- Carbon Brückenrahmen mit variabler Verwindungssteifigkeit
- Viertakt Einzylindermotor auf Basis Honda CRF450 mit über 50 PS
- Geplanter Einsatz in der Flat Track Weltmeisterschaft ab 2026
Flat Track Racing gilt als eine der technisch wie fahrerisch anspruchsvollsten Disziplinen im Motorradrennsport. Ständig wechselnde Gripverhältnisse, kontrollierte Slides und hohe Belastungen für Material und Fahrer verlangen nach klaren technischen Lösungen. Genau hier setzt die Picasso OMT 450c an.

Schweizer Ingenieursarbeit statt Markenmythos
Hinter dem Projekt steht nicht ein traditionsreicher Motorradhersteller, sondern das Unternehmen Picasso Engineering. Gegründet wurde es von Stefano Picasso, einem Automotive Ingenieur aus dem italienischsprachigen Teil der Schweiz. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Leichtbau, Carbontechnologie und präziser Fahrwerksentwicklung. Neben Projekten im Automobilbereich entstehen dort auch konsequent rennorientierte Zweiradkonzepte.
Die OMT 450 ist dabei kein Designobjekt und auch kein Marketingexperiment. Das Motorrad ist von Beginn an für den harten Renneinsatz konzipiert und soll ab 2026 mit zwei Maschinen in der Flat Track Weltmeisterschaft an den Start gehen. Fahrer wurden bislang nicht benannt.
Carbon Rahmen mit variabler Steifigkeit als zentrales Element
Der technisch entscheidende Baustein der Picasso OMT 450c ist der Carbon Brückenrahmen. Dieser besteht aus unterschiedlich aufgebauten Kohlefaser Laminaten, kombiniert mit gefrästen Verbindungselementen aus hochfester Aluminium Legierung vom Typ Ergal 7075 T6. Durch diese Konstruktion lässt sich die Verwindungssteifigkeit des Rahmens gezielt anpassen.
Im Flat Track ist Rahmenflex ein entscheidender Faktor. Zu hohe Steifigkeit kann das Motorrad nervös machen, zu viel Nachgiebigkeit führt zu unpräzisem Fahrverhalten. Der Ansatz von Picasso Engineering soll es ermöglichen, den Rahmen auf Strecke, Untergrund, Gripniveau und Fahrstil abzustimmen, ohne auf Notlösungen über Fahrwerkskomponenten zurückzugreifen.

Motorbasis von Honda als bewusste Entscheidung
Angetrieben wird die OMT 450c von einem Viertakt Einzylindermotor auf Basis der Honda CRF450. Der Motor verfügt über Titanventile, dreht fünfstellig und kommt auf über 50 PS, umgerechnet über 37 kW. Eine konkrete Drehzahl zur Maximalleistung wurde nicht genannt.
Im Flat Track zählt weniger die Spitzenleistung als vielmehr eine kontrollierbare, gut dosierbare Kraftentfaltung. Der bewährte Honda Antrieb gilt als zuverlässig und gut beherrschbar, was es dem Entwicklerteam ermöglicht, den Fokus klar auf das Fahrwerk und den Leichtbau zu legen.
Gewicht, Aufbau und Rennfokus
Offizielle Gewichtsangaben liegen bislang nicht vor. Im gezeigten Renntrim dürfte die Picasso OMT 450c jedoch kaum mehr als rund 100 kg wiegen, was etwa 220 lbs entspricht. Damit bewegt sich das Motorrad auf dem Niveau vergleichbarer Sportenduros, von denen der Motor stammt.
Typisch für Flat Track verzichtet die OMT 450c auf eine Vorderradbremse. Die Fahrwerkskomponenten sind speziell für den Einsatz auf Dirt Ovals ausgelegt, nicht für Sprünge oder grobes Gelände. Die Verkleidung fällt minimalistisch aus und dient in erster Linie der Funktion, der Haltbarkeit und der Bewegungsfreiheit des Fahrers.
Rennversion und mögliche Straßenversion
Die aktuell vorgestellte Version trägt die Bezeichnung OMT 450c, wobei das c für competition steht. Parallel dazu soll es Planungen für eine OMT 450s Stradale geben. Diese Variante soll angeblich über Straßenzulassung, Beleuchtung und eine Euro 5+ Homologation verfügen. Konkrete technische Daten oder ein Zeitplan liegen hierzu nicht vor.
Zunächst steht jedoch der geplante Renneinsatz der OMT 450c im Fokus. Erst danach dürfte sich zeigen, ob und in welcher Form eine Kleinserie für Kunden realisiert wird.

Ausblick auf 2026 und offene Fragen
Ob die Picasso OMT 450c tatsächlich zur Saison 2026 in der Flat Track Weltmeisterschaft antritt, bleibt abzuwarten. Ebenso offen sind Angaben zu einer möglichen Serienproduktion und zu Preisen, die im Fall einer Carbon Konstruktion dieser Art voraussichtlich hoch ausfallen dürften.
Fest steht, dass Picasso Engineering mit diesem Projekt einen technisch ungewöhnlichen Weg geht. Ob der verstellbare Carbon Rahmen im harten Rennalltag überzeugt, wird sich nicht auf dem Papier, sondern ausschließlich auf der Strecke zeigen.
Was bedeutet das für mich als Motorradfahrer?
Für den normalen Motorradfahrer hat die Picasso OMT 450c zunächst keinen direkten praktischen Nutzen, da es sich um ein reines Rennsportprojekt handelt. Interessant ist das Motorrad vor allem als technischer Vorreiter: Der Ansatz eines gezielt einstellbaren Rahmenflexes zeigt, wie intensiv Fahrwerksabstimmung jenseits von Federung und Geometrie gedacht werden kann. Sollte sich das Konzept im Rennbetrieb bewähren, könnten solche Ideen langfristig auch in andere Motorradkategorien einfließen. Kurzfristig bleibt die OMT 450c jedoch ein Spezialwerkzeug für den Wettbewerb und ein Beispiel dafür, wie weit Ingenieure gehen, um Traktion, Rückmeldung und Vertrauen auf schwierigem Untergrund zu optimieren.
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