- Yamaha setzt 2026 erstmals vollständig auf einen V4-Motor in der MotoGP
- Saison wird intern in eine Lernphase und eine Leistungsphase unterteilt
- Das V4-Projekt gilt gleichzeitig als Basis für das Reglement ab 2027
Nach mehr als zwei Jahrzehnten verabschiedet sich Yamaha vom Reihenvierzylinder und richtet das gesamte MotoGP-Projekt neu aus. Die Saison 2026 markiert dabei keinen kurzfristigen Befreiungsschlag, sondern einen Übergang, in dem Entwicklung, Datensammlung und Grundlagenarbeit im Vordergrund stehen. Entsprechend vorsichtig fallen die Erwartungen aus, sowohl bei den Verantwortlichen als auch bei den Fahrern.
Technischer Neustart mit weitreichenden Folgen
Mit dem Wechsel auf den V4-Motor verändert sich nicht nur das Triebwerk, sondern die komplette Architektur der Yamaha M1. Rahmenlayout, Gewichtsverteilung, Aerodynamik und Abgasanlage mussten neu gedacht werden. Yamaha spricht offen davon, dass es sich um ein vollständig neues Motorrad handelt.
Technikchef Takahiro Sumi betont, dass der Fokus zunächst auf einem größeren Arbeitsfenster liegt. Erste Tests sollen bereits Fortschritte bei der Stabilität beim Anbremsen und Beschleunigen gezeigt haben. Gleichzeitig räumt Yamaha ein, dass einzelne Stärken des bisherigen Reihenvierzylinders noch nicht vollständig erreicht werden. Das dort gewonnene Wissen soll nun schrittweise in die neue Plattform integriert werden.
Aerodynamik und Abgasanlage im Wandel
Ein sichtbares Zeichen des Umbruchs ist die neue Aerodynamik. Yamaha verabschiedet sich vom markanten Flügeldesign der Vergangenheit und orientiert sich stärker an Lösungen, die im restlichen MotoGP-Feld verbreitet sind. Laut Teammanagement handelt es sich bei der präsentierten Version jedoch nicht um den finalen Stand. Für die Tests in Sepang ist bereits eine weiterentwickelte Aero-Spezifikation vorgesehen, die im Windkanal deutlich bessere Ergebnisse gezeigt haben soll.
Auch die Abgasanlage ist eine direkte Folge des neuen Motorkonzepts. Der V4 erfordert zwei Schalldämpfer. Diese Konfiguration stellt zunächst nur die erste Entwicklungsstufe dar. Eine weitere Evolutionsstufe soll im Saisonverlauf folgen, das Grundlayout bleibt jedoch vorerst bestehen.

Testprogramm als Schlüsselphase
Als einziger Hersteller im Concession-Rang D darf Yamaha 2026 umfangreich testen. Das Winterprogramm beginnt mit dem Shakedown in Sepang, an dem auch die Stammfahrer teilnehmen dürfen, gefolgt vom offiziellen Test sowie weiteren Testtagen in Buriram.
Teammanager Massimo Meregalli spricht von einer langen Liste an neuen Teilen, die bewertet werden müssen. Ziel ist es, möglichst früh eine stabile Basisabstimmung zu finden. Erst danach soll der Fokus stärker auf reine Performance gelegt werden. Entsprechend hofft Yamaha auf mehrere trockene Testtage, um aussagekräftige Daten zu sammeln.
Fahrer zwischen Geduld und Erwartungsdruck
Fabio Quartararo macht keinen Hehl daraus, dass der neue Motor bisher noch nicht am Limit bewegt wurde. In den bisherigen Tests stand das Ausprobieren im Vordergrund, nicht die Jagd nach Rundenzeiten. Erst in Sepang soll erstmals gezielt auf maximale Performance hingearbeitet werden.
Der Franzose geht davon aus, dass er keinen klassischen Lernprozess benötigt, räumt aber ein, dass sich sein Fahrstil anpassen wird. Entscheidend sei zunächst, das Limit des neuen Pakets zu verstehen. Gleichzeitig ist klar, dass die Saison 2026 auch mit Blick auf seine Zukunft eine Schlüsselrolle spielt, da sein Vertrag am Jahresende ausläuft.
Teamkollege Alex Rins steht ebenfalls unter Druck. Nach schwierigen Jahren muss 2026 eine klare Leistungssteigerung her. Rins zeigt sich nach außen gelassen, spricht aber offen davon, dass noch viel Arbeit vor dem Team liegt.
Saison 2026 in zwei Phasen gedacht
Yamaha selbst teilt das Jahr intern in zwei Abschnitte. In der ersten Saisonhälfte geht es primär darum, das neue Motorrad zu verstehen und konstant weiterzuentwickeln. In der zweiten Hälfte erwartet das Management sichtbare Fortschritte und bessere Resultate, auch wenn niemand einen konkreten Zeitpunkt nennt.
Motorsportchef Paolo Pavesio warnt vor überzogenen Erwartungen. In der MotoGP gebe es keine Abkürzungen, sondern nur einen Entwicklungsweg. Der V4 soll mehr Potenzial bieten als das bisherige Motorrad, dieses Potenzial müsse jedoch Schritt für Schritt freigelegt werden.

Blick Richtung 2027
Über 2026 hinaus ist der V4 bereits als Fundament für das kommende Reglement ausgelegt. Ab 2027 wird mit 850 statt 1000 Kubikzentimetern gefahren, zudem stehen weitere technische Änderungen an. Yamaha sieht den jetzigen Umbruch daher als doppelte Investition: kurzfristig, um wieder näher an die Konkurrenz heranzurücken, und langfristig, um für die nächste MotoGP-Ära gerüstet zu sein.
Ob dieser Weg ausreicht, um Yamaha sportlich zurück an die Spitze zu führen und Schlüsselpersonen wie Quartararo langfristig zu binden, wird sich nicht an einzelnen Ergebnissen messen lassen. Die Saison 2026 soll vor allem zeigen, ob die Richtung stimmt.
Was bedeutet das für mich als MotoGP-Fan?
Für MotoGP-Fans heißt Yamahas V4-Neustart vor allem eines: Geduld, aber auch neue Spannung. 2026 wird voraussichtlich keine Saison, in der Yamaha von Beginn an um Siege kämpft, sondern eine, in der Fortschritte, Rückschläge und Lernschritte besonders sichtbar sind. Das kann Rennen unberechenbarer machen, weil nicht nur Platzierungen zählen, sondern auch die Entwicklung von Wochenende zu Wochenende. Wer Yamaha verfolgt, schaut weniger auf Tabellenstände und mehr darauf, ob das Motorrad stabiler wirkt, im Rennen konstanter wird und die Fahrer näher an die Spitze heranrücken. Gleichzeitig steht mit Fabio Quartararos Zukunft eine zusätzliche Ebene im Raum, die jedes starke oder schwache Wochenende emotional auflädt. Kurz gesagt: weniger sofortiger Erfolg, dafür mehr Technikstory, mehr Kontext und eine Saison, in der Entwicklungen fast so spannend sein können wie Ergebnisse.

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