- KTM-Technikchef Sebastian Risse erwartet auf rund der Hälfte aller Strecken ähnliche Rundenzeiten wie heute
- VR46 steht kurz vor einem neuen Ducati-Vertrag bis 2029, Aprilia hatte ebenfalls Interesse signalisiert
- Marc Marquez sieht Quartararo vor einer richtungsweisenden Karriereentscheidung
Was sich 2027 in der MotoGP ändert
Die Königsklasse des Motorradrennsports bekommt ab 2027 ein komplett neues technisches Reglement. Die aktuellen 1000ccm-Motoren weichen kleineren 850ccm-Aggregaten, die Aerodynamik wird deutlich beschnitten und die umstrittenen Ride-Height-Devices verschwinden komplett aus der Startaufstellung. Zusätzlich wechselt der offizielle Reifenlieferant: Pirelli löst Michelin ab und bringt damit eine weitere große Unbekannte ins Spiel. Fünf Hersteller bereiten sich derzeit auf diese neue Ära vor.

KTM rechnet nicht überall mit langsameren Rundenzeiten
Die weit verbreitete Annahme, dass die neuen MotoGP-Prototypen generell deutlich langsamer unterwegs sein werden als die aktuellen Maschinen, teilt man bei KTM nicht uneingeschränkt. Technikchef Sebastian Risse leitete im Dezember den ersten Streckentest des neuen 850ccm-Bikes im spanischen Jerez und zeigte sich anschließend optimistisch.
Risse erklärte, dass es stark von der jeweiligen Strecke abhänge, wie groß der Unterschied tatsächlich ausfalle. Es gebe Kurse, auf denen die Fahrer mit den aktuellen 1000ccm-Motoren ohnehin fast nie Vollgas fahren. Als Beispiele nannte er Misano und Jerez. Dort erwartet der deutsche Ingenieur keine langsameren Rundenzeiten. Auf Strecken mit mehreren langen Geraden sieht die Sache allerdings anders aus. Dort mache sich der Wegfall des Ride-Height-Devices und die geringere Motorleistung deutlich bemerkbar.
Insgesamt geht Risse davon aus, dass die neuen Bikes auf etwa der Hälfte aller Strecken im Kalender keine langsameren Rundenzeiten liefern werden. Auf der anderen Hälfte werde man langsamer sein, wobei das genaue Ausmaß noch ermittelt werden müsse. Beim Topspeed rechnet er mit einem Rückgang von etwa 15 bis 20 km/h, wobei die fortlaufende Entwicklung diesen Wert im Laufe der Zeit verringern dürfte.
Motorenentwicklung soll Leistungsdefizit schrumpfen lassen
Auch langfristig sieht der KTM-Technikchef Grund zum Optimismus. Er verwies auf die bisherige Entwicklungsgeschwindigkeit bei den Motoren. Im Durchschnitt habe KTM in der Vergangenheit rund 5 bis 6 PS pro Jahr dazugewonnen. Das dürfte auch für die kleineren 850ccm-Triebwerke gelten, möglicherweise sogar in noch größerem Umfang, weil das Projekt frisch sei und gerade zu Beginn mehr Spielraum für Verbesserungen bestehe.
Risse stellte klar, dass ein anfängliches Defizit von rund 30 PS keinesfalls über die gesamte Laufzeit des neuen Reglements bestehen bleiben werde. Die Hersteller werden Saison für Saison mehr Leistung aus den neuen Motoren herausholen, bis sich das Entwicklungstempo irgendwann einpendelt.

VR46 bleibt Ducati treu, Aprilia ging leer aus
Parallel zum technischen Umbruch laufen hinter den Kulissen die Verhandlungen über die Teampartnerschaften für die 2027er Ära. Valentino Rossis VR46 Racing Team steht dabei kurz vor dem Abschluss eines neuen Vertrags mit Ducati. Teamchef Uccio Salucci bestätigte in Buriram, dass die Vereinbarung nahezu unter Dach und Fach sei. Es fehlen demnach nur noch wenige Details, eine Bekanntgabe wird innerhalb des nächsten Monats erwartet. Der neue Vertrag soll drei Jahre umfassen und die Saisons 2027, 2028 und 2029 abdecken.
Interessant: Aprilia hatte im Winter ebenfalls Kontakt zu VR46 aufgenommen und Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Salucci bestätigte, dass es zwei bis drei Gespräche mit Aprilia-Chef Massimo Rivola gegeben habe. Die beiden kennen sich seit 2004, als Rivola Rossis Formel-1-Test bei Ferrari betreute. Ein Wechsel weg von Ducati stand für VR46 aber nie ernsthaft zur Debatte. Salucci bezeichnete die Ducati Desmosedici als das beste Motorrad der Welt.
Seit dem Wechsel von Pramac zu Yamaha im vergangenen Jahr hat Ducati neben dem Werksteam nur noch zwei Satellitenteams im Feld. VR46 war 2022 in die Königsklasse aufgestiegen und hatte sich 2024 zum werksseitig unterstützten Team mit direktem Zugang zur neuesten Technik entwickelt.
Marquez: Quartararo steht vor wichtiger Karriereentscheidung
In der laufenden Saison 2026 kämpfen zwei prominente Fahrer mit sehr unterschiedlichen Problemen. Fabio Quartararo, MotoGP-Weltmeister von 2021, kommt auf seiner Yamaha M1 weiterhin nicht vom Fleck. Beim Saisonauftakt in Thailand startete er nur von Platz 16 und musste sich durch das Mittelfeld arbeiten. Der Yamaha fehlt es nach wie vor an Topspeed, und ein größeres Motor-Update mit dem neuen V4-Triebwerk wird erst später in der Saison erwartet.
Marc Marquez, amtierender Weltmeister auf Ducati, deutete an, dass Quartararo vor einer wichtigen Weichenstellung in seiner Karriere stehe. Im Motorsport hänge der Erfolg nie allein vom Fahrer oder nur von der Maschine ab, es sei immer eine Kombination aus beidem. Man müsse seinem Instinkt folgen, um das beste Projekt für den jeweiligen Moment zu finden. Marquez warnte davor, sich von Außenstehenden zu sehr beeinflussen zu lassen. Die Jahre in der Karriere eines Fahrers vergehen schnell, und die aktive Zeit im Sport sei begrenzt. Er gehe davon aus, dass sich Quartararo bald entscheiden werde, welchen Weg er in Zukunft einschlagen möchte, falls er es nicht bereits getan habe.

Monster Energy Yamaha MotoGP Team
MotoGP
Rookie Razgatlioglu braucht Geduld
Ganz anders die Situation bei Toprak Razgatlioglu. Der dreimalige Superbike-Weltmeister gab 2026 sein MotoGP-Debüt für das Pramac-Yamaha-Team und belegte beim Auftaktrennen in Buriram Rang 17 mit fast 40 Sekunden Rückstand auf Rennsieger Marco Bezzecchi. Marquez ordnete das Ergebnis gelassen ein: Razgatlioglu brauche einfach mehr Zeit, um Motorrad, Elektronik und die Abläufe in der Königsklasse zu verstehen. Eine Lernphase sei für einen Rookie in der MotoGP völlig normal.
Fahrermarkt 2027 bleibt in der Schwebe
Über konkrete Transfergerüchte und den Fahrermarkt für 2027 wollte sich Marquez nicht äußern. Die Teams und Hersteller arbeiten derzeit parallel zu den neuen technischen Regeln auch an einer neuen kommerziellen Vereinbarung mit MotoGP Sports Entertainment, dem Nachfolger von Dorna. Solange dieser Deal nicht abgeschlossen ist, dürften offizielle Bekanntgaben von Fahrerbesetzungen und Herstellerpartnerschaften auf sich warten lassen. Fest steht aber: Sowohl Quartararo als auch Razgatlioglu werden zum Saisonstart 2026 besonders genau beobachtet, der eine wegen einer möglicherweise richtungsweisenden Entscheidung, der andere wegen seines Anpassungsprozesses an die Königsklasse.
→ Alle Infos zur MotoGP-Saison 2026: Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand findest du in unserem Überblicksartikel zur MotoGP 2026.

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Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit der Redaktion.
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