht nach einem Jahr bei KTM deutliche Fortschritte am Motorrad
Maverick Vinales geht 2026 in seine zwölfte Saison in der MotoGP. Seit seinem Aufstieg mit Suzuki im Jahr 2015 gilt der Spanier als eines der größten Talente im Fahrerfeld. Mit zehn Siegen und 35 Podestplätzen hat er seine Geschwindigkeit immer wieder unter Beweis gestellt, doch eine ernsthafte Weltmeisterschaftskampagne blieb bislang aus. Für die neue Saison hat Vinales deshalb einen ungewöhnlichen Schritt unternommen und sich mit Jorge Lorenzo einen der erfolgreichsten Fahrer der MotoGP-Geschichte als persönlichen Performance-Coach an die Seite geholt.

Lorenzo will den Killerinstinkt zurückbringen
Lorenzo, der in seiner aktiven Karriere drei MotoGP-Titel gewann, sieht bei Vinales ein konkretes Problem. In der Vergangenheit habe der Tech3-Pilot den Ruf gehabt, ein kompromissloser Kämpfer zu sein. „Everyone says that when he was a kid he was a killer and he hated to lose“, erklärt Lorenzo. Auf Deutsch: Alle sagten, dass er als Junge ein Killer war und es hasste zu verlieren. Doch genau diese Eigenschaft sei in den vergangenen fünf bis sechs Jahren verloren gegangen. Lorenzo spricht davon, dass Vinales die Motivation und den Hunger auf Siege irgendwann eingebüßt habe.
Inzwischen habe Vinales aber erkannt, dass ihm nach der Geburt seiner Töchter und einigen ruhigeren Jahren möglicherweise nur noch zwei bis drei Jahre auf höchstem Niveau blieben. Deshalb wolle er nun mehr als hundert Prozent geben, um am Ende im Reinen mit sich selbst zu sein.
Harte Wintervorbereitung bei schwierigsten Bedingungen
Die konkrete Zusammenarbeit begann während der Winterpause und lief parallel zur Rehabilitation von Vinales, der sich beim Grand Prix von Deutschland im Juli eine Schulterverletzung zugezogen hatte. Das Programm umfasste Testfahrten mit Straßenmotorrädern in Jerez sowie spezielle Achterfahrten auf Schotter in Valencia.
Besonders prägend war offenbar Lorenzos Ansatz, Vinales gezielt in Situationen zu bringen, die der Fahrer bisher gemieden hatte. Vinales beschreibt eine Situation, in der die Strecke komplett nass gewesen sei und er eigentlich nach Hause fahren wollte. Es war sein erster Einsatz bei Regen nach der Verletzung. „But no, I rode. He made me ride. And I think these kinds of things unlock a lot of potential. This is very important“, so Vinales. Auf Deutsch: Aber nein, ich bin gefahren. Er hat mich fahren lassen. Und ich denke, diese Art von Dingen setzt viel Potenzial frei. Das ist sehr wichtig.
Vinales erklärt, dass Lorenzo ihm geholfen habe, sein gesamtes Trainingsprogramm grundlegend umzustrukturieren. Früher habe er die Winterpause vor allem dazu genutzt, Kilometer zu sammeln und die Fitness aufrechtzuerhalten. Mit Lorenzo arbeite er nun gezielt an bestimmten Bereichen, anstatt einfach nur Runden zu drehen. „With Jorge, we focus a lot on working every inch of the track“, sagt Vinales. Auf Deutsch: Mit Jorge konzentrieren wir uns darauf, jeden Zentimeter der Strecke zu bearbeiten.

Technische Feinheiten als Schlüssel zum nächsten Schritt
Von der Zusammenarbeit verspricht sich Vinales vor allem Verbesserungen im technischen Bereich. Er spricht davon, seinen Fahrstil als solchen nicht grundlegend ändern zu können, da vieles bereits automatisiert ablaufe. Stattdessen gehe es um zusätzliche Werkzeuge, etwa beim Gasgeben oder Bremsen, die Lorenzo aus seiner langen Erfahrung als Spitzenfahrer mitbringe.
Lorenzo soll Vinales auch bei den Vorsaisontests sowie den ersten Rennen der MotoGP-Saison 2026 begleiten. Vinales erhofft sich davon einen konkreten Mehrwert, weil Lorenzo gerade von außen viele Details erkennen könne, die dem Fahrer selbst auf dem Motorrad verborgen blieben.
Eine unerwartete Partnerschaft mit Geschichte
Die Zusammenarbeit zwischen Vinales und Lorenzo ist auch deshalb bemerkenswert, weil die beiden eine gemeinsame und nicht immer einfache Vergangenheit teilen. Es war Vinales, der Lorenzo 2017 bei Yamaha ersetzte, nachdem sich der Mallorquiner mit dem japanischen Hersteller überworfen hatte und zu Ducati gewechselt war. Die letzten Worte zwischen den beiden seien damals nicht gerade freundlich gewesen, räumt Vinales ein. Umso überraschter zeigt er sich über die aktuelle Dynamik. Die Beziehung sei bisher großartig gewesen, man habe viel Spaß zusammen. Lorenzo befinde sich in einem anderen Lebensabschnitt und genieße die Rückkehr an die Rennstrecke.
KTM-Entwicklung macht Vinales zuversichtlich
Neben der persönlichen Weiterentwicklung mit Lorenzo gibt es für Vinales noch einen zweiten Grund für Optimismus: das Motorrad. Rund ein Jahr nach seinem Wechsel zu Tech3-KTM spricht er von einer komplett veränderten Situation. Das Bike sei mit der Version vom Beginn seiner KTM-Zeit kaum noch vergleichbar. Früher habe man die KTM extrem quer fahren müssen, ohne wirklich präzise agieren zu können. Inzwischen verlange das Motorrad einen deutlich kontrollierteren und zielgenaueren Fahrstil.
Gerade im Qualifying-Modus, bei einzelnen schnellen Runden am absoluten Limit, fühle er sich inzwischen wohler. Er könne stärker ans Maximum gehen und auch einmal leicht überziehen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Dieses Vertrauen sei entscheidend, um das Potenzial des KTM-Motors wirklich auszuschöpfen.
Gleichzeitig schränkt Vinales ein, dass man die Leistungsfähigkeit des Pakets noch auf verschiedenen Streckentypen vollständig verstehen müsse. Ein anspruchsvoller Kurs wie Sepang, wo zuletzt getestet wurde, sei aber ein guter Gradmesser. Wenn ein Motorrad dort schnell sei, könne es in der Regel überall konkurrenzfähig sein.

Motivation trotz turbulenter Zeiten bei KTM
Die vergangene Saison war für das KTM-Umfeld nicht nur sportlich herausfordernd, sondern auch wirtschaftlich von Unsicherheiten geprägt. Vinales stellt jedoch klar, dass ihn das persönlich nie beeinflusst habe. Sein Selbstvertrauen und seine Einstellung seien unverändert geblieben. Er habe nie das Gefühl gehabt, dass jemand im Team besorgt oder unmotiviert gewesen sei. Vielmehr habe schlicht das Motorrad nicht optimal funktioniert. Erst als man eine gute Balance und einen brauchbaren Kompromiss zwischen Front- und Heckgrip gefunden habe, sei ein deutlicher Leistungssprung gelungen, insbesondere ab dem Rennwochenende in Katar. Danach folgten mehrere Top-5-Resultate.
Die Motivation innerhalb der Mannschaft beschreibt Vinales als durchgehend hoch. Er selbst habe sich von Beginn an das Ziel gesetzt, das Projekt auf maximalem Niveau voranzutreiben. Man wisse genau, dass ein Schritt nach vorne gelungen sei, auch wenn man nicht die Einzigen sei, die sich verbessert hätten.
Vertragssituation und Zukunft
Vinales‘ aktueller Vertrag bei KTM läuft Ende 2026 aus. Er wird als heißer Kandidat für einen Platz im KTM-Werksteam gehandelt, wo er möglicherweise Pedro Acosta ersetzen könnte. Auch Alex Marquez soll mit dem Werksteam in Verbindung gebracht werden.
Was das für mich als MotoGP-Fan bedeutet
Die Zusammenarbeit zwischen Vinales und Lorenzo ist aus Fan-Sicht eine der spannendsten Geschichten der Saison 2026. Zwei ehemalige Yamaha-Piloten, die sich einst nicht gerade freundschaftlich trennten, finden nun in völlig neuen Rollen wieder zusammen. Für Fans, die Vinales seit seinen frühen Jahren in der MotoGP verfolgen, könnte diese Partnerschaft endlich den Wendepunkt bringen, auf den viele lange gewartet haben. Vinales hatte immer die Rohgeschwindigkeit, um ganz vorne mitzufahren, doch die Konstanz über eine gesamte Saison fehlte bisher. Mit Lorenzos Erfahrung als dreimaliger Weltmeister und dem offenbar deutlich verbesserten KTM-Paket scheinen die Voraussetzungen so gut wie selten zuvor. Ob daraus tatsächlich eine WM-Kampagne wird, bleibt abzuwarten, aber allein die Dynamik dieser ungewöhnlichen Partnerschaft dürfte für reichlich Gesprächsstoff im Fahrerlager sorgen.
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