- Blutstillung durch Gelbildung in etwa einer Sekunde
- Entwickelt für Gefechts und Notfallsituationen
- Pulver absorbiert mehr als das Siebenfache seines Eigengewichts an Blut
Schwere Blutungen gelten weltweit als eine der häufigsten Ursachen vermeidbarer Todesfälle, insbesondere dann, wenn medizinische Versorgung nicht sofort verfügbar ist. Genau an diesem Punkt setzt eine neue Entwicklung aus Südkorea an, die derzeit vor allem für militärische Einsätze gedacht ist, langfristig aber auch außerhalb des Gefechtsfelds Anwendung finden könnte.

Militärischer Hintergrund prägt die Entwicklung
Das Sprühpulver wurde von einem Forschungsteam der Korea Advanced Institute of Science and Technology entwickelt. An dem Projekt waren Materialwissenschaftler, Bioingenieure sowie ein aktiver Offizier der südkoreanischen Armee beteiligt. Ziel war es, eine Lösung für Situationen zu schaffen, in denen klassische Methoden wie Druckverbände oder Tamponaden kaum oder gar nicht anwendbar sind.
Aus militärischer Sicht ist die Zeit unmittelbar nach einer Verletzung entscheidend. Untersuchungen zeigen, dass viele potenziell überlebensfähige Verwundete nicht an der Verletzung selbst sterben, sondern an unkontrolliertem Blutverlust, bevor medizinische Hilfe greift. Entsprechend lag der Fokus auf maximaler Geschwindigkeit und einfacher Anwendung unter widrigen Bedingungen.
Funktionsweise des Sprühpulvers
Das Produkt trägt die Bezeichnung AGCL, abgeleitet von seinen Hauptbestandteilen. Es handelt sich um ein feines Pulver, das direkt auf die Wunde gesprüht wird. Beim Kontakt mit Blut reagiert das Material mit positiv geladenen Ionen wie Kalzium und verwandelt sich innerhalb von etwa einer Sekunde in ein fest haftendes Hydrogel.
Die Zusammensetzung basiert auf drei natürlichen Substanzen:
- Alginate, gewonnen aus Braunalgen
- Gellan Gum, ein durch Fermentation hergestelltes Verdickungsmittel
- Chitosan, das aus den Strukturen von Krebstieren, Insekten oder Pilzen stammt
Alginate und Gellan Gum sorgen für die extrem schnelle Gelbildung, während Chitosan durch seine positive Ladung rote Blutkörperchen und Blutplättchen bindet und so die Gerinnung unterstützt. Das entstehende Gel bildet eine dreidimensionale Barriere, die sich auch unregelmäßigen und tiefen Wunden anpasst.

Belastbarkeit und Heilungseffekte
Laut den vorliegenden Testergebnissen kann das Gel mehr als das Siebenfache seines Eigengewichts an Blut aufnehmen und bleibt dabei stabil. Es soll auch unter hohem Druck, bei Hitze sowie bei hoher Luftfeuchtigkeit zuverlässig funktionieren. Die Lagerfähigkeit wird mit bis zu zwei Jahren bei Raumtemperatur angegeben.
In präklinischen Tests, unter anderem an schweren inneren Verletzungen wie Leberwunden bei Tieren, zeigte das Pulver eine deutlich verkürzte Blutungszeit im Vergleich zu herkömmlichen blutstillenden Mitteln. Zusätzlich beobachteten die Forscher eine normale Gewebeheilung, inklusive Neubildung von Blutgefäßen und Kollagen. Die Zellverträglichkeit lag dabei laut Angaben bei über 99 Prozent.
Ein Mitglied des Forschungsteams beschreibt die Motivation hinter dem Projekt so:
„The core of modern warfare is minimizing the loss of human life.“
„Der Kern moderner Kriegsführung ist die Minimierung menschlicher Verluste.“
Mögliche Bedeutung für zivile Anwendungen
Auch wenn AGCL derzeit noch nicht für den allgemeinen klinischen Einsatz zugelassen ist, sehen die Entwickler ein breites Anwendungspotenzial. Neben dem Militär kommen Notfalldienste, Rettungskräfte, Krankenhäuser oder abgelegene medizinische Einrichtungen in Betracht. Überall dort, wo schwere Blutungen schnell und ohne komplexe Ausrüstung gestoppt werden müssen, könnte ein solches System Vorteile bieten.
Bis zu einer möglichen zivilen Nutzung stehen jedoch noch regulatorische Prüfungen, weitere Studien sowie Fragen der Serienproduktion und Kosten im Raum. Die Entwickler betonen selbst, dass es sich um eine Technologie handelt, die sich noch auf dem Weg aus dem Labor in die Praxis befindet.
Einordnung
Die Geschichte zeigt, dass viele heute selbstverständliche Technologien ihren Ursprung im militärischen Bereich haben. Auch dieses Sprühpulver folgt diesem Muster. Ob und wann es den Weg in zivile Erste Hilfe Sets oder den Rettungsdienst findet, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass der Ansatz der extrem schnellen inneren Wundversiegelung das Potenzial hat, bestehende Konzepte der Blutstillung grundlegend zu ergänzen.
Was bedeutet das für mich als Motorradfahrer?
Für Motorradfahrer unterstreicht diese Entwicklung vor allem, wie entscheidend schnelle Blutstillung nach einem Unfall ist. Gerade bei Offroad Einsätzen, Endurotouren oder Reisen abseits befestigter Straßen kann professionelle Hilfe oft nicht sofort vor Ort sein. Tiefe Schnittverletzungen durch Metallteile, scharfkantige Steine oder gebrochene Bauteile gehören zu den realistischen Unfallfolgen. Ein System, das Blutungen nahezu sofort stoppen kann, würde in solchen Situationen wertvolle Zeit verschaffen und die Überlebenschancen deutlich erhöhen. Auch wenn das beschriebene Sprühpulver derzeit noch nicht für den zivilen Einsatz verfügbar ist, zeigt die Entwicklung klar, in welche Richtung sich moderne Erste Hilfe Konzepte bewegen. Für Motorradfahrer bedeutet das langfristig, dass zukünftige Notfallausrüstung kompakter, schneller einsetzbar und wirkungsvoller werden könnte als klassische Verbände oder Druckauflagen.

- Sonax Lederpflege Premium Class, Set 7-teilig, für Glattleder, mit UV-Schutz, 3 x 250mlGrundpreis: € 67,99 / l








