- Yamaha stellt den Testbetrieb wegen eines V4-Motorproblems komplett ein
- Honda fährt mit Joan Mir die Tagesbestzeit
- Regen verhindert am Nachmittag aussagekräftige Vergleichsfahrten
Nach einem ohnehin ereignisreichen Auftakt entwickelte sich der Mittwoch in Sepang zu einem Testtag mit klaren Gegensätzen. Auf der einen Seite stand das komplette Stillstehen des Yamaha-Programms, auf der anderen eine Honda, die mit der neuen RC213V ein deutliches Lebenszeichen sendete. KTM, Aprilia und Ducati nutzten den Tag vor allem für Detailarbeit, während Wetter und Streckenentwicklung schnelle Analysen erschwerten.

Yamaha: V4-Motor zwingt das gesamte Team zum Zuschauen
Für Yamaha entwickelte sich der Sepang-Test zu einem herben Rückschlag. Nach dem Sturz von Fabio Quartararo am Dienstag, bei dem er sich Abschürfungen sowie einen Fingerbruch zuzog, rückte ein technisches Problem in den Mittelpunkt. Bereits bei einer Ausfahrt nach seinem Sturz musste Quartararo mit der neuen M1 ausrollen. Die anschließende Analyse offenbarte ein Problem am neuen V4-Motor.
Da die Ursache nicht eindeutig identifiziert werden konnte, entschied sich Yamaha aus Sicherheitsgründen, den gesamten Mittwoch nicht zu fahren. Alex Rins, Jack Miller, Toprak Razgatlioglu sowie die Testfahrer Augusto Fernandez und Andrea Dovizioso blieben geschlossen in der Box. Auch am Abend war noch offen, ob eine Rückkehr auf die Strecke am Donnerstag möglich sein würde.
Technikdirektor Massimo Bartolini erklärte, man habe zwar eine Vermutung, benötige aber Bestätigung aus der Yamaha-Zentrale in Japan sowie von der Technikabteilung in Italien. Erst wenn klar sei, wodurch das Problem ausgelöst wurde, könne entschieden werden, ob der Testbetrieb wieder aufgenommen werden darf. Für Yamaha ist der Ausfall besonders schmerzhaft, da es sich um ein komplett neues Motorrad ohne belastbare Referenzdaten handelt.
Hinzu kommt, dass das bisherige Fahrerfeedback zur V4-M1 verhalten ausfiel. Das Kurvenverhalten soll noch klar hinter dem bisherigen Reihenvierzylinder liegen, und auf der Geraden war Yamaha bislang das langsamste Motorrad im Feld. Der schnellste gemessene Wert lag bei 335,4 km/h, während Ducati und KTM bei rund 345,0 km/h notiert wurden.
Honda: Bestzeit als Signal, aber mit Einschränkungen
Im Kontrast zum Yamaha-Drama stand Honda im Rampenlicht. Joan Mir fuhr am Vormittag in 1:56,874 Minuten die schnellste Runde des Tages und setzte damit ein deutliches Ausrufezeichen. Es war zugleich die schnellste jemals mit einer Honda in Sepang gefahrene Runde und die erste Bestzeit des Herstellers in einer Testsession seit 2022.
Mir zeigte sich mit dem aktuellen Paket der RC213V zufrieden und sprach vom besten Motorrad, das er seit seinem Wechsel zu Honda gefahren sei. Gleichzeitig bremste er die Erwartungen. Die Runde entstand mit einem weichen Reifen bei idealen Bedingungen, später verhinderte Regen weitere Verbesserungen. Zudem bleibt ein bekanntes Problem bestehen: der mangelnde Grip am Hinterrad, der Honda bereits in den vergangenen Jahren begleitet hat.
Technikdirektor Romano Albesiano sprach von moderater Zufriedenheit und betonte, dass die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Motorrads erst am letzten Testtag klarer zu bewerten sei.

KTM: Fortschritte bei Fahrbarkeit und Aerodynamik
Bei KTM zog Pedro Acosta ein insgesamt positives Fazit. Der Spanier berichtete, dass sich die RC16 nun etwas leichter fahren lasse. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein deutlicher Fortschritt, nachdem er beim Sepang-Test 2025 mehrfach gestürzt war. Damals waren es laut eigener Aussage fünf Stürze im Test und weitere am Rennwochenende.
Am Mittwoch lag Acosta auf Rang vier und konzentrierte sich vor allem auf Aerodynamiktests. Bereits am Vortag standen Chassis-Varianten im Fokus. Neue Aero-Teile, ein überarbeiteter Rahmen und eine neue Schwinge wurden erstmals erprobt. Aussagen zur Reifenhaltbarkeit wollte Acosta noch nicht treffen, da längere Runs bislang kaum möglich waren. Eine verlässliche Einschätzung soll erst folgen.
Aprilia: Solide Basis, aber Vorsicht bei der Streckenentwicklung
Marco Bezzecchi zeigte sich mit dem bisherigen Verlauf des Tests zufrieden. Die RS-GP hinterlasse einen stabilen Eindruck, auch wenn keine spektakulären Rundenzeiten erzielt wurden. Bezzecchi verwies darauf, dass sich die Strecke im Verlauf des Shakedowns und des offiziellen Tests stark verbessert habe. Deshalb müsse genau analysiert werden, welcher Teil der Performance tatsächlich vom Motorrad stamme und welcher vom steigenden Gripniveau.
Aprilia konzentrierte sich darauf, eine saubere Basisabstimmung zu finden, statt gezielt auf eine schnelle Runde zu gehen. Es gebe mehrere Bereiche mit Entwicklungspotenzial, jedoch keinen einzelnen dominanten Schwachpunkt. Entscheidend sei es, weitere Kilometer zu sammeln und Daten auszuwerten.
Ducati: Komplexe Aero-Entscheidungen vor der Homologation
Auch bei Ducati stand weniger die Zeitenjagd im Vordergrund. Marc Marquez arbeitete ein umfangreiches Aerodynamikprogramm ab und testete verschiedene Kombinationen aus Front- und Seitenverkleidungen. Insgesamt sprach er von vier unterschiedlichen Aero-Aspekten, die bewertet werden müssten.
Hintergrund ist die anstehende Homologation des Aeropakets, das ab dem ersten Saisonrennen eingesetzt werden muss. Zwar kann später noch ein Update gebracht werden, doch die Grundentscheidung fällt jetzt. Ducati testete parallel Spezifikationen aus den Jahren 2024 und 2025 sowie eine neue, auffällige Frontverkleidung. Entsprechend komplex gestaltet sich die Entscheidungsfindung für den Hersteller.
Regen als Spielverderber am Nachmittag
Der Nachmittag in Sepang wurde weitgehend vom Regen bestimmt. Viele Teams hatten darauf gesetzt, in kühleren Bedingungen noch Longruns oder Zeitangriffe zu fahren. Stattdessen rückten nur wenige Fahrer für kurze Runs mit Regenreifen aus. Die meisten Piloten beendeten den Tag frühzeitig, was die Aussagekraft der Ergebnisse zusätzlich einschränkte.

Einordnung des zweiten Testtages
Der zweite Testtag in Sepang lieferte weniger harte Antworten als erhofft. Honda sorgte mit der Bestzeit für Aufmerksamkeit, während Yamaha vor einer grundlegenden technischen Herausforderung steht. KTM und Aprilia bestätigten vorsichtigen Optimismus, Ducati arbeitet weiter an der Detailabstimmung. Wie belastbar diese Eindrücke sind, wird sich erst zeigen, wenn alle Hersteller wieder unter vergleichbaren Bedingungen fahren können.
Was bedeutet das für mich als MotoGP-Fan?
Der Sepang-Test zeigt früh, dass die Saison 2026 keine klare Einbahnstraße wird. Yamaha kämpft mit grundlegenden Problemen und könnte zu Beginn weiter hinterherfahren, während Honda offenbar näher an die Spitze gerückt ist, auch wenn noch offene Schwächen bleiben. KTM und Aprilia wirken stabil und entwickeln sich Schritt für Schritt weiter, ohne schon alles preiszugeben. Ducati wiederum scheint weiterhin stark, muss aber erneut komplexe Entscheidungen treffen, die sich erst im Rennbetrieb bewähren müssen. Für MotoGP-Fans bedeutet das vor allem eines: Die Kräfteverhältnisse sind noch nicht festgeschrieben, und gerade zu Saisonbeginn ist mit wechselnden Ergebnissen, Überraschungen und einer engeren Leistungsdichte zu rechnen.

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