Auswirkungen der Insolvenz auf die Lieferketten
Seit Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit Ende November 2024 haben viele Zulieferer die Belieferung eingestellt. Trotz einer zugesicherten Rückzahlung von 30 Prozent der Verbindlichkeiten konnte KTM das Vertrauen vieler Partner bislang nicht zurückgewinnen. Lediglich Lagerbestände reichten aus, um eine Produktion für rund 4.200 Motorräder zwischen März und April 2025 aufrechtzuerhalten. Nun fehlen entscheidende Bauteile, um den Fertigungsprozess fortzusetzen.
Kurzarbeit statt Entlassungen
Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, hat KTM eine Betriebsvereinbarung getroffen: Von 1. Mai bis 31. Juli 2025 arbeiten rund 3.000 Mitarbeitende in Kurzarbeit. Die Wochenarbeitszeit wird auf 30 Stunden reduziert, das Gehalt entsprechend um etwa 20 Prozent angepasst. Während Angestellte in einem Vier-Tage-Modell tätig sind, bleiben Facharbeiter zu Hause, erhalten aber weiterhin das reduzierte Entgelt.
Finanzierungslücke von 600 Millionen Euro
Die Zukunft von KTM hängt von der Erfüllung des Sanierungsplans ab, der eine Zahlung von rund 600 Millionen Euro (€ 600 Mio. ≈ $640 Mio.) bis zum 23. Mai 2025 vorsieht. Ohne diese Summe droht eine Zerschlagung des Konzerns. Ursprünglich sollte eine Kapitalerhöhung über 350 Millionen Euro (€ 350 Mio. ≈ $373 Mio.) beschlossen werden. Geplant war eine Kombination aus Barkapitalerhöhung und Sachkapitalerhöhung mit einem Ausgabepreis von € 7,50 ($8) je Aktie.
Geplatzte Kapitalerhöhung
Kurz vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. April 2025 musste die Pierer Mobility AG überraschend verkünden, dass die geplanten Maßnahmen nicht wie vorgesehen umgesetzt werden können. Die Gespräche mit Investoren gestalten sich schwieriger als erhofft, sodass die Tagesordnungspunkte zur Kapitalerhöhung gestrichen wurden. Stattdessen arbeitet die Pierer Mobility AG nun gemeinsam mit der Hauptaktionärin Pierer Bajaj AG an alternativen Lösungen.
Veröffentlichung des Jahresabschlusses verschoben
Die angespannte Lage wirkt sich auch auf die Finanzberichterstattung aus: Die Veröffentlichung des Jahresfinanzberichts 2024 wird auf Ende Mai 2025 verschoben. Hintergrund ist die sogenannte Going-Concern-Annahme – also die Voraussetzung, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit fortbestehen kann. Ohne verbindliche Finanzierungszusagen wäre eine Bilanzierung nur zu Zerschlagungswerten möglich.
Hoffnung auf Neubeginn im August
Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich KTM vorsichtig optimistisch. Sollte die Finanzierungslücke geschlossen werden und die fehlenden Bauteile eintreffen, soll ab Ende Juli 2025 die Produktion auf allen vier Fertigungslinien im Ein-Schicht-Betrieb wieder anlaufen. Damit könnte das Unternehmen versuchen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen und den Fortbestand zu sichern.
Fazit
Die Lage bei KTM bleibt angespannt. Der erneute Produktionsstopp, die schwierige Investorensuche und die Verzögerung beim Jahresabschluss zeigen: Der Weg aus der Krise wird länger und steiniger als zunächst erhofft. Ob der traditionsreiche Motorradhersteller seine Sanierung erfolgreich abschließen kann, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
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