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Startseite » KTM trennt sich von Kiska: Eigenes Designzentrum soll neue Ära einleiten
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KTM trennt sich von Kiska: Eigenes Designzentrum soll neue Ära einleiten

By Andreas Denner18 Februar, 2026
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Die Partnerschaft zwischen KTM und der Salzburger Designagentur Kiska war über Jahrzehnte prägend für das Erscheinungsbild der österreichischen Motorradmarke. Jetzt ist die Trennung auf Eigentümerebene vollzogen, und KTM baut ein eigenes Designzentrum auf.
  • KTM gibt alle Anteile an der Designagentur Kiska ab, Loxone übernimmt mit 71 Prozent die Mehrheit
  • Ein neues Inhouse-Designzentrum in Salzburg soll den Gestaltungsprozess künftig näher ans Unternehmen holen
  • Wirklich neues KTM-Design ist laut Branchenbeobachtern frühestens ab 2028 zu erwarten

Was im Innviertel produziert wurde, entstand optisch über viele Jahre hinweg im Salzburger Vorort Anif. Die Designagentur Kiska formte das Erscheinungsbild von KTM über Jahrzehnte hinweg, vom Motorrad über die Bekleidung bis hin zum X-Bow. Dabei handelte es sich nie um eine gewöhnliche Auftraggeber-Dienstleister-Beziehung. KTM war nicht nur Hauptkunde, sondern auch Miteigentümer der Agentur. In der Hochphase hielt die damalige Pierer Mobility AG 50 Prozent der Anteile, zuletzt waren es laut Firmenbuch noch 20 Prozent, mittlerweile gehalten über die in Bajaj Mobility AG umfirmierte Muttergesellschaft. Damit ist es nun vorbei.

KTM gibt alle Anteile an Kiska ab

KTM bestätigte den vollständigen Rückzug aus der Eigentümerstruktur von Kiska. „Im Zuge der Fokussierung auf unser Kerngeschäft im Motorradmarkt und der Straffung unseres Produktportfolios holen wir den Gestaltungsprozess unserer Motorräder noch näher ans Unternehmen. Wir bauen ein neues Designzentrum auf, das unser Innovations-Know-how im Unternehmen bündelt. Dieses wird räumlich getrennt vom Entwicklungszentrum in Mattighofen an Produktinnovationen arbeiten“, so der Motorradhersteller. Die Zusammenarbeit mit Kiska und anderen externen Designstudios solle für einen breiten Ideenaustausch aber weiter bestehen bleiben.

Auch Kiska-Geschäftsführer Julian Herget bestätigte die Trennung auf Eigentümerebene. Nach der Rückübernahme der letzten verbliebenen Anteile agiere das Unternehmen aus Anif wieder vollständig eigenständig. Gleichzeitig betonte Herget, dass die projektbezogene Zusammenarbeit weiterlaufe: „Es gibt eine mehrjährige Vereinbarung, die KTM den Zugriff auf die Ressourcen sichert und uns den Umsatz.“

Loxone übernimmt die Mehrheit an Kiska

Die bisherigen KTM-Anteile gehen an das Mühlviertler Technologieunternehmen Loxone mit Sitz in Kollerschlag. Loxone hält künftig 71 Prozent an Kiska, die restlichen 29 Prozent verbleiben bei der Geschäftsführung und dem Management der Agentur.

Die Verbindung zwischen Loxone und Kiska ist nicht neu. Bereits im Zuge der KTM-Insolvenz sprang das Technologieunternehmen mit einer Kapitalspritze in Höhe von fünf Millionen Euro (circa 5,25 Millionen US-Dollar) ein, als die Aufträge des Motorradherstellers für die Salzburger Agentur massiv einbrachen. Ohne diese Rettung wäre die Lage für Kiska wohl deutlich schwieriger geworden.

KTM-Insolvenz traf Kiska hart

Die große Abhängigkeit von einem einzigen Hauptkunden erwies sich für Kiska als problematisch. Geschäftsführer Herget formulierte es deutlich: „Die große Abhängigkeit von KTM war für Kiska ungesund.“ Im Zuge der KTM-Insolvenz mussten 42 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Aktuell beschäftigt die Agentur 160 Personen, und einige der damals gekündigten Kollegen sollen inzwischen zurückgekehrt sein.

Die wirtschaftlichen Folgen schlugen sich auch in den Zahlen nieder. Das Geschäftsjahr 2024/2025, das im März 2025 endete, wurde mit einem Fehlbetrag von 4,6 Millionen Euro (circa 4,83 Millionen US-Dollar) abgeschlossen. Der Umsatz lag bei 26 Millionen Euro (circa 27,3 Millionen US-Dollar). Rund 3,5 Millionen Euro (circa 3,68 Millionen US-Dollar) an Forderungen, etwa 70 Prozent der offenen Beträge, mussten aufgrund der KTM-Insolvenz abgeschrieben werden.

Kiska setzt auf Diversifikation und neue Kunden

Aus den Erfahrungen der Krise hat Kiska Konsequenzen gezogen. Herget machte klar: „Wir werden uns nie wieder von einem Kunden abhängig machen.“ Der Fokus liege weiterhin auf dem Zwei- und Vierradbereich, allerdings mit einer deutlich internationaleren Ausrichtung in Richtung Asien und USA.

Zu den neuen Kunden zählen laut Angaben der Agentur unter anderem die chinesische AIMA Technology Group im Bereich E-Bikes und Elektroroller, drei neue Anbieter im Motorrad- und Premium-E-Scooter-Segment in Indien und China, ein führender Powersport-Anbieter in den USA sowie ein namhafter Kunde aus dem Bereich Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus verantwortet Kiska den Relaunch der Traditionsmarke Weck und die Neuentwicklung der Marke Vitrea aus dem Rehabilitationssektor. Auch für Mehrheitsgesellschafter Loxone ist die Agentur im Bereich Marken- und Designentwicklung tätig.

Für das Geschäftsjahr 2026/2027 plant Kiska ein Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent. Zudem sollen zehn neue Mitarbeiter eingestellt werden, was als Bekenntnis zum Standort Anif verstanden werden kann.

Neues Designzentrum in Salzburg geplant

Das neue Inhouse-Designzentrum von KTM soll nicht am Stammsitz in Mattighofen entstehen, sondern in oder bei Salzburg, also in räumlicher Nähe zum bisherigen Partner Kiska. Von dort aus soll künftig der gesamte Gestaltungsprozess für die KTM-Modelle gesteuert werden. Hinter der Neuausrichtung steht der indische Bajaj-Konzern, der die Führung bei KTM übernommen hat und die Strukturen des Unternehmens neu ordnet.

Wann kommt eine neue Designsprache?

Die Frage, die viele Motorradfahrer beschäftigt, ist naheliegend: Löst sich KTM mit der Trennung von Kiska auch vom markanten, kantigen Design, das über Jahre hinweg die Marke geprägt hat? Kiska formte die aggressive, polarisierende Linienführung, die von vielen als Ausdruck der Ready-to-Race-DNA gesehen wurde, von anderen wiederum als bewusst provokant empfunden wurde.

Kurzfristig dürfte sich optisch wenig ändern. Die Entwicklungszeiträume für neue Modelle oder Facelifts erstrecken sich bei allen Fahrzeugherstellern über mehrere Jahre. Die projektbezogene Zusammenarbeit zwischen KTM und Kiska ist zudem noch nicht vollständig abgeschlossen. Das neue KTM-Gesicht mit offen umrahmten LED-Scheinwerfern, das noch von Kiska-Designern entworfen wurde, soll mittelfristig auf weitere Modelle übertragen werden.

Erste farbliche Veränderungen sind beim aktuellen Modelljahrgang 2026 allerdings bereits erkennbar. Statt des dominierenden Orange präsentieren sich einige Modelle in Schwarz, Weiß und Blau. Orange soll bis auf Weiteres als sogenannte Lead Colour erhalten bleiben, die Palette wird aber erkennbar erweitert. Wirklich neues, vollständig intern entwickeltes KTM-Design ist frühestens ab 2028 zu erwarten. In ähnlicher Form gilt das auch für die zum KTM-Konzern gehörenden Marken Husqvarna und GasGas, deren Fortführung vorausgesetzt.

Strukturelle Trennung vollzogen, Zusammenarbeit läuft weiter

Die Eigentümerbeziehung zwischen KTM und Kiska ist Geschichte. Die Zusammenarbeit auf Projektbasis soll jedoch vorerst weiterlaufen. Für Kiska bedeutet der Schritt mehr Unabhängigkeit und die Chance, sich breiter aufzustellen. Für KTM beginnt mit dem eigenen Designzentrum ein neues Kapitel, dessen Ergebnisse allerdings erst in einigen Jahren auf der Straße sichtbar werden dürften.

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Andreas Denner
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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich.

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