- Marc Marquez gewann 2025 elf Rennen und holte acht Pole Positions
- Francesco Bagnaia kämpfte mit der Ducati GP25 und verlor intern an Rückhalt
- Ducati priorisiert die Vertragsverlängerung mit Marquez über 2026 hinaus
Die Saison 2025 stellte für Ducati sportlich einen Triumph dar, intern jedoch einen Balanceakt. Während Marc Marquez das Werksteam souverän zum Titel führte, geriet Francesco Bagnaia zunehmend unter Druck. Aussagen aus der Ducati Führung geben nun Einblick in ein komplexes Verhältnis, das weit über nackte Ergebnisse hinausgeht.

Marquez als dominanter Faktor im Ducati Gefüge
Mit dem Wechsel von Marc Marquez ins Werksteam veränderte sich die interne Statik bei Ducati spürbar. Der Spanier, der die Saison mit elf Siegen und acht Pole Positions dominierte, etablierte sich sofort als Referenz. Für Ducati war das sportlich ein Gewinn, brachte aber neue Spannungen mit sich, da Francesco Bagnaia bis dahin der erfolgreichste Fahrer der Marke in der MotoGP war.
Bagnaia tat sich schwer mit der Ducati GP25, deren Fahrverhalten seinem Stil laut eigener Einschätzung nicht entgegenkam. Vor allem das fehlende Vertrauen zur Front sorgte im Saisonverlauf für anhaltende Diskussionen zwischen Fahrer und Technikern. Die Folge war eine seiner schwächsten Saison in der Königsklasse.
Unerwartete Rolle von Marc Marquez
Trotz der sportlichen Überlegenheit nahm Marc Marquez intern eine Rolle ein, die selbst langjährige Beobachter überraschte. Ducati Teammanager Davide Tardozzi berichtete, dass Marquez in besonders schwierigen Momenten aktiv darum bat, Bagnaia nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.
Marquez habe in einzelnen Situationen bewusst darauf hingewiesen, bestimmte Maßnahmen oder öffentliche Signale zu unterlassen, um die mentale Stabilität seines Teamkollegen nicht zu gefährden. Dieses Verhalten beschrieb Tardozzi als außergewöhnlich und als Zeichen großer persönlicher Reife. Marquez selbst reduzierte laut Tardozzi sogar die öffentliche Betonung seiner Erfolge, um Spannungen innerhalb der Box zu entschärfen.

Vertragslage verschärft interne Spannungen
Bagnaias Vertrag läuft Ende 2026 aus, ebenso jener von Marquez. Ducati hat jedoch klar kommuniziert, dass die Priorität auf einer Verlängerung mit dem amtierenden Champion liegt. Diese Position bestätigten sowohl Ducati CEO Claudio Domenicali als auch Tardozzi mehrfach.
Marquez befindet sich nach seiner dominanten Saison in einer deutlich stärkeren Verhandlungsposition als noch bei seinem Wechsel zu Ducati. Damals akzeptierte er vergleichsweise zurückhaltende Konditionen. Nun ist die Situation eine andere, was zwangsläufig Auswirkungen auf den zweiten Platz im Werksteam hat, auch in finanzieller Hinsicht.
Für Bagnaia bedeutet das eine neue Ausgangslage. Sein aktueller Vertrag entstand in einer Phase, in der er als Weltmeister gesetzt war. Eine deutliche Verschlechterung der Konditionen gilt intern als schwer vermittelbar.
Bagnaia gibt sich gelassen, Ducati sendet klare Signale
Nach außen zeigt sich Francesco Bagnaia ruhig und betont, er wolle sich auf die kommende Saison und den großen Reglementschnitt 2027 konzentrieren. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass Ducati seine langfristige Planung unabhängig von einem sportlichen Umschwung Bagnaias vorantreibt.
Innerhalb des Herstellers wird davon ausgegangen, dass viele Werksteams ihre Fahrerentscheidungen für 2027 und 2028 bereits sehr früh festzurren wollen. Vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass Bagnaia ausschließlich auf sportliche Argumente in den ersten Saisonrennen setzt, um seine Position zu festigen.
Acosta als mögliche Alternative
Parallel dazu rückt immer wieder der Name Pedro Acosta in den Fokus. Der junge Spanier gilt bei vielen Entscheidern als zukünftiger Weltmeister und wäre offenbar bereit, für einen Platz im Ducati Werksteam erhebliche Zugeständnisse zu machen.
Diese Konstellation stellt Ducati vor ein strategisches Dilemma. Einerseits steht mit Bagnaia ein mehrfacher Weltmeister und historisch erfolgreicher Ducati Fahrer unter Vertrag, andererseits lockt mit Acosta ein langfristiger Nachfolger für die Zeit nach Marquez. Aussagen aus dem Umfeld legen nahe, dass intern bereits intensiv abgewogen wird.

Marquez mit klarem Wunsch nach Kontinuität
Marc Marquez selbst dämpfte zuletzt Spekulationen über einen möglichen Wechsel zur Saison 2027. Er betonte, dass er in seiner Karriere stets versucht habe, bei einem Team zu bleiben, wenn Umfeld, Performance und Arbeitsweise stimmen. Ducati sei daher seine erste Option für die Zeit nach dem aktuellen Vertrag, auch wenn Gespräche noch laufen.
Für Ducati bedeutet dies eine gewisse Planungssicherheit auf der einen Seite, gleichzeitig aber wachsenden Entscheidungsdruck in Bezug auf den zweiten Fahrer. Klar ist laut Management nur eines: Sollte Marquez sich gegen eine Verlängerung entscheiden, würde Bagnaia wieder zur Priorität werden.
Was das für mich als MotoGP-Fan bedeutet?
Aus Fan Sicht fühlt sich diese Situation zwiespältig an. Einerseits ist es faszinierend zu sehen, wie Marc Marquez bei Ducati nicht nur sportlich dominiert, sondern offenbar auch menschlich Verantwortung übernimmt und intern ausgleichend wirkt. Andererseits hinterlässt der mögliche Abschied von Francesco Bagnaia einen bitteren Beigeschmack, weil hier ein Fahrer ins Wanken gerät, der über Jahre das Gesicht der Marke war und Ducati maßgeblich geprägt hat. Sollte sich bestätigen, dass strategische Planung und wirtschaftliche Aspekte wichtiger sind als sportliche Loyalität, verändert das den Blick auf das Werksteam. Für Fans bedeutet das vor allem, dass die MotoGP 2027 noch politischer, noch kälter und berechnender werden könnte und dass selbst große Erfolge keinen dauerhaften Platz mehr garantieren. Genau das macht die Serie spannend, aber auch gnadenlos.

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