- Ab 2027 soll ein MotoGP-Straßenrennen in Adelaide stattfinden
- Phillip Island verliert nach fast 30 Jahren seinen Platz im Kalender
- Acosta sieht Ducati und Aprilia vor dem Saisonstart 2026 klar vorne
Die MotoGP steht vor einem bemerkenswerten Richtungswechsel. Ausgerechnet Straßenrennen, die der Rechteinhaber Dorna Sports über Jahre hinweg kategorisch abgelehnt hatte, sollen nun Teil des WM-Kalenders werden. Gleichzeitig verliert mit Phillip Island eine Rennstrecke ihren Platz, die seit 1997 ununterbrochen im Programm war. Beim Vorsaisontest im thailändischen Buriram sorgte diese Entwicklung für reichlich Gesprächsstoff, und KTM-Pilot Pedro Acosta fand dazu deutliche Worte.

Straßenrennen in der MotoGP: Vom Tabu zum Zukunftsplan
Die Nachricht, dass ab 2027 ein Stadtrennen im australischen Adelaide geplant ist, kam für viele Beobachter überraschend. Die MotoGP Sports Entertainment Group, wie sich der Rechteinhaber seit der Übernahme durch Liberty Media nennt, hatte MotoGP-Rennen auf öffentlichen Straßen zuvor stets kritisch gesehen. Innerhalb kürzester Zeit scheint nun ein Umdenken stattgefunden zu haben.
Pedro Acosta reagierte auf die Pläne zunächst diplomatisch: „Ein Straßenrennen klingt erst einmal ganz okay.“ Dann wurde der Spanier allerdings deutlicher und sprach an, was auch andere im Fahrerlager beschäftigt. Er möge die Isle of Man, erklärte er, aber es sei schon seltsam. Viele Leute hätten diese Art von Meisterschaft früher gehasst.
Damit spielt Acosta auf einen grundlegenden Widerspruch an. Die MotoGP und ihr ehemaliger Rechteinhaber Dorna Sports hatten Straßenrennen wie die Tourist Trophy auf der Isle of Man stets auf Distanz gehalten. Die TT galt als zu gefährlich, zu unkontrollierbar, zu weit entfernt vom modernen Rundstrecken-Motorsport. Dass nun ausgerechnet ein Stadtkurs den Weg in den Kalender finden soll, wirkt vor diesem Hintergrund wie ein bemerkenswerter Sinneswandel. Zu den konkreten Plänen für Adelaide habe Acosta nach eigener Aussage bislang keine Details erhalten.

Phillip Island vor dem Aus: Acosta trauert um einen Klassiker
Deutlich emotionaler äußerte sich der KTM-Werksfahrer zum drohenden Verlust von Phillip Island. Die australische Rennstrecke könnte ihren Platz im Kalender verlieren, nachdem ein geplanter Umzug nach Melbourne offiziell gescheitert ist. Für Acosta ist das schwer nachvollziehbar: „Es ist komisch. Ich finde, wir sollten zwei Klassiker hintereinander haben. Am Ende ist Phillip Island die einzige legendäre Strecke, die noch im Kalender ist. Aus den richtig alten Zeiten. Es ist schon traurig zu sehen, dass sie aus dem Kalender fliegen könnte.“
Die Zahlen unterstreichen die historische Bedeutung der Strecke. Seit 1997 fährt die Motorrad-WM mit Ausnahme der pandemiebedingten Pause ununterbrochen auf Phillip Island, und das Streckenlayout ist seit 1956 nahezu unverändert. Damit gehört der Kurs zu den wenigen verbliebenen Originalstrecken im Kalender. Zwar gilt der TT Circuit in Assen als der älteste fast durchgehend ausgetragene Grand Prix, doch dort wurde der Streckenverlauf im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verändert.
Buriram-Test: Acosta blickt nüchtern auf die Kräfteverhältnisse
Neben der Kalenderdiskussion steht für Acosta in Buriram aber auch die sportliche Vorbereitung im Fokus. Der zweitägige Test ist die letzte Gelegenheit vor dem Saisonauftakt, bei dem in einer Woche die ersten WM-Punkte vergeben werden. Thailand sei ein schwieriges Pflaster für KTM, erklärte Acosta. Im Vorjahr hätten alle vier KTM-Piloten Probleme mit dem Hinterreifen-Management gehabt, und ähnliche Schwierigkeiten könnten sich wiederholen.
Gleichzeitig sieht sich der Spanier besser aufgestellt als noch vor zwölf Monaten. Das Team habe ein funktionierendes Gesamtpaket, und er könne sich im Test voll darauf konzentrieren, schnell zu sein und eine gute Basis für das Reifenmanagement im Rennen zu schaffen.
An der Gesamteinschätzung der Kräfteverhältnisse ändert das allerdings wenig. Acosta ordnete die Lage nüchtern ein und erklärte, dass Ducati und Aprilia im Moment die Meisterschaft anführen würden. Auch Jorge Martin müsse man dazuzählen, denn Aprilia scheine mit seinen Fahrern einen Schritt gemacht zu haben, und Ducati sei noch stärker als zuvor. Die Testdaten stützen diese Einschätzung: Bei den Vorsaisontests in Sepang lagen fünf Ducati in den Top 6 der kombinierten Zeitenliste, wobei Fermin Aldeguer verletzungsbedingt fehlte.
Das Ziel für den Saisonstart fällt entsprechend pragmatisch aus. Man müsse realistisch bleiben und versuche zu überleben, um in guter Form beim Grand Prix von Brasilien anzukommen, so Acosta.

Tradition gegen Kommerz: Die MotoGP am Scheideweg
Die Diskussion um Straßenrennen und den Verlust traditioneller Strecken dürfte die MotoGP noch länger begleiten. Mit Liberty Media als neuem Eigentümer weht ein anderer Wind, und die Umbenennung der Dorna in MotoGP Sports Entertainment Group deutet die Richtung bereits an. Für Fahrer wie Pedro Acosta, die mit Respekt auf die Geschichte des Sports blicken, bleibt der Spagat zwischen Tradition und kommerzieller Neuausrichtung eine Herausforderung. Ob Adelaide ab 2027 tatsächlich zum Erfolgsmodell wird und ob Phillip Island endgültig aus dem Kalender verschwindet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.









