- Feststoffbatterie erstmals in einem Serienmotorrad
- Bis zu 80 Prozent Ladung in unter 10 Minuten bei bis zu 200 kW Ladeleistung
- Zwei Batterievarianten mit deutlich unterschiedlicher Reichweite
Nach Jahren intensiver Entwicklung bringt der finnische Hersteller Verge Motorcycles eine neue Evolutionsstufe seiner TS Pro auf die Straße. Vorgestellt wurde das Modell auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Im Mittelpunkt steht eine Feststoffbatterie, die in Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen Donut Lab entwickelt wurde und nun erstmals in Kundenfahrzeugen zum Einsatz kommen soll.
Feststoffbatterie als technischer Wendepunkt
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium Ionen Batterien mit flüssigem oder gelartigem Elektrolyt nutzt das neue System einen festen Elektrolyten. Diese Bauweise soll nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch eine deutlich höhere Ladeleistung erlauben. Verge plant laut eigenen Angaben, künftig vollständig auf Lithium Ionen Zellen zu verzichten und ausschließlich Feststoffbatterien einzusetzen.
Die Batteriezellen werden in Europa gefertigt und in flachen rechteckigen Platten aufgebaut. Diese Bauform soll den verfügbaren Bauraum besser ausnutzen und höhere Kapazitäten im gleichen Gehäuse ermöglichen. Zusätzlich erlauben die Platten eine gezielte Integration von Kühlflächen innerhalb und außerhalb des Batteriepakets.

Zwei Batterievarianten mit unterschiedlicher Ausrichtung
Verge bietet die TS Pro künftig mit zwei Feststoffbatterie Varianten an. Die kleinere Version verfügt über eine Kapazität von 18 kWh. Das Motorrad soll damit ein Gewicht von 225 kg (496 lbs) erreichen. Bei Nutzung eines DC Schnellladers mit bis zu 100 kW Ladeleistung sollen in rund 10 Minuten bis zu 200 km Reichweite möglich sein. Die maximale Gesamtreichweite wird mit bis zu 218 Meilen angegeben, abhängig vom Fahrprofil.
Die größere Batterievariante mit 30 kWh Kapazität soll 235 kg (518 lbs) wiegen. Hier sind Ladeleistungen von bis zu 200 kW vorgesehen. Unter idealen Bedingungen sollen sich in 10 Minuten bis zu 186 Meilen Reichweite nachladen lassen. Die maximale Gesamtreichweite wird mit bis zu 344 Meilen beziehungsweise in anderen Angaben mit bis zu 553 km genannt. Auch hier gilt, dass Fahrweise und Einsatzgebiet entscheidend sind.
Ladeinfrastruktur als begrenzender Faktor
Die sehr kurzen Ladezeiten setzen leistungsfähige Schnellladestationen voraus. Aktuell sind Ladepunkte mit 200 kW Leistung noch nicht flächendeckend verfügbar. Verge geht jedoch davon aus, dass sich mit der Verbreitung solcher Fahrzeuge auch die Infrastruktur weiterentwickeln wird. Ohne entsprechende Ladeleistung lassen sich die genannten Zeitvorteile nicht vollständig nutzen.

Antrieb mit nabenlosem Hinterrad
Ein zentrales Merkmal aller Verge Modelle bleibt der nabenlose Hinterradmotor. In der aktuellen Ausbaustufe kommt der Donut Motor 2.0 zum Einsatz, der laut Hersteller rund 21 kg wiegt. Der Elektromotor ist direkt im Hinterrad integriert und kommt ohne klassische Nabe oder Speichen aus.
Das System arbeitet vollständig elektromagnetisch. Elektromagnete im inneren Teil stoßen Permanentmagnete im äußeren Radkranz ab und setzen so das Rad in Bewegung. Eine Abdichtung schützt die Lagerstelle vor Wasser und Schmutz. Die modulare Bauweise soll zudem den Wartungsaufwand reduzieren.
Leistung, Drehmoment und Beschleunigung
Zum Antrieb macht Verge weiterhin nur begrenzte Leistungsangaben. Das maximale Drehmoment liegt bei 1.000 Nm, was einer rechnerischen Entsprechung von rund 737 lb ft entspricht. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km h soll 3,5 Sekunden betragen. Konkrete Leistungswerte in PS und kW wurden für die Feststoffbatterie Varianten nicht separat genannt, es wird jedoch angegeben, dass der Motor im Vergleich zur Vorgängerversion 50 Prozent leichter ist und dennoch gleiche Leistungsdaten liefert.

Einordnung und Ausblick
Mit der Einführung der Feststoffbatterie in ein Serienmotorrad positioniert sich Verge früh in einem Technologiefeld, das bislang vor allem von Großkonzernen erprobt wird. Dass diese Technik nun tatsächlich an Kunden ausgeliefert werden soll, gilt als bemerkenswerter Schritt. CEO Tuomo Lehtimäki spricht von einem historischen Durchbruch für die Elektromobilität auf zwei Rädern.
Ob sich die Vorteile im Alltag bestätigen, wird maßgeblich von der realen Ladeinfrastruktur und der Haltbarkeit der neuen Batterietechnologie abhängen. Fest steht, dass Verge mit der TS Pro einen neuen technischen Ansatz in die Serienproduktion bringt.

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