- Harrison erlitt im September 2025 einen Oberschenkelbruch und eine Wirbelfraktur
- Platz 4 bei der Superbike TT 2025 war sein bisher bestes TT-Ergebnis
- Aktuell Platz 16 der schnellsten Mountain-Course-Fahrer aller Zeiten
Nathan Harrison gehört zu den aufstrebenden Fahrern im internationalen Straßenrennsport und hat sich in den vergangenen Jahren einen festen Platz im Favoritenkreis der Isle of Man TT erarbeitet. Der 27-Jährige aus Onchan auf der Isle of Man geht 2026 mit seinem Familienteam H&H Motorcycles erneut auf Honda-Maschinen an den Start und macht keinen Hehl daraus, wovon er jeden Morgen beim Aufstehen träumt: seinem ersten Platz auf dem TT-Podium. Dass dieser Traum angesichts der vergangenen Monate alles andere als selbstverständlich ist, macht seine Geschichte umso bemerkenswerter.

Schwerer Rückschlag in Donington Park
Am 6. September 2025 nahm Harrisons bis dahin beste Saison ein abruptes Ende. Während der Eingangsrunde des Pirelli National Superstock-Rennens in Donington Park crashte der schottische Fahrer Callum Grigor in der Anfahrt auf Goddards Corner. Grigors Maschine kollidierte dabei mit Harrison, der ebenfalls zu Fall kam. Das Rennen wurde sofort mit der roten Flagge abgebrochen.
Die Folgen waren schwerwiegend: Harrison erlitt einen gebrochenen Oberschenkel und eine Wirbelfraktur. Er wurde zunächst im Queen’s Medical Centre in Nottingham operiert und anschließend ins Broadgreen Hospital nach Liverpool verlegt, wo ein auf Extremitätenrekonstruktion spezialisiertes Team die weitere Behandlung übernahm. Insgesamt verbrachte er über zwei Wochen im Krankenhaus. Grigor traf es noch härter: Er wurde ins künstliche Koma versetzt und verbrachte 22 Tage auf der Intensivstation.
Harrison selbst ordnete den Vorfall in den sozialen Medien ein und erklärte, dass es ihn wohl nicht mehr gäbe, wenn die Kollision eine Millisekunde früher stattgefunden hätte. Er bezeichnete den Unfall als Schock und gab zu, dass es ihn tief getroffen habe, dass seine bis dahin beste Saison auf diese Weise enden musste. Gleichzeitig betonte er, dass kein Fahrer absichtlich einen anderen treffe und er schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei.
Nicht das erste Comeback
Für Harrison war es nicht die erste schwere Verletzung seiner Karriere. Bereits 2015, im Alter von gerade einmal 16 Jahren, verunglückte er bei Testfahrten auf dem Jurby Airfield auf der Isle of Man so schwer, dass zeitweise unklar war, ob er jemals wieder auf ein Motorrad steigen würde. Die Bilanz damals: beide Oberschenkel gebrochen, dazu das linke Schienbein und Wadenbein, der linke Knöchel sowie beide Schlüsselbeine. Dass er sich von diesen Verletzungen zurückkämpfte und wenige Jahre später auf dem Mountain Course fuhr, zeugt von einer bemerkenswerten Willensstärke.
Auch 2023 musste Harrison einen Rückschlag hinnehmen, als ihn Verletzungen vom North West 200 um seine erste TT-Saison als Honda-Werksfahrer brachten. Er hatte sich gerade an der Seite des 23-fachen TT-Siegers John McGuinness einen Platz im offiziellen Honda Racing Team gesichert, konnte die TT in jenem Jahr aber nicht bestreiten.
Vom Manx Grand Prix zum TT-Anwärter
Harrisons Aufstieg im Straßenrennsport verlief schnell und beeindruckend. Sein Debüt beim Manx Grand Prix gab er 2018 und sorgte direkt für Aufmerksamkeit, obwohl ein Ausfall im Newcomers-A-Rennen den Auftakt trübte. Bereits im Senior-Rennen zeigte er mit einer Runde bei knapp 118 mph sein Potenzial.
Nur ein Jahr später gelang ihm beim Manx Grand Prix 2019 ein Doppelsieg in der Junior- und Senior-Klasse, ein Kunststück, das nur wenigen Fahrern in der Geschichte gelungen ist. Eine Rundenzeit von über 122 mph unterstrich seine Fähigkeiten eindrucksvoll. Harrison war zu diesem Zeitpunkt gerade 21 Jahre alt.
Der Sprung zur TT folgte 2022, und Harrison lieferte von Beginn an starke Ergebnisse. Im Superbike-Rennen belegte er Platz 12 bei einer Rundengeschwindigkeit von über 127 mph. Im Superstock-Rennen wurde er Elfter, bevor er das Senior-Rennen als Zehnter abschloss und dabei die 128-mph-Marke knackte. Diese Leistungen brachten ihm den bereits erwähnten Platz im Honda Racing Team an der Seite von McGuinness für 2023 und 2024 ein.
Bei der TT 2024 konnte Harrison trotz technischer Probleme in zwei von drei Rennen im Senior-TT erneut zulegen. Platz 7 und eine persönliche Bestzeit von 129,156 mph bedeuteten einen weiteren Schritt nach vorne.
Die bisher beste TT-Saison 2025
Für die TT 2025 entschied sich Harrison, sein eigenes Team zu gründen. Unter dem Banner von H&H Motorcycles, geleitet von seinem Vater Dean, ging er weiterhin mit Honda-Unterstützung an den Start. Die Entscheidung zahlte sich aus: Harrison gehörte zu den auffälligsten Fahrern der gesamten Rennwoche.
Im RST Superbike TT fuhr er auf einen herausragenden vierten Platz und stellte mit 131,270 mph eine neue persönliche Bestmarke auf dem Mountain Course auf. In beiden RL360 Superstock-Rennen belegte er jeweils den siebten Rang, beide Male mit Rundenzeiten jenseits der 130-mph-Marke. Platz 12 im ersten Monster Energy Supersport-Rennen markierte zudem sein bestes Ergebnis in der Mittelgewichtsklasse.
Abseits der TT zeigte Harrison auch in der Pirelli National Superstock Championship starke Leistungen, besonders in Thruxton, bevor die Saison in Donington Park ihr unglückliches Ende fand.
Zurück auf der Strecke: Vorbereitung auf 2026
Nach monatelanger Rehabilitation erhielt Harrison im Februar 2026 die ärztliche Freigabe, wieder auf das Rennmotorrad zu steigen. Er absolvierte anschließend zwei Wochen Testfahrten in Portugal und Spanien und bezeichnete die Vorbereitung als erfolgreich. In den sozialen Medien erklärte er, sich in einem guten Zustand zu befinden und sprach von einem Comeback, das stärker sein soll als je zuvor.
Harrison beschrieb die Monate seit dem Unfall offen als schwierige Zeit mit Tagen voller Herzschmerz, Wut und körperlicher wie mentaler Belastung. Doch diese Phase sei nun überwunden.
Das Paket für die TT 2026
Für die TT 2026, die vom 25. Mai bis zum 6. Juni stattfindet, setzt Harrison erneut auf die bewährte Kombination: Honda CBR1000RR Fireblade im RST Superbike TT, in beiden RL360 Superstock-Rennen und im Milwaukee Senior TT sowie die Honda CBR600RR in den beiden Monster Energy Supersport-Rennen. Das Team H&H Motorcycles unter der Leitung seines Vaters Dean bleibt die Einsatzbasis, weiterhin mit Unterstützung von Honda UK.
Harrison erklärte zur bevorstehenden Saison: „I was really pleased with how last year went. Getting that fourth place in the Superbike TT and putting in a 131mph lap showed what we can do. For 2026, I want to just concentrate on myself and keep improving. It’s what I’ve done all my career, slowly getting quicker and quicker. Hopefully I can add a mile an hour or two this year and see where we end up.“
(„Ich war wirklich zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Der vierte Platz im Superbike TT und die 131-mph-Runde haben gezeigt, was wir können. Für 2026 will ich mich einfach auf mich selbst konzentrieren und mich weiter verbessern. Das habe ich meine ganze Karriere lang so gemacht, Schritt für Schritt schneller werden. Hoffentlich kann ich dieses Jahr ein oder zwei Meilen pro Stunde drauflegen und dann sehen wir, wo wir landen.“)
Zum Thema Podium sagte er: „We’ve got a strong package again. I’d love a podium. That’s what I dream about every day when I get up and train. Everything I’m doing is towards that, so if I could do it, that would be amazing.“
(„Wir haben wieder ein starkes Paket. Ich würde ein Podium lieben. Davon träume ich jeden Tag, wenn ich aufstehe und trainiere. Alles, was ich tue, ist darauf ausgerichtet, und wenn ich es schaffen könnte, wäre das unglaublich.“)
Über die Teamstruktur fügte er hinzu: „Running our own team with H&H Motorcycles, headed by my dad Dean has worked really well. I couldn’t do it without him and the continued support from Honda UK.“
(„Unser eigenes Team mit H&H Motorcycles zu führen, geleitet von meinem Vater Dean, hat sehr gut funktioniert. Ohne ihn und die fortwährende Unterstützung von Honda UK könnte ich das nicht machen.“)
Gleichzeitig machte Harrison deutlich, dass das Team als Familienbetrieb finanziell nicht so breit aufgestellt ist, wie es von außen wirken mag. Anfang 2026 suchte er aktiv nach weiteren Sponsoren für die laufende Saison.

Starkes Starterfeld bei der TT 2026
Harrison trifft bei der TT 2026 auf ein hochkarätiges Starterfeld. Acht ehemalige Solorennen-Sieger mit insgesamt 97 TT-Siegen stehen auf der Nennliste, angeführt von Michael Dunlop mit 33 Siegen. Dazu kommen John McGuinness (23 Siege), Ian Hutchinson (16), Peter Hickman (14), Dean Harrison (5), Davey Todd (3), Gary Johnson (2) und James Hillier (1). Zehn weitere gemeldete Fahrer haben mindestens einmal auf dem TT-Podium gestanden, sodass insgesamt 18 Fahrer zusammen auf 249 Podiumsplatzierungen kommen. 18 Starter gehören bereits dem „130-mph-Club“ an, während 39 Fahrer die 125-mph-Marke geknackt haben.
Nathan Harrison steht aktuell auf Platz 16 der schnellsten Mountain-Course-Fahrer aller Zeiten. Angesichts seiner kontinuierlichen Steigerung, seiner persönlichen Bestzeit von 131,270 mph und seiner Fähigkeit, sich von Rückschlägen immer wieder zurückzukämpfen, gehört er zweifellos zu den aussichtsreichsten Kandidaten für einen ersten Podiumsplatz. Ob dieser Traum im Juni 2026 Wirklichkeit wird, wird sich auf dem 60,7 Kilometer langen Mountain Course zeigen.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Isle of Man TT 2026: Der komplette Überblick – Zeitplan, Fahrer, Teams & Ergebnisse. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
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