- Brent-Ölpreis zwischenzeitlich um 13 Prozent auf 82,37 Dollar gestiegen
- Super E10 im Tagesdurchschnitt am Montag bei 1,839 Euro pro Liter
- ADAC-Experte erwartet weitere Preissteigerungen in den kommenden Tagen
Der Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den USA hat die Ölmärkte kräftig durchgeschüttelt. Nachdem die iranischen Revolutionsgarden drei Tanker in der Golfregion und in der Straße von Hormus mit Raketen beschossen und die Meerenge für die Schifffahrt gesperrt haben, schossen die Rohölpreise am Montag in die Höhe. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 13 Prozent auf 82,37 Dollar (circa 77,25 Euro / 82,37 USD) und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2025. Der Preis für US-Leichtöl WTI kletterte zeitweise auf 75,33 Dollar (circa 70,65 Euro / 75,33 USD), den höchsten Wert seit Juni 2025.
Im weiteren Tagesverlauf gaben die Preise allerdings etwas nach. Brent notierte zuletzt bei 78,05 Dollar (circa 73,18 Euro / 78,05 USD), ein Plus von rund 7,5 Prozent gegenüber dem Vortag. WTI legte um mehr als vier Dollar auf 71,52 Dollar (circa 67,06 Euro / 71,52 USD) zu. Analysten der Citigroup erwarten, dass der Brent-Preis in dieser Woche zwischen 80 und 90 Dollar pro Barrel gehandelt wird.
Kraftstoffpreise steigen deutlich an deutschen Tankstellen
Die Auswirkungen auf die Zapfsäulen in Deutschland ließen nicht lange auf sich warten. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt lag Super E10 am Montag bei 1,839 Euro pro Liter, Diesel bei 1,816 Euro pro Liter. Damit waren beide Kraftstoffsorten so teuer wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Super E10 hatte zuletzt im Mai 2024 höher gelegen, Diesel zuletzt im Oktober 2023.
Gegenüber dem Freitag, dem letzten Handelstag vor der Eskalation, verteuerte sich Super E10 am Montagnachmittag um 7,3 Cent, Diesel sogar um 8,1 Cent. Übers Wochenende war der Anstieg mit 1,6 Cent bei E10 und 1,3 Cent bei Diesel zunächst noch verhalten ausgefallen, bevor die Preise am Montag deutlich anzogen.
Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte des ADAC, sagte: „Ich befürchte, dass es heute an den Zapfsäulen noch weiter nach oben geht. Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent.“ Für Dienstag rechnete der Experte mit einem weiteren Anstieg um einige Cent. „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten“, so Laberer weiter.
Schlangen an den Tankstellen, Heizöl über 120 Euro
An den Tankstellen bildeten sich seit Sonntag lange Warteschlangen. Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, berichtete von einem großen Andrang.
Beim Heizöl fiel der Preisanstieg noch deutlich stärker aus als bei den Kraftstoffen. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr als 120 Euro pro 100 Liter an, am Dienstagmorgen waren es bereits knapp 123 Euro. Noch am Freitag hatten die Preise deutlich unter 100 Euro gelegen. Die Seite verzeichnete bereits am Samstag und Sonntag eine ungewöhnlich hohe Nachfrage. Dass der Spritpreis im Verhältnis geringer gestiegen sei, könnte laut Laberer auch daran gelegen haben, dass insbesondere Diesel in den vergangenen Wochen im Vergleich zum Ölpreis bereits zu teuer gewesen sei.
Straße von Hormus gesperrt: Eine der wichtigsten Handelsrouten blockiert
Hintergrund der Preisentwicklung ist die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten drei Tanker aus den USA und Großbritannien in der Golfregion mit Raketen getroffen. Reedereien und Behördenvertreter bestätigten die Beschädigungen. Nach Angaben des Schiffsdienstleisters V. Ships Asia wurde darüber hinaus der Öltanker „MKD VYOM“ vor der Küste Omans beschossen, wobei ein Besatzungsmitglied ums Leben kam.
Die Straße von Hormus, durch die täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert, wurde vom Iran für den Schiffsverkehr gesperrt. Mehr als 200 Schiffe, darunter zahlreiche Öl- und Gastanker, lagen Schiffsdaten zufolge am Sonntag vor der Meerenge vor Anker. Die dänische Reederei Maersk kündigte an, ihre Schiffe erneut um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas umzuleiten. Noch zu Beginn des Jahres hatte Maersk erste Testfahrten durch den Golf von Aden und das Rote Meer unternommen, doch nach der Drohung der Huthi-Rebellen im Jemen, erneut Handelsschiffe anzugreifen, werden die Schiffe wieder auf die längere Route umgeleitet.
ANZ-Analyst Daniel Hynes schrieb in einer Notiz: „Mit den Vergeltungsmaßnahmen, die sich nun zu Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus entwickeln, ist die Bedrohung für die Ölversorgung erheblich gestiegen.“ Auch das japanische Handelshaus Itochu meldete bereits Auswirkungen auf seine Lieferungen aus der Golfregion.
OPEC+ erhöht Förderung, doch die Wirkung bleibt fraglich
Das Ölkartell OPEC+ hatte kurz vor der Eskalation eine geringfügige Fördererhöhung beschlossen. Die Tagesproduktion soll um 206.000 Barrel gesteigert werden, wie der Verbund nach einer Online-Sitzung mitteilte. Den aktuellen Krieg erwähnte die Gruppe dabei mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Erhöhung mit dem stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Ölvorräten begründet.
RBC-Capital-Analystin Helima Croft ordnete die Entscheidung ein: „Die Nutzung zusätzlicher Kapazitäten sei allerdings stark eingeschränkt, wenn wichtige Wasserstraßen unpassierbar gemacht werden.“ Die Internationale Energieagentur (IEA) teilte mit, sie beobachte die Lage, um im Notfall strategische Ölreserven freigeben zu können.
Mittelfristig könnte die Fördererhöhung laut ADAC-Experte Laberer für etwas Entspannung sorgen, sofern sich die Lage am Golf beruhige. Allerdings gelte ein Muster, das als Rakete-und-Feder-Effekt bekannt ist: Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauere es bei sinkenden Preisen oft deutlich länger.
Politische Dimension: Benzinpreis in den USA über der 3-Dollar-Marke
Auch in den USA hat der Konflikt unmittelbare Folgen an den Tankstellen. Der durchschnittliche Benzinpreis übersprang erstmals seit November wieder die psychologisch wichtige Marke von drei Dollar pro Gallone, umgerechnet etwa 0,68 Euro pro Liter. Experten erwarten in dieser Woche einen weiteren Anstieg auf bis zu 3,25 Dollar pro Gallone (circa 0,74 Euro pro Liter).
Mark Malek, Chefanlagestratege bei Siebert Financial, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Benzinpreise haben eine enorme psychologische Wirkung. Das ist der Preis, an dem die Verbraucher die Inflation jeden Tag ablesen.“ Für US-Präsident Donald Trump birgt die Entwicklung politischen Sprengstoff. Fast die Hälfte der Befragten einer Reuters-Umfrage gab an, dass sie Trumps Iran-Kampagne weniger unterstützen würden, wenn die Öl- und Benzinpreise steigen. Steigende Spritpreise könnten die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November schmälern.
Versorgung in Deutschland gesichert, Kritik an Preisgestaltung
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnte mit Blick auf die Versorgungslage zur Gelassenheit. Bezogen auf Flüssiggas würden keine signifikanten Mengen über die Straße von Hormus nach Deutschland importiert. Gas beziehe Deutschland vor allem über Pipelines aus Norwegen und Belgien, Flüssiggas überwiegend aus den USA und Kanada. „Es kann zu Preissteigerungen kommen“, schloss Reiche für Deutschland jedoch nicht aus.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie betonte, auch in der aktuellen Situation herrsche harter Preiswettbewerb an deutschen Tankstellen. Die Versorgung Deutschlands sei gesichert, da Rohöl aus rund 30 Ländern bezogen werde, darunter Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.
Kritik an der schnellen Weitergabe der Preissteigerungen kam aus der SPD. Der Sprecher der realpolitisch orientierten SPD-Seeheimer, Esra Limbacher, bezeichnete die Entwicklung an den Zapfsäulen als Abzocke. Benzin und Diesel, die jetzt verkauft würden, seien überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft worden. Es sei inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt würden. Wer steigende Weltmarktpreise sofort weitergebe, müsse das auch mit sinkenden Preisen tun.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ordnete die Lage ein: „Der Brent-Ölpreis hat bisher relativ moderat auf den Nahost-Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus reagiert.“ Sollte der Krieg nur wenige Wochen dauern, wäre die Wirtschaft hierzulande faktisch nicht betroffen. Ziehe sich die Eskalation allerdings hin, könnten die hiesige Wirtschaft und Inflation durchaus Schaden nehmen.
Sparsamkeit an der Zapfsäule: Was Motorradfahrer und Autofahrer jetzt tun können
Trotz der steigenden Preise gibt es Möglichkeiten, an der Zapfsäule etwas Geld zu sparen. Der ADAC empfiehlt, die besonders teure Phase zwischen 7 und 8 Uhr morgens zu meiden und stattdessen abends zu tanken, wenn die Preise in der Regel günstiger sind. Gerade in Zeiten stark schwankender Preise lohne es sich, die Preise verschiedener Tankstellen zu vergleichen, da die Unterschiede besonders hoch ausfallen können. Wer einen Benziner fährt, der mit Super E10 kompatibel ist, kann zudem einige Cent pro Liter sparen, da E10 im Schnitt fünf bis sechs Cent günstiger als E5 ist.

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