- BMW meldet Patent für vollverkleidetes Zweirad mit acht ausfahrbaren Stützrädern an
- Das tropfenförmige Fahrzeug soll maximale Aerodynamik mit Wetterschutz kombinieren
- BMW hat seit 2020 bereits zahlreiche Patente rund um geschlossene Zweiräder eingereicht
Die Idee eines vollständig verkleideten Motorrads ist nicht neu. Immer wieder haben sich Hersteller und Tüftler an dem Konzept versucht, ein Zweirad komplett mit einer Karosserie zu umschließen, um bessere Aerodynamik, Wetterschutz und sogar autoähnliche Sicherheit zu bieten. Durchgesetzt hat sich das Prinzip im Mainstream allerdings nie. Dass nun ausgerechnet BMW mit einer ganzen Reihe von Patentanmeldungen in diesem Bereich aktiv ist, könnte dem Thema aber neuen Schwung verleihen.

Acht Stützräder statt Gyroskop oder zwei Ausleger
Das zentrale Problem eines komplett geschlossenen Zweirads ist simpel: Im Stand kippt es um, weil der Fahrer keinen Fuß auf den Boden setzen kann. Verschiedene Ansätze wurden über die Jahre erprobt, um dieses Problem zu lösen. Der Schweizer Hersteller Peraves, dessen Ecomobile bereits 1984 mit einem BMW-Motor auf den Markt kam, setzt bei seinem Nachfolger Monoracer auf zwei seitlich ausfahrbare Stützräder. Der Gyro-X von 1967 experimentierte wiederum mit einem Gyroskop, also einem schweren rotierenden Kreisel, der das Fahrzeug im Gleichgewicht halten sollte.
BMW geht in seinem neuen Patent einen anderen Weg. Die Patentschrift verwirft Gyroskope wegen ihres hohen Gewichts und setzt stattdessen auf insgesamt acht Stützräder, die in zwei Reihen zu je vier Rädern angeordnet sind. Der Vorteil gegenüber dem Zwei-Rad-System von Peraves liegt laut Patent in der geringeren Gesamtbreite. Peraves positioniert seine beiden Stützräder weit außen, um auch auf unebenen Flächen genügend Stabilität zu gewährleisten. Mit acht Rädern ist das laut BMW nicht nötig, denn selbst wenn ein oder zwei Stützräder über einem Schlagloch oder einer Unebenheit stehen, reichen die übrigen Räder aus, um das Fahrzeug sicher aufrecht zu halten. Das Patent zeigt dabei mehrere Varianten des Ausfahrmechanismus.
Tropfenform für maximale Effizienz
Die Vorteile des geschlossenen Designs werden in der Patentschrift klar benannt: Das Fahrzeug nimmt auf der Straße vergleichsweise wenig Platz ein, der Fahrer ist vor Wind und Wetter geschützt, und die Kombination aus geringer Stirnfläche und glatter Aerodynamik verspricht eine hohe Effizienz. Gerade im Kontext elektrischer Antriebe ist das relevant, denn weniger Luftwiderstand bedeutet mehr Reichweite bei gleicher Batteriekapazität.
Als Vergleich dient der Peraves Monoracer, der aktuell als rein elektrische Variante erhältlich ist. Mit einem 130 kW (177 PS) starken Elektromotor und einem 28,5 kWh großen Akku soll er dank seiner aerodynamisch optimierten Form eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern erreichen. Diese Werte zeigen, was mit einem strömungsoptimierten Einspurfahrzeug theoretisch möglich ist.

BMW und die Geschichte der geschlossenen Zweiräder
Das neue Patent reiht sich in eine ganze Serie von Entwicklungen ein, mit denen BMW das Thema geschlossene Zweiräder seit Jahren vorantreibt. Bereits 2020 hatte das Unternehmen nicht weniger als 15 Patente rund um ein überdachtes Elektrozweirad eingereicht. Dieses ältere Konzept basierte auf dem Chassis und dem Antrieb des elektrischen BMW C Evolution und verfolgte einen deutlich anderen Ansatz als das aktuelle Patent.
Bei den 2020er-Patenten ging es um eine abnehmbare Sicherheitszelle aus Carbonfaser, die dem Fahrer autoähnlichen Schutz bieten sollte. Die Konstruktion bestand aus zwei Carbon-Bügeln, die über verformbare Crash-Strukturen am Fahrzeug befestigt waren. Im Falle eines Unfalls sollten diese als Knautschzonen wirken. In die Sicherheitszelle waren Dreipunktgurte mit Gurtstraffern sowie seitliche Airbags integriert, die sich vorhangähnlich vom Kopf bis zur Hüfte entfalten sollten. Das Besondere: Die gesamte Schutzstruktur ließ sich abschrauben, sodass das Fahrzeug am Wochenende als konventioneller, leichterer Elektroroller genutzt werden konnte.
Darüber hinaus zeigten die älteren Patente eine aktive Aerodynamik mit vier Winglets, je zwei vorn und hinten, die über eine IMU-basierte Stabilitätssteuerung mit Gier-Sensoren und Gyroskopen automatisch ihren Anstellwinkel änderten. Aufgabe dieses Systems war es, Seitenwind auszugleichen, der auf die hohe Dachstruktur wie ein Segel wirken würde. Weitere praktische Details umfassten in die Windschutzscheibenholme integrierte Spiegel und einen Luftkanal von der Fahrzeugnase zur Innenseite der Scheibe, um ein Beschlagen zu verhindern.
Vom BMW C1 bis zum Vision CE Concept
BMW ist in diesem Bereich kein unbeschriebenes Blatt. Zur Jahrtausendwende brachte das Unternehmen den C1 auf den Markt, einen überdachten Roller mit Sicherheitszelle. Der C1 sollte Pendlern eine wetterfeste und sichere Alternative zum konventionellen Roller bieten, scheiterte aber nach nur zwei Jahren Produktionszeit (2000 bis 2002) an schlechten Verkaufszahlen. Das Fahrzeug war mit seinem 125-Kubikzentimeter-Einzylindermotor für ein Leergewicht von 185 kg (408 lbs) schlicht untermotorisiert und dabei deutlich teurer als herkömmliche Roller.
Daneben zeigte BMW 2008 das Concept Simple und 2009 das Concept C.L.E.V.E.R., beides schmale, dreirädrige Konzeptfahrzeuge, die sich in Kurven neigen konnten und damit eine ähnliche Fahrdynamik wie das aktuelle Patent anstrebten.

Wird das Patent zum Serienfahrzeug?
Ob aus der aktuellen Patentanmeldung jemals ein Serienfahrzeug wird, bleibt offen. Patente sichern zunächst nur Ideen und technische Lösungen ab, ohne dass eine Produktionsentscheidung dahinterstehen muss. Allerdings zeigt die Beharrlichkeit, mit der BMW seit Jahren Patente in diesem Bereich einreicht, dass das Thema intern offenbar ernst genommen wird.
Im Kontext der Mobilitätswende und der zunehmenden Bedeutung von Elektrofahrzeugen könnte ein aerodynamisch optimiertes, geschlossenes Zweirad durchaus eine Nische finden. Weniger Luftwiderstand bedeutet bei elektrischen Antrieben unmittelbar mehr Reichweite, und der vollständige Wetterschutz sowie der geringe Platzbedarf auf der Straße könnten das Fahrzeug für Pendler interessant machen. Bis dahin ist das tropfenförmige BMW-Zweirad mit seinen acht Stützrädern aber nicht mehr als eine faszinierende technische Studie auf Papier.








