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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » MotoGP verlässt Phillip Island: Adelaide bekommt ersten Stadtkurs der Geschichte
Aprilia MotoGP Phillip Island 2025
MotoGP

MotoGP verlässt Phillip Island: Adelaide bekommt ersten Stadtkurs der Geschichte

By Andreas Denner20 Februar, 2026
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Die MotoGP fährt ab 2027 nicht mehr auf Phillip Island. Der Grand Prix von Australien zieht nach Adelaide um, wo erstmals in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft auf einem Stadtkurs gefahren werden soll.
  • Vertrag mit Adelaide läuft über sechs Jahre bis einschließlich 2032
  • Der neue Kurs soll rund 4,195 Kilometer lang sein und 18 Kurven umfassen
  • Casey Stoner und Wayne Gardner kritisieren das Ende der Ära auf Phillip Island

Nach über drei Jahrzehnten auf einer der beliebtesten Rennstrecken der Welt steht die MotoGP vor einem einschneidenden Wechsel in Australien. Am Donnerstag bestätigten MotoGP-Sportdirektor Carlos Ezpeleta und der Premierminister von Südaustralien, Peter Malinauskas, offiziell das Ende des Grand Prix auf Phillip Island. Ab der Saison 2027 soll der Australien-GP auf einem eigens konzipierten Stadtkurs mitten in Adelaide ausgetragen werden. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der Motorrad-WM, dass ein Rennen im Stadtzentrum stattfindet.

Vertrag bis 2032 und Premiere im November 2027

Zwischen der MotoGP Sports Entertainment Group, wie die ehemalige Dorna seit der Übernahme durch Liberty Media firmiert, der Regierung von Südaustralien und der Stadt Adelaide wurde ein Vertrag über sechs Jahre geschlossen. Die Vereinbarung läuft bis einschließlich 2032. Die Premiere ist für ein dreitägiges Rennwochenende im November 2027 vorgesehen. Damit bleibt der australische Grand Prix wie gewohnt Teil der Überseetour im letzten Saisonviertel.

Die Strecke soll sich über rund 4,195 Kilometer erstrecken, 18 Kurven umfassen und durch die Innenstadt von Adelaide führen. Laut den Veranstaltern sollen Geschwindigkeiten von über 340 km/h möglich sein. Das Streckenlayout orientiert sich am ehemaligen Adelaide Street Circuit, auf dem zwischen 1985 und 1995 Formel-1-Rennen ausgetragen wurden. Allerdings soll es umfassende Anpassungen geben, um den Sicherheitsanforderungen des modernen Motorradrennsports gerecht zu werden. Der Kurs soll nach den Vorgaben des Motorrad-Weltverbands FIM eine Grade-A-Homologation erhalten.

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Warum Phillip Island weichen muss

Der Vertrag mit dem bisherigen Veranstalter auf Phillip Island, der Australian Grand Prix Corporation, läuft Ende 2026 aus. Das Rennen auf der Naturstrecke an der Pazifikküste, rund zwei Stunden südlich von Melbourne, hatte in den vergangenen Jahren zunehmend mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zudem soll die Infrastruktur vor Ort nicht mehr den modernen Standards entsprochen haben, die sich Liberty Media für die Zukunft der MotoGP vorstellt. Obwohl die Regierung des Bundesstaats Victoria angeblich bereit war, Geld in die Modernisierung von Phillip Island zu investieren, sollen diese Zusagen über zehn Jahre lang nicht umgesetzt worden sein.

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Ursprünglich hatte es Überlegungen gegeben, das Rennen auf den Albert Park Circuit in Melbourne zu verlegen, wo auch die Formel 1 gastiert. Victorias Sport- und Eventminister Steve Dimopoulos erklärte dazu, man sei zwar zu finanziellen Zugeständnissen bereit gewesen, habe einen Standortwechsel weg von Phillip Island jedoch abgelehnt.

„We know we could have kept [the race] in Victoria if we had given up Phillip Island. We were never prepared to give up Phillip Island“, so Dimopoulos.

Sinngemäß übersetzt: Man hätte das Rennen in Victoria halten können, wenn man Phillip Island aufgegeben hätte, doch dazu sei man nie bereit gewesen.

Adelaide will sich als Event-Standort positionieren

Premierminister Malinauskas machte bei der Vorstellung des Projekts deutlich, dass es aus Sicht seiner Regierung um weit mehr als ein reines Motorsportereignis gehe. Er sprach davon, dass Südaustralien mittlerweile mit dem Rest des Landes um die besten Veranstaltungen der Welt konkurriere und gewinne. Die Ausrichtung des weltweit ersten MotoGP-Rennens auf einem Stadtkurs solle Adelaide ein einzigartiges Angebot verschaffen, das Besucher aus ganz Australien und dem Ausland anziehe. Darüber hinaus gehe es darum, wirtschaftliche Aktivität zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen und Südaustralien international sichtbarer zu machen.

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Der kommerzielle Hintergrund des Wechsels fügt sich in die Strategie von Liberty Media ein. Im Portfolio des Unternehmens, zu dem auch die Formel 1 gehört, spielen Stadtkurse in großen Metropolen eine zentrale Rolle. Die Nähe zu Hotels, Gastronomie und urbaner Infrastruktur passt zum Geschäftsmodell moderner Großveranstaltungen.

Sicherheitsdebatte: Fahrer melden sich zu Wort

Die Ankündigung löste umgehend eine Diskussion über die Sicherheit aus. Im Gegensatz zur Formel 1 sitzen Motorradpiloten nicht in einer schützenden Sicherheitszelle, weshalb großzügige Auslaufzonen bei einem Stadtkurs besonders wichtig sind.

Jack Miller, als Pramac-Fahrer einziger australischer Vertreter in der MotoGP, war bei der Präsentation in Adelaide anwesend und äußerte sich zuversichtlich. Er erklärte, es werde keine Betonmauern oder Airfences in unmittelbarer Reichweite geben.

„I have complete faith in Carlos [Ezpeleta] and his calculations“, sagte Miller.

Auf Deutsch: Er habe volles Vertrauen in Ezpeleta und dessen Berechnungen.

Miller verwies darauf, dass die Fahrer sich jeden Freitagabend beim Grand Prix mit den Verantwortlichen zusammensetzen und Fragen zur Streckensicherheit besprechen, von der Tiefe des Kieses über die Beschaffenheit der Auslaufzonen bis hin zur Größe der Steine im Kiesbett. Die MotoGP verfüge über umfangreiche Daten aus G-Force-Sensoren und Airbag-Lederanzügen, um Unfälle zu analysieren und Sicherheitsstandards abzuleiten. Bei einem normalen Sturz gebe es aus seiner Sicht keine Sicherheitsbedenken.

Auch Aleix Espargaró, der bei Honda unter Vertrag steht, meldete sich über die Plattform X zu Wort. Er betonte, dass es sich nicht um einen Stadtkurs im Stil von Monaco handeln werde. Er vertraue darauf, dass die MotoGP Adelaide geprüft habe und Auslaufzonen bieten könne, die genauso sicher oder sogar sicherer seien als etwa die letzte Kurve auf Phillip Island.

Stoner und Gardner üben deutliche Kritik

Wesentlich kritischer fiel die Reaktion von Casey Stoner aus. Der zweifache MotoGP-Weltmeister, der zwischen 2007 und 2012 sechsmal auf Phillip Island gewann, veröffentlichte ein ausführliches Statement auf Instagram. Er bezeichnete Phillip Island als eine der großartigsten Motorradstrecken der Welt, die Jahr für Jahr einige der besten und unterhaltsamsten Rennen hervorgebracht habe. Nun werde sie zugunsten eines Rennens in Adelaide und angeblich eines Stadtkurses zur Seite geschoben.

„Why would MotoGP take possibly their best circuit off the calendar… I’ll let everyone decide“, schrieb Stoner.

Auf Deutsch: Warum die MotoGP möglicherweise ihre beste Strecke aus dem Kalender nehme, könne jeder selbst entscheiden.

Auch Wayne Gardner, 500cc-Weltmeister von 1987 und eine weitere australische Motorsportlegende, reagierte mit Enttäuschung. In einem Interview mit ABC Radio erklärte er, die Nachricht überrasche ihn nicht. Das Thema schwele bereits seit Jahren. Die Regierung von Victoria habe die Reputation, Dinge zu gewinnen, wieder zu verlieren, zu verschwinden und dann wieder aufzutauchen. Er sei traurig und enttäuscht, aber nicht überrascht von dem Verhalten der Regierung von Victoria und der Australian Grand Prix Corporation. Auf die Frage, ob er die zu seinen Ehren an der Strecke errichtete Statue abholen werde, antwortete Gardner mit deutlichen Worten.

The Bend als mögliche Alternative

Im Raum stand auch die permanente Rennstrecke The Bend Motorsport Park, die 2017 eröffnet wurde und rund 100 Kilometer südöstlich von Adelaide liegt. Die Anlage verfügt über ein 4,95 Kilometer langes International-Circuit-Layout und eine 7,7 Kilometer lange GT-Variante. Nationale Serien wie die australische Superbike-Meisterschaft fahren dort bereits. Allerdings liegt die Strecke abseits urbaner Infrastruktur, mit kaum Unterkünften und Gastronomie in der Nähe. Der gesamte GP-Tross hätte täglich von Adelaide aus pendeln müssen. Dem eigentlichen Ziel des Standortwechsels, nämlich ein Rennen im urbanen Umfeld zu etablieren, hätte The Bend nicht entsprochen.

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die Superbike-Weltmeisterschaft ab 2028 nach The Bend wechseln könnte. Sam Shahin, der Eigentümer der Strecke, soll eine wesentliche Rolle in den Verhandlungen zwischen der Regierung von Südaustralien und den kommerziellen Rechteinhabern der MotoGP gespielt haben. The Bend könnte außerdem als Ausweichlösung dienen, falls der Stadtkurs in Adelaide nicht rechtzeitig fertiggestellt wird.

Miller: Phillip Island ist für Fans zu teuer und zu schwer erreichbar

Neben der Sicherheitsdebatte ging Jack Miller auch auf die praktischen Probleme von Phillip Island ein. Er sprach offen darüber, dass die Anreise zum bisherigen Austragungsort für den durchschnittlichen Fan eine erhebliche Unternehmung darstelle. Die Kosten für Flug nach Melbourne, Mietwagen, Transport zur Insel und Unterkunft beliefen sich schnell auf 6.000 bis 7.000 australische Dollar (circa 3.550 bis 4.140 Euro / 3.720 bis 4.340 US-Dollar). Das wisse er aus eigener Erfahrung, weil seine Familie das Jahr für Jahr mitmache. Für junge Familien sei es schlicht schwer, sich einen Besuch beim Motorradrennen zu leisten. Miller erklärte, dass es teilweise günstiger sei, zum Grand Prix nach Malaysia zu fliegen, weil die Strecke in Sepang direkt neben dem Flughafen liege.

In Adelaide hingegen könne man in die Stadt kommen, zu Fuß die Strecke erreichen, das Rennen anschauen und anschließend wieder nach Hause fliegen. Das erleichtere den Zugang erheblich. Miller zeigte sich überzeugt, dass die Australier, die Motorsport und Live-Sport grundsätzlich liebten, das Angebot in Adelaide annehmen würden.

Rund 20 Monate Vorbereitungszeit

Bis zur geplanten Premiere im November 2027 beginnt nun eine rund 20-monatige Vorbereitungsphase. Der lokale Promoter koordiniert in dieser Zeit die Bauarbeiten und die Anpassung des Streckenlayouts an die FIM-Vorgaben. Die Herausforderung, einen temporären Stadtkurs zu errichten, der für MotoGP-Rennen geeignet ist, gilt als erheblich. Oberflächenbeschaffenheit, Barrierensysteme, medizinische Einrichtungen und Paddock-Infrastruktur müssen den höchsten Standards entsprechen.

Carlos Ezpeleta bezeichnete den Wechsel als bedeutenden Schritt in der Entwicklung der Weltmeisterschaft. Adelaide habe eine erstklassige Tradition in der Ausrichtung großer Sportereignisse. Die Möglichkeit, eine speziell konzipierte Strecke in den Straßen der Stadt zu entwerfen, sei im Motorradrennsport absolut einzigartig. Von Beginn an habe man gemeinsam mit der FIM sichergestellt, dass die Sicherheit in keiner Weise beeinträchtigt werde. Jedes Element des Adelaide Street Circuit sei so konstruiert worden, dass es den höchsten Standards der modernen MotoGP entspreche.

Die Saison 2026 auf Phillip Island wird somit zum Abschied von einer Strecke, die den Motorradrennsport seit fast drei Jahrzehnten geprägt hat. Ob der neue Stadtkurs in Adelaide das Erbe angemessen fortführen kann, wird sich frühestens im November 2027 zeigen.

Was das für mich als MotoGP-Fan bedeutet?

Der Wechsel von Phillip Island nach Adelaide markiert einen Wendepunkt, der weit über einen bloßen Standortwechsel hinausgeht. Phillip Island war über Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil der emotionalen Identität der MotoGP. Die schnellen, fließenden Kurven direkt an der Küste, der unberechenbare Wind und die regelmäßig spektakulären Überholmanöver machten das Rennen zu einem der Saisonhöhepunkte. Dieses spezifische Fahrerlebnis lässt sich auf einem Stadtkurs nicht reproduzieren, egal wie gut die Infrastruktur ausfällt. Gleichzeitig könnte Adelaide für Fans, die bisher den logistischen und finanziellen Aufwand einer Reise nach Phillip Island gescheut haben, den Zugang zum Live-Erlebnis deutlich erleichtern. Kurze Wege, städtische Infrastruktur und eine potenzielle Festival-Atmosphäre stehen dann dem Verlust einer ikonischen Naturstrecke gegenüber. Ob sich der Tausch lohnt, wird sich erst zeigen, wenn im November 2027 tatsächlich die ersten Maschinen durch die Straßen von Adelaide fahren. Klar ist aber schon jetzt: Die MotoGP verändert sich, und mit ihr das Erlebnis für die Fans. Wer Phillip Island noch einmal live erleben will, hat dafür 2026 die letzte Gelegenheit.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich. Verantwortlich für die Seiten www.Motorcycles.News, www.Motorrad.Training und den YouTube-Kanal "Motorrad Nachrichten", sowie deren social Media-Seiten.

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