- Marco Bezzecchi gewinnt fünf Rennen in Folge und führt die WM mit 81 Punkten an
- Andrea Dovizioso warnt: Marquez‘ körperliche Situation sei „viel ernster als es scheint“
- Maverick Viñales lässt sich nach dem Austin-Aus eine gelöste Schraube aus der Schulter entfernen
- Nicolò Bulegas Traum vom MotoGP-Aufstieg mit Ducati rückt in weite Ferne
Nach dem Grand Prix of the Americas in Austin steht fest: Die Kräfteverhältnisse in der MotoGP-Königsklasse haben sich verschoben. Aprilia hat sich mit einer beeindruckenden Frühform an die Spitze des Feldes gesetzt, Ducati sucht nach Antworten und gleich zwei Fahrer müssen mit Schulterproblemen umgehen. Dazu brodelt der Fahrermarkt für 2027 bereits kräftig, obwohl die laufende Saison gerade erst begonnen hat.

Bezzecchi und Aprilia schreiben Geschichte
Was Marco Bezzecchi in den ersten drei Rennwochenenden der Saison 2026 abliefert, ist historisch. Der 27-jährige Italiener gewann in Austin seinen fünften Grand Prix in Folge, jeden einzelnen davon von der Pole-Position bis zur Zielflagge angeführt. Insgesamt kommt Bezzecchi auf 121 Führungsrunden am Stück. Das sind Zahlen, die ihn in eine Reihe mit Namen wie Valentino Rossi, Marc Marquez und Giacomo Agostini stellen.
Er ist der erste Fahrer seit 1992, der fünf Rennen in Folge von Start bis Ziel angeführt hat. Zudem ist er der erste Pilot seit Marc Marquez 2014, der die ersten drei Saisonrennen gewinnt, und der erste Italiener seit Rossi im Jahr 2001, dem dieses Kunststück gelingt.
Bezzecchi selbst zeigte sich nach dem Rennen fast überwältigt: „Ich bin sprachlos. Es ist wirklich schwer, meine Gefühle zu beschreiben.“ Den eigenen Namen in einem Atemzug mit solchen Legenden zu hören, sei „ziemlich seltsam“. Gleichzeitig empfinde er den aktuellen Lauf als „Privileg und auch Druck“, insbesondere im direkten Vergleich mit Marc Marquez, den Bezzecchi als „schnellsten und stärksten Fahrer im Feld“ bezeichnet.
Trotz der Rekordserie bleibt der WM-Führende selbstkritisch. Bereits am Samstag war er im Sprintrennen gestürzt und hatte die Führung in der Gesamtwertung zwischenzeitlich an Jorge Martin verloren. „Gestern habt ihr mein Limit gesehen. Wenn man ein bisschen zu viel will, ist es sehr nah“, räumte er ein. Die Grenze zwischen maximalem Angriff und Fehler sei extrem schmal, „und es ist nicht einfach, immer darunter zu bleiben“. Solange ihm Ausrutscher wie der Sprint-Sturz passierten, wolle er sich nicht als Titelkandidat fühlen, so Bezzecchi.
Auch für Aprilia als Hersteller markiert die aktuelle Phase einen Meilenstein. In Austin feierte das Werk aus Noale einen Doppelsieg und den insgesamt elften Erfolg in der MotoGP-Königsklasse. Es war zugleich der zweite Aprilia-Sieg in Austin nach dem Triumph von Maverick Viñales im Jahr 2024 und das erste Mal überhaupt, dass der Hersteller fünf MotoGP-Rennen hintereinander gewann.
Rivola mahnt trotz Aprilia-Dominanz zur Vorsicht
Aprilia-Rennchef Massimo Rivola ordnete die Lage mit einer Mischung aus Stolz und Zurückhaltung ein. „Was für ein fantastischer Tag hier in Austin. Wir haben zwei fantastische Fahrer und ein großartiges Motorrad“, erklärte er. Im Moment sei klar, dass das beste Motorrad die Aprilia sei. Gleichzeitig stellte Rivola fest, dass man die Performance am Samstag in den Griff bekommen müsse. Am Sonntag sei Bezzecchi perfekt unterwegs, am Samstag aber noch nicht.
Ein Wermutstropfen blieb trotz des Doppelsiegs: Ai Ogura aus dem Trackhouse-Team fiel während des Rennens durch einen technischen Defekt aus, obwohl er sich auf Podestkurs befunden hatte. „Das ist etwas sehr Enttäuschendes. Es zeigt, dass wir uns weiter verbessern müssen“, sagte Rivola. Die Chance, gleich drei Aprilias auf dem Podium zu haben, blieb ungenutzt.
Für den nächsten Grand Prix in Jerez Ende April erwartet der Rennchef eine neue Herausforderung. Traditionell bringen zum Start der Europa-Saison viele Teams weitere Updates mit, was die Kräfteverhältnisse verschieben könnte. Rivola zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Wir werden bereit sein.“

Dovizioso warnt: Marquez‘ Situation „viel ernster als es scheint“
Während Aprilia von Sieg zu Sieg eilt, kämpft der amtierende Weltmeister Marc Marquez weiterhin mit den Folgen seiner Schulterverletzung. Der Ducati-Werkspilot hatte sich die rechte Schulter beim Grand Prix von Indonesien 2025 verletzt, als er in der Startphase von Marco Bezzecchi abgeräumt wurde. Seitdem ist Marquez nach eigener Aussage nicht mehr bei hundert Prozent und versucht herauszufinden, was sein „neues 100-Prozent-Level“ überhaupt ist.
Nach drei Rennwochenenden liegt der 33-Jährige mit 45 Punkten auf dem fünften Platz der Gesamtwertung, bereits 36 Zähler hinter WM-Leader Bezzecchi. In Austin reichte es trotz der Tatsache, dass der Circuit of the Americas eine seiner stärksten Strecken ist, nur zu Platz fünf. Marquez selbst räumte nach dem Rennen ein, dass er „den Unterschied nicht mehr ausmachen“ könne. Selbst ohne die Longlap-Strafe, die er im Rennen absitzen musste, hätte es bestenfalls für das Podium gereicht, nicht aber für den Sieg.
Zur Einordnung: Im Vorjahr war Marquez in Austin in Führung liegend gestürzt, nachdem er sich innerhalb von acht Runden bereits 2,2 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Francesco Bagnaia herausgefahren hatte. Bezzecchi lag am vergangenen Sonntag dagegen die letzte Runde ausgenommen nie mehr als 1,3 Sekunden vor seinem ersten Verfolger Jorge Martin. Die Dominanz, die Marquez an diesem Ort in früheren Jahren gezeigt hatte, war 2026 schlicht nicht vorhanden. Insgesamt stehen sieben Siege und drei Stürze in Führung liegend in Austin in seiner Bilanz, darunter sein allererstes MotoGP-Rennen im Jahr 2013.
Einer, der Marquez besonders gut kennt, schätzt die Lage als bedenklich ein: Andrea Dovizioso, dreimaliger MotoGP-Vizeweltmeister zwischen 2017 und 2019, jeweils hinter Marquez. Die beiden lieferten sich in jenen Jahren ein intensives Duell an der Spitze der Königsklasse, bevor Marquez‘ Karriere 2020 durch seine schwere Armverletzung unterbrochen wurde. Dovizioso ist als Yamaha-Testfahrer weiterhin eng ins Fahrerlager eingebunden und arbeitet dort unter anderem am V4-Motorprojekt des japanischen Herstellers mit Fabio Quartararo.
In einem Interview mit dem italienischen Portal Moto.it äußerte sich Dovizioso nach dem Austin-Wochenende deutlich: „Marc ist einer der Fahrer, die sich nie beschweren und keine Ausreden suchen. Es ist also nicht ganz klar, wie es ihm wirklich geht und wie groß seine Probleme sind.“ Er glaube, dass die Situation „viel ernster ist als es scheint“. Bereits beim WM-Titel im Vorjahr sei Marquez nicht bei hundert Prozent gewesen. „Er hat körperlich noch viel aufzuholen. Vermutlich hat der Sturz in Indonesien die Limitierung in seinem Arm noch weiter verschlimmert. Und dafür gäbe es dann auch keine Lösung mehr.“
Als Schlüsselmoment nannte Dovizioso das Austin-Wochenende: „Austin hat das endgültig bestätigt. An einem Ort, wo er den Unterschied hätte ausmachen sollen, konnte er das nicht.“
Drei Wochen Pause als Chance für Marquez
Ob Dovizioso mit seiner Einschätzung richtigliegt, könnte sich bald zeigen. Durch die Verschiebung des Katar-Grand-Prix in den November stehen Marquez nun drei rennfreie Wochen zur Verfügung, bevor es Ende April beim Spanien-Grand-Prix in Jerez weitergeht. Die Pause bietet Gelegenheit zur Rehabilitation, doch die Uhr tickt. Sollte Marquez auch in Jerez nicht in Topform antreten, droht eine schwierige Saison. Denn ab dem Frankreich-Grand-Prix folgen nach Jerez bis zur Sommerpause gleich sechs Grands Prix innerhalb von acht Wochen.
Der WM-Stand nach drei Runden spiegelt die aktuelle Lage wider: Bezzecchi führt mit 81 Punkten vor Martin mit 77, Pedro Acosta mit 60, Fabio Di Giannantonio mit 50 und Marquez mit 45 Zählern.

Viñales nach Schulter-OP auf dem Weg zurück
Nicht nur Marquez hat mit Schulterproblemen zu kämpfen. Maverick Viñales musste das Austin-Wochenende vorzeitig abbrechen, nachdem die Schmerzen in seiner linken Schulter unerträglich geworden waren. Der 31-jährige Red Bull Tech3 KTM-Pilot ließ sich anschließend in der Klinik von Sassuolo in der Provinz Modena operieren. Dabei wurde eine etwa zwei Zentimeter lange Schraube entfernt, die sich gelöst und an eine andere Stelle gewandert war.
„Es fühlt sich jetzt schon viel besser an“, erklärte Viñales wenige Stunden nach dem Eingriff. „Die Schraube ist aus der Schulter entfernt worden, und die Operation ist gut verlaufen.“ Der Eingriff wurde von Dr. Porcellini, Dr. Padolini und Dr. Giorgini durchgeführt. Dr. Porcellini hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere MotoGP-Fahrer operiert.
Positiv aus Viñales‘ Sicht: Die Schulter selbst sei vollständig verheilt, es ging ausschließlich um die Entfernung der Schraube und die Behandlung der daraus entstandenen Entzündung. Bis zum Europa-Auftakt in Jerez hat er nun Zeit zur Genesung. In seiner Abwesenheit sorgte Teamkollege Enea Bastianini in Austin für Erleichterung im Team von Investor Günther Steiner. Bastianini erhielt nachträglich den dritten Platz im Sprint zugesprochen und zeigte am Sonntag bei einer Aufholjagd einen starken Kampf gegen Marquez um den fünften Platz.
Fahrermarkt 2027: Bulegas MotoGP-Traum rückt in die Ferne
Während auf der Strecke die Saison 2026 noch jung ist, nimmt der Fahrermarkt für 2027 bereits Konturen an. Für Nicolò Bulega, der in der Superbike-WM mit zwei Dreifachsiegen an den ersten beiden Rennwochenenden dominiert, wird der erhoffte Aufstieg in die MotoGP zunehmend unwahrscheinlich.
Was vor wenigen Monaten noch als natürlicher nächster Schritt galt, nachdem der 26-Jährige als Ducatis neuer MotoGP-Testfahrer die letzten beiden Rennen der Vorsaison sowie den anschließenden Test in Valencia für den verletzten Marquez übernommen hatte, hat sich durch die jüngsten Entwicklungen auf dem Transfermarkt deutlich verkompliziert.
Obwohl es noch keine offiziellen Bestätigungen gibt, scheinen die Ducati-Aufstellungen für die kommende Saison bereits weitgehend festzustehen. Der Wechsel von Pedro Acosta ins Werksteam an die Seite von Marquez gilt als ausgemacht. Bei VR46 soll Fabio Di Giannantonio neben Neuzugang Fermin Aldeguer bleiben, und bei Gresini wird der durch Acostas Abgang frei werdende Platz voraussichtlich an Rookie Dani Holgado gehen, der dort auf Enea Bastianini treffen würde, sollte dieser von KTM zurückkehren.
Sofern sich nicht noch überraschende Wendungen ergeben, etwa ein möglicher Wechsel von Bastianini zum Trackhouse-Team oder ein Angebot eines anderen Herstellers, bleibt Bulega praktisch keine Option für einen MotoGP-Startplatz mit Ducati. Stattdessen deutet sich eine Zukunft an, in der Ducati den Superbike-Dominator lieber in der seriennahen Weltmeisterschaft behält und ihm parallel die Rolle des MotoGP-Testfahrers überträgt, ähnlich dem Modell, das Michele Pirro seit Jahren ausfüllt. Pirro wird am 5. Juli 40 Jahre alt, ein schrittweiser Übergang wäre denkbar.
Ab Mai soll Bulega zudem die Möglichkeit erhalten, die neue 850-ccm-Ducati zu testen, die 2027 mit Pirelli-Reifen in die MotoGP eingeführt wird. Reifen, die der Superbike-Spezialist aus seinem aktuellen Einsatzgebiet bestens kennt. Für Ducati wäre es unter Umständen wertvoller, Bulega in dieser Doppelrolle einzusetzen, als ihn ins volle MotoGP-Starterfeld zu werfen.
Beim Aruba.it-Racing-Team fühlt sich Bulega sichtlich wohl, das Team gilt für ihn als eine Art zweite Familie. Allerdings dürfte ein Verbleib in der Superbike-WM nicht zum Nulltarif zu haben sein. Angesichts seiner aktuellen Dominanz würde Bulega bei einer Vertragsverlängerung mit Sicherheit eine deutliche Gehaltsanpassung erwarten.

Häufige Fragen
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Wie viele Siege in Folge hat Marco Bezzecchi in der MotoGP-Saison 2026?
Marco Bezzecchi hat nach dem Grand Prix in Austin fu00fcnf MotoGP-Siege in Folge eingefahren, jeden einzelnen davon als Start-Ziel-Sieg. Damit ist er der erste Fahrer seit 1992, der fu00fcnf Rennen in Folge komplett von vorne angefu00fchrt hat. In der WM fu00fchrt er mit 81 Punkten vor Jorge Martin mit 77 Zu00e4hlern.
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Was hat Marc Marquez an der Schulter und wie ernst ist die Verletzung?
Marquez leidet noch immer an den Folgen einer Verletzung der rechten Schulter, die er beim Grand Prix von Indonesien 2025 durch eine Kollision mit Bezzecchi erlitten hat. Sein ehemaliger Rivale Andrea Dovizioso schu00e4tzt die Situation als viel ernster als es scheint ein und befu00fcrchtet, dass es fu00fcr die Einschru00e4nkung im Arm keine dauerhafte Lu00f6sung geben ku00f6nnte.
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Wann findet das nu00e4chste MotoGP-Rennen 2026 statt?
Das nu00e4chste MotoGP-Rennen ist der Spanien-Grand-Prix in Jerez de la Frontera vom 24. bis 26. April 2026. Durch die Verschiebung des Katar-Grand-Prix in den November haben die Fahrer drei rennfreie Wochen Pause nach dem Austin-Wochenende.
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Was wurde bei Maverick Viu00f1ales an der Schulter operiert?
Viu00f1ales wurde in der Klinik von Sassuolo eine etwa zwei Zentimeter lange Schraube aus der linken Schulter entfernt, die sich gelu00f6st und an eine andere Stelle gewandert war. Die Schulter selbst ist vollstu00e4ndig verheilt, es musste lediglich die Schraube entfernt und die daraus entstandene Entzu00fcndung behandelt werden.
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Kommt Nicolu00f2 Bulega 2027 in die MotoGP?
Ein Aufstieg wird zunehmend unwahrscheinlich. Obwohl Bulega in der Superbike-WM dominiert und als Ducati-Testfahrer aktiv ist, scheinen die MotoGP-Plu00e4tze bei Ducati fu00fcr 2027 bereits vergeben zu sein. Stattdessen zeichnet sich eine Zukunft in der Superbike-WM mit einer parallelen MotoGP-Testfahrerrolle nach dem Vorbild von Michele Pirro ab.

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