Unruhe hinter den Kulissen
Seit der Gründung hat Damon zahlreiche Veränderungen durchgemacht. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Produktionsstandort, durchlief unkommunizierte Entlassungswellen und verlor wichtige Führungskräfte. Einer der Mitbegründer, Dominique Kwong, verließ 2023 das Unternehmen, kehrte aber im Dezember 2024 zurück und übernahm die CEO-Position von Jay Giraud. Zuletzt folgte der Abgang von Chief Technology Officer (CTO) Derek Dorresteyn im Februar 2025. Dorresteyn, zuvor leitender Ingenieur bei Alta Motors, war eine zentrale Figur in der technischen Entwicklung von Damon. Sein Abschied wirft erneut Fragen zur Zukunft des Unternehmens auf.
In einem LinkedIn-Post verabschiedete sich Dorresteyn mit den Worten:
„Es war eine unglaubliche Reise, mit dem talentierten Team von Damon Motors an der Entwicklung der revolutionären HyperSport und der bahnbrechenden HyperDrive-Plattform zu arbeiten. Wir haben mehr als 40 Patente angemeldet und eine EV-Motorradplattform geschaffen, die Reichweite, Leistung und Kosten grundlegend verändert.“
Während sein Beitrag optimistisch klang, bleibt unklar, ob das Unternehmen in der Lage sein wird, die geplanten Motorräder jemals auf die Straße zu bringen.
Produktionsprobleme und fehlende Transparenz
Ein weiteres Problem ist die fehlende Klarheit über die Produktion. Ursprünglich sollte die Fertigung in Vancouver, Kanada, erfolgen. Doch die Pläne änderten sich mehrfach. In einem Reddit-Post erklärte der damalige CEO Giraud, dass die kanadische Produktionsstätte zu teuer sei und man stattdessen in Kalifornien produzieren werde. Diese Änderung wurde nicht in einer offiziellen Pressemitteilung kommuniziert, sondern nur beiläufig erwähnt. Zudem wurde ein Video von der angeblichen Fabrik aus dem Internet entfernt.
Diese Unsicherheiten haben offenbar auch den Produktionszeitplan beeinflusst. Ursprünglich war der Marktstart für 2021 geplant. Später wurde der Termin auf 2024 verschoben. Noch im August 2024 erklärte Giraud gegenüber Wired, dass die Produktion Anfang 2025 beginnen und bis Ende des Jahres etwa 1.000 Motorräder ausgeliefert werden sollten. Doch mittlerweile gibt das Unternehmen selbst 2026 als neue Zielmarke an.
Ein Motorrad, das kaum jemand gefahren ist
Damon hatte in der Vergangenheit immer wieder funktionierende Prototypen gezeigt, doch nur wenige Menschen konnten sie tatsächlich testen. Der Journalist Tim Stevens hatte die Gelegenheit, eine HyperSport auf der Rennstrecke Thunderhill Raceway zu fahren. Allerdings fehlten dem Prototypen viele der angekündigten Features.
„Mein größter Kritikpunkt war, dass ich keine der versprochenen Assistenzsysteme testen konnte. Die Maschine hatte nicht einmal eine grundlegende Traktionskontrolle, was mich bei so viel Leistung und einer Rennstrecke eher vorsichtig fahren ließ. Auch das System zur Anpassung der Sitzposition war nicht an Bord,“ sagte Stevens.
Noch bemerkenswerter: Laut Stevens verwendete das Motorrad Bedienelemente einer BMW S1000RR. Solche Leihteile sind in frühen Prototypen nicht ungewöhnlich, werfen aber Fragen auf, wenn ein Motorrad angeblich kurz vor der Serienproduktion steht.
Finanzielle Schwierigkeiten und sinkender Aktienkurs
Um die Finanzlage von Damon steht es ebenfalls nicht gut. Das Unternehmen ging Ende 2024 an die Börse, doch der Aktienkurs ist seitdem um 80 % gefallen. Investoren scheinen das Vertrauen in die Pläne der Firma zu verlieren. Ein ehemaliger Mitarbeiter erklärte gegenüber RideApart, dass die Produktion ohne eine erhebliche Finanzspritze kaum möglich sei.
„Wird Damon Motorräder an mich und andere Vorbesteller ausliefern? Alles ist möglich, aber unter den aktuellen Umständen halte ich die Chancen für gering.“
Während das Unternehmen weiter betont, dass die Entwicklung voranschreite und spannende Zeiten bevorstünden, bleibt die Realität ernüchternd. Der einstige Traum von einer bahnbrechenden Elektromotorrad-Marke könnte langsam verblassen – und für viele Kunden bedeutet das möglicherweise, dass sie ihre bestellten Maschinen niemals erhalten werden.
[amazon bestseller=“Motorrad sicherheit“ items=“3″]








