- In Großbritannien sind rund 400.000 zugelassene Motorräder älter als 25 Jahre
- Der Heritage-Sektor soll jährlich bis zu 1,6 Milliarden Pfund (circa 1,84 Milliarden Euro / 2,15 Milliarden US-Dollar) zur britischen Wirtschaft beitragen
- Treibstoffversorgung, Umweltauflagen und Fachkräftemangel bedrohen den Bestand
Der Vintage Motor Cycle Club (VMCC) und der National Motorcyclists‘ Council (NMC) haben gemeinsam ein Grundsatzpapier veröffentlicht, das die Bedeutung des Heritage Motorcycling in Großbritannien unterstreicht. Die beiden Organisationen fordern darin die britische Regierung auf, konkrete Maßnahmen zum Schutz historischer und klassischer Motorräder zu ergreifen. Großbritannien blickt auf mehr als 125 Jahre Motorradgeschichte zurück, geprägt von Erfindungen, technischer Entwicklung und Weltrekorden.
Über 600.000 klassische Motorräder registriert
Die Zahlen im Papier verdeutlichen das Ausmaß des Sektors. Laut einem Bericht von Loop waren 2023 insgesamt 624.805 Vintage- und Klassik-Motorräder in Großbritannien registriert. Der Gesamtwert dieser Flotte wurde in einem HERO-ERA-Bericht von 2020 auf knapp 1,2 Milliarden Pfund (circa 1,38 Milliarden Euro / 1,61 Milliarden US-Dollar) geschätzt. Das entspricht nach Angaben der Organisationen fast 30 Prozent des kombinierten Wertes aller klassischen Autos und Motorräder im Land.
Aktuelle Regierungsstatistiken von 2025 beziffern den gesamten zugelassenen Motorradbestand in Großbritannien auf rund 1,35 Millionen Maschinen. Davon sind geschätzt 400.000 Fahrzeuge älter als 25 Jahre, also rund 30 Prozent aller zugelassenen Motorräder.
Milliardenschwere Wirtschaftsleistung
Die wirtschaftliche Bedeutung geht weit über den reinen Fahrzeugwert hinaus. Clubs, Händler, Teile- und Zubehörspezialisten, Ingenieur- und Fertigungsbetriebe sowie Tourismus, Motorsport, Museen, Auktionshäuser und Veranstaltungen sollen zusammen bis zu 1,6 Milliarden Pfund (circa 1,84 Milliarden Euro / 2,15 Milliarden US-Dollar) pro Jahr zur britischen Wirtschaft beitragen.
Wachsender Druck auf den Sektor
Trotz dieser Bedeutung steht das Heritage Motorcycling laut NMC und VMCC unter zunehmendem Druck. An erster Stelle nennen die Organisationen die Sicherheit der Versorgung mit herkömmlichem Kraftstoff sowie Änderungen der Kraftstoffzusammensetzung, die für ältere Motoren problematisch sein können. Hinzu kommen Umweltauflagen, die laut dem NMC in manchen Fällen schlecht umgesetzt werden.
Auch der Verlust von Fertigungs- und Ingenieurskompetenzen ist ein Thema, das die Verbände als Teil eines breiteren Problems im gesamten britischen Ingenieurwesen einordnen. Weitere Sorgen betreffen mögliche Einschränkungen bei Zugangsrechten zu bestimmten Straßen sowie die Bedrohung durch organisierten Diebstahl hochwertiger Heritage-Maschinen, sowohl innerhalb Großbritanniens als auch international.
Forderungen an die Regierung
VMCC und NMC fordern eine deutlich bessere Anerkennung des Heritage-Sektors und seines sozialen und wirtschaftlichen Werts. Konkret verlangen sie den fortgesetzten Schutz historischer Fahrzeugausnahmen, etwa bei der Hauptuntersuchung (MOT) und den Londoner Umweltzonen (ULEZ). Außerdem sollen die Rahmenbedingungen bei der Fahrzeugzulassungsbehörde DVLA und der Prüforganisation DVSA gestärkt werden, unter anderem durch eine engere Zusammenarbeit mit anerkannten Experten aus Heritage-Organisationen.
Die Regierung solle zudem ihr eigenes Wissen über den Sektor verbessern, etwa zu Nutzungsarten, Sicherheits- und Umweltbilanz, wirtschaftlicher Wirkung und kulturellem Erbe. Darüber hinaus wird ein stärkeres Engagement in den Bereichen Kraftstoffsicherheit sowie Umwelt- und Lärmregulierung gefordert.
VMCC-Präsident fordert gezielte Ausnahmen in künftigen Regelungen
VMCC-Präsident Roger Bibbings sprach von der Notwendigkeit koordinierten Handelns: „To secure the sector’s future, coordinated action is needed across government, industry and civil society. In particular, Government action can protect heritage motorcycling while still meeting environmental and safety goals.“ Auf Deutsch: „Um die Zukunft des Sektors zu sichern, ist koordiniertes Handeln von Regierung, Industrie und Zivilgesellschaft nötig. Insbesondere kann die Regierung das Motorrad-Erbe schützen und gleichzeitig Umwelt- und Sicherheitsziele erfüllen.“
Bibbings ergänzte: „To secure the sector’s future, coordinated action is needed across government, industry and civil society. In particular, Government action can protect heritage motorcycling while still meeting environmental and safety goals.“ Auf Deutsch: „Mit angemessener politischer Unterstützung kann der Sektor weiter florieren und dabei einen minimalen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Gezielte, gut gestaltete Ausnahmen in künftigen Regelungen werden es ermöglichen, dass historische Motorräder noch Jahrzehnte lang ein lebendiger Teil der britischen Kulturlandschaft bleiben.“
VMCC und NMC haben angekündigt, den strukturierten Dialog mit der Regierung und den Vertretern der Vintage- und Klassik-Community fortzusetzen.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Motorradrecht & Politik: Gesetze, Urteile und Entwicklungen für Motorradfahrer. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
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