- Espargaro erlitt vier Wirbelbrüche bei einem privaten Honda-Test in Sepang
- Das Rückenmark wurde nach Angaben des Fahrers nur knapp nicht beschädigt
- Honda verliert seinen wichtigsten Testfahrer mitten in der Entwicklungsphase für 2026 und 2027
Honda-Testfahrer Aleix Espargaro hat sich bei einem privaten MotoGP-Test auf dem Sepang International Circuit schwer verletzt. Der Spanier zog sich am Dienstag vier Wirbelbrüche und mehrere Prellungen zu, das Rückenmark wurde nur knapp nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Hondas MotoGP-Testprogramm hat einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Aleix Espargaro, einer der beiden Testfahrer des japanischen Werksteams, stürzte am Dienstag während privater Testfahrten auf dem Sepang International Circuit in Malaysia schwer. Der 36-jährige Spanier wurde anschließend in das CU Aurelius Hospital in der Nähe von Kuala Lumpur eingeliefert, wo er mehrere Tage verbrachte. Erst am Mittwoch, dem 9. April, machte Espargaro den Vorfall über seine sozialen Medien öffentlich.

Espargaro meldet sich aus dem Krankenhaus
In einem Instagram-Beitrag schilderte der dreifache MotoGP-Rennsieger das Ausmaß seiner Verletzungen. „Am Dienstag habe ich während des Tests hier in Sepang einen sehr schweren Sturz erlitten. Dabei habe ich mehrere Prellungen und vier Wirbelbrüche erlitten, wenn auch nur knapp, und glücklicherweise wurde mein Rückenmark nicht betroffen“, schrieb Espargaro.
Er bedankte sich beim Krankenhauspersonal und kündigte seine Rückreise nach Spanien an. Seine Frau Laura sei erneut aus Europa angereist, um ihn in Malaysia abzuholen. Er beschrieb das mit einer Prise Selbstironie, er habe aufgehört zu zählen, wie oft sie ihm schon vom anderen Ende der Welt zu Hilfe geeilt sei. In Barcelona soll im Quirón Dexeus Hospital abgeklärt werden, ob eine Operation notwendig ist. Espargaro schloss seinen Beitrag mit den Worten: „Entschuldigt den Schrecken, ich komme wieder!“
Herber Rückschlag für Hondas Entwicklungsprogramm
Der Ausfall von Espargaro trifft Honda zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In den ersten Monaten der Saison 2026 lag der Fokus des Spaniers auf der Weiterentwicklung der aktuellen RC213V, dem 1000-ccm-Prototyp für die laufende Saison. Dabei konzentrierte sich die Arbeit auf Bereiche wie Chassis, Schwinge und Aerodynamik. Das erklärte Ziel bis zu den Tests in Brno: eine Lösung für das größte Defizit des Honda-Bikes finden, die mangelnde Traktion.
Parallel arbeitete Hondas zweiter Testfahrer Takaaki Nakagami in Sepang bereits am Nachfolger, der RC214V. Dieses Motorrad wird ab 2027 mit einem 850-ccm-Motor und Pirelli-Reifen nach dem neuen technischen Reglement zum Einsatz kommen. Honda hatte den 850er-Prototyp erstmals im Dezember 2025 auf die Strecke gebracht. Nach dem Grand Prix von Tschechien sollte Espargaro die Führungsrolle in der Entwicklung des 2027er-Bikes übernehmen.

Möglicher Wildcard-Einsatz in Jerez geplatzt
Obwohl offiziell keine Wildcard-Teilnahme angekündigt war, hätte der bevorstehende Spanien-GP in Jerez am 24. bis 26. April eine Gelegenheit für Espargaros ersten Renneinsatz in der Saison 2026 geboten. Das wäre umso sinnvoller gewesen, da am Montag nach dem Grand Prix der erste von insgesamt vier In-Season-Tests des Jahres stattfindet. Die weiteren offiziellen Testtermine sind nach dem Katalonien-GP in Barcelona am 18. Mai, nach dem Tschechien-GP in Brno am 22. Juni und nach dem Österreich-GP in Spielberg am 21. September angesetzt. Während die ersten beiden Tests noch mit den aktuellen 1000-ccm-Maschinen und Michelin-Reifen durchgeführt werden, stehen in Brno und Spielberg erstmals die neuen 2027er-Bikes mit Pirelli-Bereifung für die Stammfahrer auf dem Programm.
Honda kann bei den kommenden Tests immerhin auf seine vier Stammfahrer zurückgreifen, darunter Joan Mir und Luca Marini, die beim Jerez-Test neue Teile erproben können. Die Entwicklungsarbeit kommt also nicht vollständig zum Erliegen, verliert aber mit Espargaros Erfahrung und Expertise einen wichtigen Impulsgeber.
Vergleich mit der Verletzung seines Bruders Pol
Espargaros Verletzung erinnert an einen ähnlichen Vorfall seines Bruders Pol Espargaro, der sich beim Saisonauftakt 2023 in Portimão ebenfalls Wirbelbrüche zugezogen hatte. Pol war damals mit einem harten Vorderreifen gestürzt und durch das Kiesbett bis an die Begrenzung geschleudert worden. Er benötigte drei Monate bis zum Rennen in Assen, um auf das Motorrad zurückzukehren, und räumte später ein, dass selbst dieser Zeitpunkt eigentlich zu früh gewesen sei. Eine ähnliche Genesungszeit wäre auch bei Aleix Espargaro denkbar, wobei zunächst die Untersuchungen in Barcelona abgewartet werden müssen.
Über die genauen Umstände des Sturzes in Sepang ist bislang nichts bekannt. Weder die betroffene Kurve noch Details zu den Sicherheitseinrichtungen an der Unfallstelle wurden kommuniziert.
Espargaro ist nicht der erste HRC-Verletzte in Sepang 2026
Bereits im Januar dieses Jahres hatte sich Somkiat Chantra, Honda-Fahrer in der Superbike-WM, bei Tests auf dem Sepang International Circuit beide Arme gebrochen. Chantra verpasste daraufhin den Saisonauftakt der WorldSBK auf Phillip Island im Februar. Espargaro ist damit der zweite HRC-Pilot, der sich in dieser Saison auf der malaysischen Strecke schwer verletzte.
Durch den Ausfall des Spaniers muss Nakagami nun beide Aufgaben parallel stemmen: die Weiterentwicklung der RC213V für 2026 und die Arbeit am neuen 850er-Prototyp für 2027. Eine erhebliche Zusatzbelastung für den Japaner, der bislang ausschließlich auf das Zukunftsprojekt fokussiert war.
Rennpause durch verschobenen Katar-GP
Die MotoGP befindet sich derzeit in einer dreiwöchigen Rennpause zwischen dem US-Grand-Prix Ende März und dem Spanien-GP in Jerez Ende April. Ursprünglich hätte an diesem Wochenende der Grand Prix von Katar stattfinden sollen, der jedoch wegen des aktuellen Konflikts im Nahen Osten auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verschoben wurde. Für die Testfahrer bedeutet die Pause allerdings keine Erholung. Im Gegenteil: Die Fabriken nutzen die rennfreie Zeit intensiv für ihre Entwicklungsprogramme.
Espargaro hatte seine aktive MotoGP-Karriere Ende 2024 beendet und war zu Honda gewechselt, um als Testfahrer die Entwicklung voranzutreiben. Im vergangenen Jahr hatte er die Testarbeit noch mit einer professionellen Radsportkarriere beim Team Lidl-Trek kombiniert. Für 2026 entschied er sich jedoch, den Wettkampfsport auf dem Fahrrad aufzugeben, um sich vollständig auf seine Aufgabe bei Honda zu konzentrieren.
Wann Espargaro wieder auf ein MotoGP-Bike steigen kann, ist derzeit völlig offen. Die Entscheidung über eine mögliche Operation in Barcelona dürfte der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Genesung sein.
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