- Dainese gehört seit Januar 2026 zu 100 Prozent den Investmentfirmen HPS Investment Partners und Arcmont Asset Management
- Die Finanzschulden des Unternehmens wurden im Zuge der Übernahme um rund 190 Millionen Euro reduziert
- Das Unternehmen kündigt drei neue Innovationen an, darunter einen Helm, der angeblich den bisherigen Stand der Technik deutlich übertreffen soll
Wenn Private-Equity-Firmen eine Marke übernehmen, löst das in der Motorradbranche selten Begeisterung aus. Die Erfahrung hat gezeigt, dass solche Übernahmen häufig mit Stellenabbau, sinkender Produktqualität und im schlimmsten Fall mit dem Ende der Marke einhergehen. Genau dieser Vorwurf wurde auch Dainese gemacht, als bekannt wurde, dass der italienische Schutzausrüstungshersteller erneut den Besitzer wechselt. CEO Angel Sanchez sieht die Lage allerdings vollkommen anders und hat sich in einem Interview ausführlich zur Zukunft des Unternehmens geäußert.

Vom Familienunternehmen über Carlyle zum Schuldenabbau
Die Geschichte der Eigentümerwechsel bei Dainese reicht mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt zurück. Gründer Lino Dainese verkaufte sein Unternehmen 2014 an die Investmentfirma Investcorp. Unter deren Führung verdoppelte sich der Umsatz auf rund 250 Millionen Euro. 2022 übernahm dann die Carlyle Group die Dainese-Gruppe für einen Unternehmenswert von 630 Millionen Euro (circa 683 Millionen US-Dollar). Der Konzern erreichte in jenem Jahr einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro (circa 314 Millionen US-Dollar) und wuchs zweistellig.
Allerdings belastete der hohe Kaufpreis die Bilanz erheblich. Dainese trug Schulden von über 300 Millionen Euro, aufgeteilt auf besicherte Anleihen mit Fälligkeiten bis 2028. Im Sommer 2025 musste das Unternehmen zunächst Zinszahlungen auf seine 285 Millionen Euro schweren Anleihen verschieben. Im Juli 2025 wurden zusätzliche Schuldtitel über 25 Millionen Euro an die bestehenden Gläubiger ausgegeben, um die finanzielle Stabilität zu sichern.
Im Oktober 2025 folgte dann die offizielle Ankündigung: HPS Investment Partners und Arcmont Asset Management, die beiden bisherigen Hauptgläubiger, würden die Mehrheit an Dainese übernehmen. HPS gehört seit Juli 2025 zum Vermögensverwalter BlackRock, dem weltweit größten seiner Art. Arcmont wiederum ist eine Tochter von TIAA, dem amerikanischen Pensionsfonds für den Bildungssektor. Die Carlyle Group gab Dainese zu einem symbolischen Preis von einem Euro ab, da es sich faktisch um einen sogenannten Debt-Equity-Swap handelte, bei dem die Gläubiger ihre Forderungen in Eigenkapital umwandelten.
Am 28. Januar 2026 wurde der Abschluss nach Freigabe durch die Europäische Kommission offiziell bestätigt. HPS und Arcmont halten seitdem 100 Prozent der Anteile an Dainese. Im Zuge der Transaktion wurden die Finanzschulden um exakt 190.000.001,72 Euro reduziert, sodass noch rund 142 Millionen Euro an besicherten Anleihen mit Fälligkeit 2030 übrig blieben. Zusätzlich stellten die neuen Eigentümer 30 Millionen Euro an frischem Eigenkapital bereit und richteten eine revolvierende Kreditlinie über 45 Millionen Euro ein, bereitgestellt von Intesa Sanpaolo, UniCredit und Bank of America Europe.
Sanchez: „Für Dainese ist es das Beste, was passieren konnte“
Angel Sanchez kam im November 2023 als neuer CEO zu Dainese. Zuvor leitete er unter anderem Conserve Italia, eine der größten Lebensmittelgenossenschaften Europas mit Marken wie Cirio und Valfrutta, sowie ABM Italia und Keter. Im Interview machte er keinen Hehl daraus, wie er die Übernahme einschätzt: „For Dainese, the employees, and our riders, it is the best thing that could happen to us.“ Auf Deutsch: Für Dainese, die Mitarbeiter und die Fahrer sei es das Beste, was habe passieren können.
Sanchez begründet seinen Optimismus damit, dass das Unternehmen nun über eine solide Finanzstruktur verfüge, Kapital auf dem Konto habe wie nie zuvor und Partner an seiner Seite wisse, die das Geschäft seit bereits drei bis vier Jahren kennen würden. Die neuen Eigentümer hätten den Geschäftsplan gekauft und an die Zukunft des Unternehmens geglaubt.
Auf die Frage, welche Schutzmaßnahmen gegen die typischen Folgen einer Private-Equity-Übernahme existieren, reagierte Sanchez bestimmt. Die Produkte würden nicht auf dem gleichen Niveau bleiben, sondern sich erheblich verbessern. „There is not any intention whatsoever of splitting it, selling in pieces, closing down things, reducing quality“, sagte er, zu Deutsch: Es gebe keinerlei Absicht, das Unternehmen aufzuspalten, in Teilen zu verkaufen, Bereiche zu schließen oder die Qualität zu senken. Der einzige Weg nach vorn sei Wachstum und die Verbesserung der Produkte.

Fünfjahresplan mit Fokus auf Motorrad, USA und Großhandel
Das Unternehmen verfolgt laut Sanchez einen konkreten Fünfjahresplan, der eine deutliche Umsatzsteigerung und Wachstum in mehreren Märkten vorsieht. Dabei gehe es nicht nur darum, was Dainese tun wolle, sondern auch darum, was bewusst nicht getan werden soll. Die Prioritäten seien klar definiert: Märkte, Vertriebskanäle, Marken und Produkte.
Im Vertrieb setzt Dainese verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Großhändlern und Vertriebspartnern. In der Vergangenheit habe es Bestrebungen gegeben, alles im Direktvertrieb abzuwickeln. Dieser Ansatz habe sich als nicht zielführend erwiesen. Die eigenen Kanäle, darunter 46 direkt betriebene Geschäfte weltweit und der eigene Onlineshop, blieben zwar wichtig, weil sie wertvolle Informationen über das Konsumentenverhalten lieferten. Für das eigentliche Wachstum seien jedoch die Großhandelspartner entscheidend.
Geografisch bleibe Europa der größte Markt, doch die USA und der amerikanische Kontinent insgesamt würden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei den Produkten liege der klare Fokus auf dem Motorradbereich mit den beiden Kernmarken Dainese und AGV. Das Segment Adventure Touring und Sport Touring wachse dabei besonders stark und sei mittlerweile der größte Bereich, auch wenn der Sportsektor weiterhin eine wichtige Rolle spiele.
Höchstes Forschungsbudget der Firmengeschichte
Sanchez betonte, dass Dainese in den vergangenen zwei Jahren das höchste Forschungs- und Entwicklungsbudget in der Geschichte des Unternehmens investiert habe. Das sei auch der Grund, warum nun neue Produkte in der Pipeline seien. Ohne Investitionen würden solche Innovationen nicht entstehen.
Darüber hinaus wurde innerhalb von Dainese ein spezielles Team namens „Demo Lab“ gegründet. Dieses arbeitet an Projekten, die erst in fünf Jahren auf den Markt kommen sollen. Sanchez räumte ein, dass die aktuellen Investoren das Ergebnis dieser Langzeitforschung möglicherweise gar nicht mehr erleben werden, erklärte aber, dass das Unternehmen langfristig durch Innovation bestehen wolle.
Konkret kündigte er drei Innovationen an, die er als „disruptiv“ bezeichnete. Noch vor dem Sommer 2026 soll ein AGV-Helm vorgestellt werden, der laut Sanchez ein deutlich höheres Schutzniveau bieten werde als alles bisher Verfügbare. Sanchez erklärte, er habe den Prototyp bereits im Rucksack dabei gehabt, ihn aber noch nicht zeigen dürfen. Der Helm sei bereits ausgewählten Großhändlern präsentiert worden und habe dort für große Begeisterung gesorgt. Eine weitere Innovation soll nach dem Sommer folgen.
Das Ziel hinter diesen Entwicklungen sei es, Sicherheit für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Professionelle Fahrer verstünden das Risiko und statteten sich entsprechend aus. Viele Motorradfahrer führen aber nur mit einem Helm und bestenfalls Handschuhen. Dainese wolle genau diese Gruppe erreichen und die gesamte Branche verändern.

Eine schwierige Phase ist beendet
Die vergangenen Jahre waren für Dainese geprägt von finanzieller Unsicherheit. Der Verkaufsprozess begann bereits vor der Corona-Pandemie, wurde dann unterbrochen und nach der Pandemie wieder aufgenommen. In dieser Zeit sei laut Sanchez die Aufmerksamkeit des Unternehmens teilweise von der eigentlichen Arbeit abgelenkt worden und die Innovationsdynamik habe etwas nachgelassen.
Auch die offizielle Pressemitteilung von Dainese spiegelt diesen Wendepunkt wider. CEO Sanchez sprach darin von einem „great milestone“, einem großen Meilenstein für Dainese. HPS und Arcmont hätten sich entschieden, die Vision, die Leidenschaft für Innovation und das Engagement für Sicherheit und Qualität zu teilen. Gleichzeitig dankte er der Carlyle Group für die Partnerschaft der vergangenen Jahre, die zur Erweiterung der globalen Präsenz und zur Stärkung des Produktportfolios beigetragen habe.
Im Interview fasste Sanchez die Situation mit klaren Worten zusammen: Dainese sei zurück. Die schwierige Phase sei vorbei. In den vergangenen Jahren habe man das Unternehmen geführt, aber immer gleichzeitig auf die Bank geschaut, ob das Geld für die geplanten Vorhaben reiche. Nun herrschten normale Bedingungen, und Dainese habe wieder einen freien Spielraum.
Ob sich dieser Optimismus in den kommenden Jahren tatsächlich in der Produktqualität und der Marktentwicklung widerspiegeln wird, bleibt abzuwarten. Die finanzielle Restrukturierung hat Dainese zwar deutlich entlastet, doch mit rund 142 Millionen Euro Restschulden und einer Fälligkeit im Jahr 2030 sind die finanziellen Herausforderungen nicht vollständig beseitigt. Entscheidend wird sein, ob der angekündigte Fünfjahresplan aufgeht und die versprochenen Innovationen tatsächlich den Markt bewegen können.
Bemerkenswert ist zudem, dass Arcmont Asset Management auch den Helmhersteller Schuberth kontrolliert. Ob und wie sich das auf die Dainese-Gruppe mit ihrer Helmmarke AGV auswirken wird, ist bislang unklar.
Häufige Fragen
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Wem gehört Dainese jetzt?
Seit Januar 2026 gehört Dainese zu 100 Prozent den Investmentfirmen HPS Investment Partners und Arcmont Asset Management. HPS ist eine Tochtergesellschaft von BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter. Die vorherige Eigentümerin Carlyle Group hat das Unternehmen zu einem symbolischen Preis von einem Euro abgegeben.
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Wie hoch sind die Schulden von Dainese nach der Übernahme?
Im Rahmen der Transaktion wurden die Finanzschulden von Dainese um rund 190 Millionen Euro reduziert. Es verbleiben circa 142 Millionen Euro an besicherten Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2030. Zusätzlich erhielt Dainese 30 Millionen Euro frisches Eigenkapital und eine Kreditlinie über 45 Millionen Euro.
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Welche neuen Produkte plant Dainese 2026?
CEO Angel Sanchez hat drei Innovationen angekündigt, die er als grundlegend neuartig bezeichnet. Ein neuer AGV-Helm mit angeblich deutlich höherem Schutzniveau soll noch vor dem Sommer 2026 vorgestellt werden. Eine weitere Innovation ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Details zu den konkreten Technologien wurden noch nicht veröffentlicht.
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Wer ist Angel Sanchez, der CEO von Dainese?
Angel Sanchez übernahm die Position des CEO bei Dainese im November 2023. Zuvor war er unter anderem CEO von Conserve Italia, einem der größten Lebensmittelkonzerne Europas, sowie von ABM Italia. Er bringt umfangreiche Erfahrung in der Führung internationaler Konsumgüterunternehmen mit.

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