- 96.071 Motorrad Neuzulassungen über 125 Kubik im Jahr 2025
- Rückgang um rund 36 Prozent gegenüber 2024
- Euro 5+ sorgt für massive Verschiebungen zwischen den Jahren
Nach dem außergewöhnlich starken Jahr 2024 folgt 2025 ein jäher Einschnitt in der Statistik. Die reinen Neuzulassungszahlen zeichnen ein Bild, das auf den ersten Blick alarmierend wirkt. Doch ein isolierter Blick auf ein einzelnes Jahr greift zu kurz und wird der tatsächlichen Marktsituation nicht gerecht.
Motorrad Neuzulassungen 2025: Zahlen auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren
Mit 96.071 neu zugelassenen Motorrädern über 125 Kubik erreicht der deutsche Motorradmarkt 2025 den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Gegenüber 151.036 Neuzulassungen im Jahr 2024 entspricht das einem Rückgang von 36,4 Prozent. Auch im Vergleich zu 2023 mit 124.538 Einheiten fällt das Ergebnis deutlich schwächer aus.
Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt, dass selbst Jahre ohne Sondereffekte meist oberhalb der 100.000er Marke lagen. Nur 2014 bewegte sich der Markt mit 96.292 Einheiten auf einem ähnlichen Niveau. Der eigentliche historische Tiefpunkt liegt jedoch deutlich weiter zurück: 2009 sackten die Neuzulassungen infolge der Finanzkrise auf rund 80.000 Einheiten ab.
Euro 5+ als Hauptursache für den Einbruch
Der zentrale Faktor für das schwache Jahr 2025 ist die Umstellung auf die Abgasnorm Euro 5+. Zum Jahreswechsel 2024 auf 2025 mussten zahlreiche Fahrzeuge, die lediglich die bisherige Euro 5 Norm erfüllten, noch vorab zugelassen werden. Händler und Hersteller reagierten mit umfangreichen Tageszulassungen, um ihre Bestände abzusichern.
Diese Fahrzeuge tauchen statistisch vollständig im Jahr 2024 auf, obwohl ein erheblicher Teil erst 2025 verkauft wurde. Neuzulassungen bilden ausschließlich den Zeitpunkt der Erstzulassung ab, nicht den tatsächlichen Verkaufszeitpunkt. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild, das den Markt 2024 künstlich aufbläht und 2025 entsprechend entleert.
Warum der Vergleich einzelner Jahre wenig aussagekräftig ist
Unter normalen Bedingungen lassen sich aus Neuzulassungen Rückschlüsse auf die Marktentwicklung ziehen. Die Jahre 2024 und 2025 sind jedoch durch regulatorische Eingriffe geprägt und daher nur eingeschränkt vergleichbar. Aussagen wie ein Einbruch des Motorradmarkts um mehr als ein Drittel greifen zu kurz und lassen die Sondereffekte außer Acht.
Aussagekräftiger ist ein Zweijahresvergleich. Addiert man die Zulassungen von 2024 und 2025, ergeben sich 250.403 neu zugelassene Motorräder. Damit liegt dieser Zeitraum über den Vergleichswerten von 2022 und 2023 mit 233.701 Einheiten und in etwa auf dem Niveau der starken Jahre 2020 und 2021.
Markt im Kontext: Zweiräder insgesamt stabiler als erwartet
Auch der Blick auf den gesamten Zweiradmarkt relativiert die negativen Schlagzeilen. Motorräder, 125er sowie Kraftroller kommen zusammen 2024 und 2025 auf insgesamt 405.814 Neuzulassungen. Das liegt nur geringfügig unter den beiden Vorjahreszeiträumen und deutlich über den Werten von 2018 bis 2019.
Der Rückgang im Gesamtmarkt ist vor allem bei den 125ern zu beobachten. Nach dem starken Boom im Zuge der B196 Regelung flacht die Nachfrage hier spürbar ab. Motorräder über 125 Kubik zeigen sich im Zweijahresvergleich dagegen so stabil wie seit Langem nicht mehr.
Hersteller und Modelle: Klare Gewinner und Verlierer
Trotz des schwachen Gesamtjahres lassen sich deutliche Verschiebungen innerhalb des Marktes erkennen. BMW bleibt mit Abstand stärkster Hersteller und stellt mit der R 1300 GS erneut das meistzugelassene Motorrad. 8.075 Neuzulassungen sichern dem Modell Platz eins, gefolgt von der Kawasaki Z 900 mit 4.530 Einheiten und der Kawasaki Z 650 mit 2.220 Einheiten.
Auffällig ist jedoch, dass der Vorsprung der GS gegenüber der Konkurrenz kleiner geworden ist. Bereinigt um gewerbliche Zulassungen schrumpft der Abstand zur Z 900 auf rund 1.000 Fahrzeuge. In früheren Jahren lag die GS teilweise mehr als doppelt so hoch wie das zweitplatzierte Modell.
Auf der Verliererseite steht KTM. Der Marktanteil fällt von 10,3 Prozent im Vorjahr auf nur noch 2,8 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von rund 75 Prozent und stellt einen der markantesten Abstürze im Herstellervergleich dar.
Neue Modelle mit überraschender Dynamik
Trotz insgesamt schwachem Marktverlauf konnten sich mehrere neue Modelle im Jahresverlauf etablieren. Die Voge DS 900 steigt ab April sichtbar in die Statistik ein und erreicht Platz 37. Die CFMoto 450 MT zeigt ab Sommer eine deutliche Wachstumskurve. Auch die BMW R 1300 R legt nach ihrem Marktstart im Mai ein starkes zweites Halbjahr hin.
Diese Entwicklungen zeigen, dass neue Produkte weiterhin Nachfrage erzeugen können, selbst in einem statistisch schwierigen Umfeld.
Segmente und Leistungsklassen: Starke Motorräder dominieren weiter
Naked Bikes bleiben trotz Rückgängen das volumenstärkste Segment. Enduros verzeichnen hingegen die stärksten Verluste, was als Nachholeffekt der vielen Vorjahreszulassungen interpretiert werden kann.
Ein Blick auf die Leistungsklassen zeigt eine klare Dominanz leistungsstarker Motorräder. Modelle mit mehr als 73 kW, also über 99 PS, stellen in vielen Segmenten den größten Anteil. Bei Tourern liegt dieser Anteil bei rund 77 Prozent, bei Naked Bikes und Sportlern bei etwa der Hälfte aller Neuzulassungen.
Chopper und Enduros weisen eine breitere Streuung auf. Hier spielen auch leistungsschwächere Modelle und die A2 Klasse mit maximal 48 PS eine wichtige Rolle. Auffällig ist zudem, dass selbst bei Sportmotorrädern die A2 Klasse weiterhin eine relevante Größe darstellt.
Elektro Motorräder: Wachstum in der Nische
Während Verbrenner Zweiräder stark von der Euro 5+ Problematik betroffen sind, gilt das für Elektrofahrzeuge nicht. Hier lassen sich die Jahre direkt vergleichen. 2025 steigen die Neuzulassungen von Elektrozweirädern um 16,3 Prozent auf 6.266 Einheiten.
Nach mehreren schwierigen Jahren und Insolvenzen deutet sich damit eine vorsichtige Belebung an. Positive Umsatzmeldungen einzelner Hersteller sowie technologische Fortschritte bei Reichweite und Batterietechnik sollen diese Entwicklung weiter stützen.
Fazit: Statistischer Tiefpunkt, aber kein struktureller Einbruch
Das Jahr 2025 markiert zwar rechnerisch den Tiefpunkt der letzten zehn Jahre, ist jedoch vor allem ein Produkt außergewöhnlicher Rahmenbedingungen. Die Einführung von Euro 5+ hat die Zulassungszahlen massiv zwischen den Jahren verschoben und verzerrt die Wahrnehmung des Marktes.
Im längerfristigen Vergleich zeigt sich der Motorradmarkt stabil und auf hohem Niveau. Neue Modelle, wiederbelebte Baureihen und neue Hersteller sprechen für eine anhaltende Nachfrage. Die Zahlen des Jahres 2025 sind weniger ein Warnsignal als vielmehr ein statistischer Ausreißer in einer insgesamt robusten Entwicklung.
Was bedeutet das für mich als Motorradfahrer?
Für Motorradfahrer ergeben sich aus den Zahlen vor allem pragmatische Effekte und weniger grundsätzliche Einschnitte. Ein statistisch schwaches Zulassungsjahr bedeutet nicht automatisch weniger Auswahl oder schlechtere Versorgung. Im Gegenteil: Viele Modelle sind verfügbar, Lagerbestände aus dem Vorjahr wirken preislich stabilisierend, und der Wettbewerb zwischen den Herstellern bleibt hoch. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass leistungsstarke Motorräder und etablierte Segmente weiterhin gefragt sind, was die langfristige Modellpflege und Weiterentwicklung sichert. Wer ein neues Motorrad kaufen möchte, trifft 2025 daher nicht auf einen ausgedünnten Markt, sondern auf ein Umfeld, das von Angebotsvielfalt, moderater Nachfrage und teilweise verbesserten Konditionen geprägt ist.

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