- Reihenvierzylinder mit 399 cm³ und bis zu 80 PS (59 kW) bei über 14.000/min
- Fahrwerk von Showa und Brembo Stylema-Bremsen serienmäßig
- Edizione Speciale mit Carbon-Verkleidung, Öhlins-Federbein und gefrästen Anbauteilen
- Marktstart im Laufe des Jahres 2026, auch in Europa
Unter dem Motto „Espresso di Bimota“ hat der italienische Kleinserienhersteller aus Rimini am 18. März 2026 ein neues Modell enthüllt, das so gar nicht in das bisherige Bimota-Schema passen will. Denn statt eines weiteren exklusiven Superbikes im fünfstelligen Preisbereich rollt mit der KB 399 eine vergleichsweise kompakte 400er an den Start. Technische Basis ist die Kawasaki Ninja ZX-4RR, was angesichts der Eigentümerstruktur keine große Überraschung darstellt. Kawasaki hält seit 2019 knapp 50 Prozent der Anteile an dem legendären Hersteller sportlicher Kleinserien-Motorräder. Die offizielle Präsentation fand nur wenige Tage vor Beginn der Osaka Motorcycle Show in Japan statt, was kein Zufall sein dürfte, denn 400er-Motorräder genießen dort seit jeher einen besonderen Stellenwert.
Hochdrehzahl-Vierzylinder aus der Ninja ZX-4RR
Im Herzen der KB 399 arbeitet ein Reihenvierzylinder mit 399 cm³ Hubraum, der aus der aktuellen Kawasaki Ninja ZX-4RR stammt. Mit einer Bohrung von 57,0 mm und einem Hub von 39,1 mm ist der Motor extrem kurzhubig ausgelegt und entsprechend drehzahlfreudig. Die Verdichtung liegt bei 12,3:1, die Gemischaufbereitung übernimmt eine Einspritzanlage mit vier 34-mm-Drosselklappen. In der Kawasaki-Abstimmung leistet der Vierzylinder bis zu 80 PS (59 kW) bei Drehzahlen jenseits der 14.000/min, wobei der Spitzenwert mit Ram-Air-Staudruck bei hohen Geschwindigkeiten erreicht wird. Die KB 399 ist dabei Euro-5+-konform und besitzt eine vollwertige Straßenzulassung.
Was diesen Motor in seiner Hubraumklasse so besonders macht, ist die Kombination aus vier Zylindern und extremer Drehfreude. Kein anderer aktueller 400er-Motor dreht derart hoch und bietet gleichzeitig vier Zylinder. Bimota beschreibt die Leistungscharakteristik als Mischung aus solider Drehmomentkurve im unteren und mittleren Drehzahlbereich und explosiver Leistungsentfaltung in den oberen Regionen. Serienmäßig kommt ein speziell für die KB 399 entwickelter Akrapovič-Schalldämpfer aus Titan zum Einsatz, der den Klang des hochdrehenden Vierzylinders betonen soll. Ebenfalls an Bord ist ein Quickshifter für das Sechsgang-Getriebe, der bei einem derart drehzahlhungrigen Aggregat seinen Sinn mehr als deutlich unter Beweis stellen dürfte.
Bimota-Rahmen mit Kawasaki-Genen
Beim Fahrwerk geht die KB 399 einen etwas anderen Weg als das große Schwestermodell KB998 Rimini. Während die 998er einen aufwendigen Gitterrohrrahmen mit aus dem Vollen gefrästen Aluminiumplatten erhält, setzt die KB 399 auf einen Stahlrahmen mit angeschweißtem Rahmenheck und einer Hinterradschwinge ebenfalls aus Stahl. Diese Konstruktion orientiert sich eng an der Kawasaki Ninja ZX-4RR als technischer Basis. Der Rahmen ist allerdings in einer eigens für dieses Modell entwickelten Farbe lackiert, was dem Ganzen eine eigenständige Optik verleiht.
Trotz der konstruktiven Verwandtschaft zur Kawasaki setzt Bimota bei den Details auf hochwertige Zutaten. Die oberen und unteren Gabelbrücken sowie der Verschlussdeckel des Lenkkopfs bestehen aus Aluminium-Vollmaterial und werden CNC-gefräst. Diese Teile stammen aus der Region Rimini und unterstreichen den handwerklichen Anspruch, den Bimota auch bei einem vergleichsweise erschwinglichen Modell nicht aufgeben möchte.
Showa, Brembo und Öhlins für die Edizione Speciale
Die Federung der Standard-KB 399 übernimmt eine voll einstellbare Showa SFF-BP-Upside-down-Gabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser in Kombination mit einem Showa BFRC-lite-Federbein am Heck. Die Bremsanlage liefert Brembo zu, und zwar in Form von Stylema-Monoblock-Bremszangen mit radialer Aufnahme an einer vorderen Doppelscheibenanlage. Damit liegt das Bremsen-Niveau deutlich über dem, was man in der 400er-Klasse üblicherweise vorfindet.
Wer noch mehr will, greift zur KB 399 ES, der Edizione Speciale. Hier tauscht Bimota das hintere Federbein gegen ein voll einstellbares Öhlins STX46 aus. Zusätzlich gibt es gefräste Hebel, einstellbare Fußrasten und sportlicher positionierte Lenkstummel. Damit dürfte die ES-Version vor allem für den Einsatz auf der Rennstrecke ausgelegt sein.
Carbon, Winglets und italienische Handarbeit
Optisch orientiert sich die KB 399 klar an der großen Schwester KB998 Rimini aus der Superbike-WM. Die Verkleidung wurde von den Bimota-Handwerkern in Italien entworfen und modelliert. Sogar Winglets sind vorhanden, die wie bei der KB998 Rimini für zusätzlichen Abtrieb sorgen sollen.
Bei der Edizione Speciale bestehen die oberen, seitlichen und unteren Verkleidungsteile aus Trocken-Carbonfaser. Die Standard-Version kommt hingegen in der markentypischen Tricolore-Lackierung aus Weiß, Rot und Schwarz. Bei beiden Varianten übernimmt die KB 399 das Digitaldisplay der Kawasaki sowie deren Modus-Auswahl für Leistungsentfaltung und Schlupfregelung.
Das Gewicht hat Bimota bislang nicht offiziell kommuniziert. Die Kawasaki Ninja ZX-4RR bringt nach Werksangaben 189 kg (417 lbs) fahrfertig auf die Waage. Durch den Einsatz von Carbon-Teilen und dem Titan-Schalldämpfer von Akrapovič könnte die KB 399 einige Kilogramm leichter ausfallen.

Bimota und die 400er-Klasse: Keine Premiere
Dass Bimota eine 400er ins Programm nimmt, ist historisch betrachtet kein völliges Novum. Bereits in den 1980er-Jahren produzierte der Hersteller die YB7 Folgore auf Basis der Yamaha FZR 400. Seit der Beteiligung von Kawasaki im Jahr 2019 sind allerdings ausschließlich KB-Modelle auf Kawasaki-Basis im Programm, darunter die KB998 Rimini, die Tesi H2 mit dem Kompressor-Motor der Kawasaki Ninja H2 und die retro-orientierte KB4.
Der Modellname folgt dem bekannten Schema: Das Kürzel KB steht für die Zusammenarbeit zwischen Kawasaki und Bimota, die Zahl 399 leitet sich vom Hubraum ab. Die Zusatzbezeichnung ES kennzeichnet die höherwertige Edizione Speciale.
Verfügbarkeit und Preis
Die Bimota KB 399 soll im Laufe des Jahres 2026 in den Handel kommen und wird auch in Europa erhältlich sein. Konkrete Preise hat Bimota bislang nicht genannt. Die Kawasaki Ninja ZX-4RR als technische Basis kostet in Deutschland aktuell rund 10.000 Euro (circa 10.500 USD). Dass die Bimota-Version mit ihren hochwertigen Fahrwerkskomponenten, dem Akrapovič-Auspuff und den gefrästen Aluminium-Teilen deutlich darüber liegen wird, dürfte sicher sein. Für die Edizione Speciale mit Carbon-Verkleidung und Öhlins-Federbein ist ein nochmals höherer Aufpreis zu erwarten.
Ob die KB 399 auch im Rennsport zum Einsatz kommen könnte, bleibt offen. Die Kawasaki ZX-4RR wird bereits in der Kawasaki Superteen-Klasse in Großbritannien eingesetzt und wechselt 2026 in eine neue Junior-Sportbike-Kategorie. Ein möglicher Einsatz in der neuen World-Sportbike-Klasse wäre denkbar. Bei der KB998 Rimini war der Renneinsatz in der Superbike-WM mit dem BbKRT-Team und den Fahrern Alex Lowes und Axel Bassani von Beginn an Teil des Konzepts.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich.
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