- Bezzecchi fährt mit 1:28,668 Minuten neuen Streckenrekord in Buriram
- Marc Marquez stürzt insgesamt dreimal und klagt über mangelnde Konzentration
- Yamaha liegt mit der neuen V4-Maschine weiterhin mehr als eine Sekunde zurück
Die MotoGP-Wintertests 2026 sind abgeschlossen. Am letzten Testtag auf dem Buriram International Circuit in Thailand setzte Marco Bezzecchi auf der Aprilia RS-GP ein deutliches Zeichen und fuhr mit 1:28,668 Minuten nicht nur die Tagesbestzeit, sondern unterbot damit auch den offiziellen Streckenrekord von 1:28,700 Minuten. Den hatte Francesco Bagnaia im Qualifying zum Thailand-Grand-Prix 2024 aufgestellt. Weltmeister Marc Marquez beendete das Testwochenende nach insgesamt drei Stürzen auf dem dritten Rang, während Ducati trotz der Zwischenfälle zuversichtlich in den Saisonstart blickt.

Bezzecchi und Aprilia setzen die Messlatte
Der zweite Testtag in Buriram war zweigeteilt. Am kühleren Vormittag standen Qualifying-Simulationen auf dem Programm, am wärmeren Nachmittag folgten Longruns und Rennsimulationen bei über 50 Grad Celsius Asphalttemperatur. Am Vormittag führte zunächst das Ducati-Werksteam das Klassement an. Marc Marquez setzte mit 1:28,836 Minuten eine starke Marke, dicht gefolgt von Bagnaia.
Doch am Nachmittag drehte Bezzecchi auf. Zunächst absolvierte der Italiener eine überzeugende Rennsimulation mit konstant schneller Pace. In der letzten Stunde legte er dann nochmal einen Qualifying-Versuch nach und unterbot den Streckenrekord. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ducati-Duo seinen Test bereits beendet.
Aprilia belegte am Ende gleich die ersten beiden Plätze im Gesamtklassement. Trackhouse-Fahrer Ai Ogura kam mit 1:28,765 Minuten und nur 0,097 Sekunden Rückstand auf Rang zwei. Auch sein Teamkollege Raul Fernandez zeigte sich über beide Tage hinweg konstant in den Top 10.
Technikdirektor Fabiano Sterlacchini zog ein positives Fazit und sprach davon, dass es sehr wichtig gewesen sei, einige Lösungen aus dem Sepang-Test zu bestätigen. In Malaysia sei es immer schwierig, die Performance richtig einzuschätzen, weil sich der gebrauchte Hinterreifen dort inkonstant verhalte. Außerdem habe man Aerodynamik-Varianten getestet und das Verhalten des Motorrads für Stop-and-Go-Strecken optimiert. Die mitgebrachten Updates hätten sich diesbezüglich ausgezahlt.

Drei Stürze und eine Magenverstimmung bei Marc Marquez
Für den amtierenden Weltmeister Marc Marquez verlief das Testwochenende deutlich holpriger. Bereits am Samstag stürzte der Ducati-Pilot gleich zweimal am Vormittag. Der erste Sturz passierte in der Anfahrt zur Zielkurve, als ihm das Vorderrad auf der weißen Linie wegklappte. Kurz darauf folgte der zweite Ausrutscher.
Marquez erklärte die Stürze mit mangelnder Konzentration und fehlender Energie. Er habe den Tag mit einer Magenverstimmung begonnen, die ihn schon vor der ersten Ausfahrt beeinträchtigt habe. „Die Informationen von heute sollten wir mit Vorsicht genießen, denn ich bin nicht richtig gut gefahren. Morgen erwarte ich mir, in besserem Zustand auch besser für Ducati arbeiten zu können“, kommentierte er nach dem ersten Testtag.
Am Sonntag lief es für den Spanier zunächst besser. Er fuhr die Bestzeit am Vormittag und absolvierte deutlich mehr Runden als am Vortag. Am Nachmittag allerdings stürzte er bei seinem Longrun in Kurve 3 erneut, seinem dritten Crash an diesem Wochenende. Marquez begab sich anschließend ins Medical Center, kam aber mit lediglich Abschürfungen am rechten Unterarm davon. Danach fuhr er an diesem Tag nicht mehr.
Trotz der schwierigen Umstände beendete Marquez den Test auf dem dritten Gesamtrang mit nur 0,168 Sekunden Rückstand auf Bezzecchis Bestzeit. Ducati steht allerdings noch vor einer wichtigen Entscheidung bezüglich der Aerodynamik-Konfiguration für den Saisonstart. Über beide Testtage hinweg waren an den Ducati-Maschinen verschiedene Winglet-Varianten aus 2024 und 2025 sowie unterschiedliche Seitenverkleidungen zu sehen.
Ducati blickt trotz Marquez-Stürzen zuversichtlich nach vorne
Teammanager Davide Tardozzi zeigte sich bei Sky Italien insgesamt zufrieden. Man habe in Buriram einige Dinge überprüfen müssen, die bereits in Sepang entschieden worden waren, und das sei gut gelaufen. Die dort getroffenen Entscheidungen seien bestätigt worden. Am Abend nach dem Test wollte das Team endgültig festlegen, mit welchem Motorrad man ins erste Rennwochenende geht. Tardozzi räumte allerdings ein, dass die Konkurrenz stark sei und besonders Bezzecchi sehr schnell unterwegs gewesen sei.
Bagnaia brach seinen Longrun am Nachmittag ab, weil er nicht ganz zufrieden war, hatte aber bereits am Vortag eine Sprint-Simulation gefahren. Mit dem vierten Platz im Tagesergebnis und 0,219 Sekunden Rückstand zeigte auch er solide Testleistungen. Alex Marquez wurde Fünfter, stürzte allerdings ebenfalls am Sonntagnachmittag.
Teamkollege Jorge Martin, der nach seiner langen Verletzungspause beim Test sein Comeback feierte, verfolgte ein eigenes Programm. Martin konzentrierte sich vor allem darauf, sein Fahrgefühl wiederzufinden, und fuhr am ersten Tag 68 Runden. Sein Teammanager Paolo Bonora bestätigte, dass es Martin körperlich sehr gut gehe, er aber natürlich noch nicht bei hundert Prozent sei. Für das erste Rennen setzt sich der Ex-Weltmeister ein Top-9-Ergebnis als realistisches Ziel. Im Tagesergebnis des zweiten Tages belegte Martin Rang acht.

KTM: Acosta zufrieden, aber die Spitze ist noch entfernt
Pedro Acosta war als Sechster mit 0,353 Sekunden Rückstand der beste KTM-Fahrer im Tagesergebnis des Sonntags. Am Vormittag hatte er sich bei den Qualifying-Versuchen in den Top 5 positioniert und am Nachmittag eine solide Rennsimulation gezeigt.
Acosta zeigte sich ehrlich zufrieden mit dem Test, stellte aber auch klar, dass Aprilia und Ducati deutlich schneller seien. Den Reifenverschleiß habe man allerdings besser in den Griff bekommen. Teamkollege Brad Binder fuhr seinen Qualifying-Versuch kurz vor Testende und belegte mit sieben Zehntelsekunden Rückstand den zwölften Platz.
Am ersten Testtag war Maverick Vinales (Tech3) als Achter noch der beste KTM-Vertreter gewesen, am Sonntag konzentrierte er sich aber auf sein Gesamtpaket und zeigte keine Topzeiten. Enea Bastianini hatte eine Sekunde Rückstand und lag weit hinten im Bereich der Yamahas.
Honda macht Fortschritte, Yamaha kämpft weiter
Joan Mir beendete den letzten Testtag auf dem zehnten Platz mit sechs Zehntelsekunden Rückstand. Im Kräfteverhältnis scheint Honda hinter Ducati, Aprilia und KTM zu liegen, geht aber deutlich zuversichtlicher in die Saison als in den vergangenen Jahren.
Teamchef Alberto Puig sagte bei Sky Italien, man habe sich verbessert und einen Fortschritt gemacht, sei aber noch nicht ganz vorne. Er wolle nichts behaupten, was er nicht glaube, gab sich aber vorsichtig optimistisch. Rookie Diogo Moreira (LCR) reduzierte seinen Rückstand auf 1,2 Sekunden.
Am anderen Ende des Feldes blieb Yamaha das Sorgenkind. Jack Miller fuhr in der letzten Teststunde mit 1:29,672 Minuten die beste Yamaha-Zeit und lag damit eine Sekunde hinter der Spitze. Auch bei Longruns verlor die neue V4-Yamaha pro Runde mehr als eine Sekunde auf die Besten.
Fabio Quartararo machte aus seiner Frustration keinen Hehl. Er glaube nicht, dass man bereit sei, man versuche gerade eine Richtung zu finden, und es sehe so aus, als ob man sie langsam finde. Vom Tempo her sei man noch etwa eine Sekunde langsamer als im Vorjahr, und er glaube, alle hätten von der Vorsaison etwas mehr erwartet. Für das erste Rennen habe er keine Erwartungen.
Miller belegte im Tagesergebnis Platz 16, Quartararo Platz 17. Superbike-Weltmeister Toprak Razgatlioglu, der im Pramac-Team seinen zweiten MotoGP-Test absolvierte, arbeitete weiter an seiner Sitzposition und dem Verständnis des Michelin-Hinterreifens. Mit 2,1 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte er als zweiter Rookie im Feld den größten Rückstand aller Stammfahrer. Den Testabschluss bildete Ducati-Testfahrer Michele Pirro, der beim verletzten Fermin Aldeguer bei Gresini einsprang.

Monster Energy Yamaha MotoGP Team
MotoGP
Letzte Standortbestimmung vor dem Saisonstart
Die MotoGP-Vorsaison 2026 ist damit abgeschlossen. Am kommenden Wochenende vom 27. Februar bis 1. März findet auf dem gleichen Buriram International Circuit der erste Grand Prix der neuen Saison statt. Die Ausgangslage könnte spannend werden. Ducati gilt weiterhin als Favorit, doch Aprilia hat mit Bezzecchi und Ogura zwei schnelle Fahrer, die Druck machen können. KTM scheint einen Schritt nach vorne gemacht zu haben, Honda ist näher dran als in den Vorjahren, und Yamaha muss mit dem neuen V4-Projekt noch einiges an Boden gutmachen.
Die Testfahrten boten keine offizielle Zeitenmessung, die Ergebnisse sind daher nur als Orientierung zu verstehen. Erfahrungsgemäß spiegeln sie dennoch das grobe Kräfteverhältnis wider.
Was das für MotoGP-Fans bedeutet
Die Wintertests in Buriram deuten auf eine deutlich ausgeglichenere Saison 2026 hin als noch im Vorjahr. Aprilia scheint den Anschluss an Ducati gefunden zu haben und ist mit Bezzecchi nicht mehr nur Herausforderer auf dem Papier, sondern eine echte Gefahr für die Ducati-Dominanz. Gleichzeitig zeigt sich, dass selbst ein Weltmeister wie Marquez nicht unverwundbar ist. Drei Stürze an einem Testwochenende und die offene Aerodynamik-Frage bei Ducati lassen vermuten, dass der Titelverteidiger nicht so souverän in die Saison startet wie erhofft. KTM und Honda rücken näher heran, und selbst wenn Yamaha aktuell noch hinterherhinkt, sorgt der V4-Umstieg zumindest mittelfristig für Fantasie. Für den Saisonauftakt am kommenden Wochenende in Buriram ist damit ein enger Kampf zwischen mindestens drei Herstellern zu erwarten, was nach Jahren der Ducati-Übermacht eine willkommene Abwechslung wäre.
- Milestone Ride 6 Day 1 Edition (Xbox Series X)








