- Selbstbalancierender Elektroroller mit Gyroskop-Technologie aus der Raumfahrt
- Vorbestellungen ab Ende April 2026 in Indonesien, Marktstart im Mai
- Modulares Design ermöglicht drei verschiedene Fahrzeugkonfigurationen
Ein Zweirad, das nicht umfallen kann. Was nach einer Utopie klingt, will das singapurische Technologieunternehmen OMOWAY nun in Serie bringen. Auf einer Veranstaltung im Jewel Changi Airport in Singapur hat das Startup seinen OMO X vorgestellt und gleichzeitig den offiziellen Start der Massenproduktion verkündet. OMOWAY selbst bezeichnet das Fahrzeug als „das weltweit erste selbstbalancierende Elektromotorrad in Serienproduktion“. Schaut man sich den OMO X allerdings genauer an, handelt es sich in seiner Grundkonfiguration um einen Elektroroller mit Durchstieg. Der Hersteller nutzt den Begriff „Motorcycle“ offensichtlich bewusst, um das Fahrzeug aufzuwerten. Tatsächlich bietet der OMO X aber ein modulares Konzept, das durch wechselbare Verkleidungsteile drei verschiedene Konfigurationen ermöglicht: einen klassischen Roller mit Durchstieg, eine Straßenversion und eine Tourenvariante mit Gepäckmöglichkeiten.
Raumfahrttechnik hält den Roller aufrecht
Das Herzstück des OMO X ist die sogenannte „OMO-ROBOT“-Architektur. Dabei handelt es sich um ein System aus Sensoren, Software und Hardware, das den Roller zu einem „zweirädrigen Roboter“ machen soll, wie OMOWAY es formuliert. Kameras und Sensoren erfassen die Umgebung, Hochleistungsrechner verarbeiten die Daten, und eine physische Stabilisierungstechnik sorgt für die Balance. Die entscheidende Hardwarekomponente ist ein sogenanntes Control Moment Gyroscope, kurz CMG. Solche Kreiselsysteme kommen normalerweise in der Raumfahrt zum Einsatz, etwa um Satelliten im Orbit stabil zu halten. Das Prinzip basiert auf der Erhaltung des Drehimpulses: Ein schnell rotierender Kreisel gleicht Kippbewegungen aktiv aus und hält das Fahrzeug selbst im Stand oder bei extrem niedrigen Geschwindigkeiten aufrecht. In einem Demonstrationsvideo balancierte der OMO X ohne Fahrer auf einer großen Wippe und hielt dabei nicht nur sich selbst, sondern auch die gesamte Konstruktion im Gleichgewicht.
https://www.youtube.com/watch?v=fYkJheYxzCc
In der Praxis soll diese Technologie vor allem eines lösen: die Angst vor dem Umfallen. Gerade für Fahranfänger oder körperlich leichtere Personen kann ein schweres Zweirad im Stand oder bei Schrittgeschwindigkeit zur echten Herausforderung werden. Ein Roller, der sich selbst stabilisiert, könnte diese Einstiegshürde deutlich senken.
HALO Pilot: Mehr als nur Balance
Über die reine Selbstbalance hinaus verfügt der OMO X über ein System namens HALO Pilot. Dieses kombiniert kamerabasierte Umgebungserkennung mit der Stabilisierungstechnik und soll Funktionen bieten, die man bisher eher aus dem Automobilbereich kennt. Dazu gehören laut OMOWAY ein adaptiver Tempomat, eine Ein-Knopf-Parkfunktion und eine Herbeiruf-Funktion, bei der sich der Roller selbstständig zum Fahrer bewegt. Dazu kommt das, was OMOWAY als „vollständige aktive Sicherheit“ beschreibt. Das System soll bei nasser Fahrbahn das Wegrutschen verhindern, in Kurven assistieren und bei plötzlichen Hindernissen im Millisekundenbereich reagieren können. Kameras rund um das Fahrzeug überwachen die Umgebung in alle Richtungen, warnen vor Fahrzeugen im toten Winkel und sollen bei Ablenkung des Fahrers automatisch eine Notbremsung einleiten können. Gesteuert wird das Ganze über ein 10,25 Zoll großes Display im Cockpit. Zusätzlich bietet der OMO X einen digitalen Schlüssel, Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation und kabelloses Laden. Der Roller muss also nicht mit einem Kabel verbunden werden, sondern soll sich einfach über einer kompatiblen Ladeplatte parken lassen.

Drei Fahrzeuge in einem
Eine der ungewöhnlichsten Eigenschaften des OMO X ist sein modulares Konzept. Durch wechselbare Verkleidungsteile lässt sich das Fahrzeug in drei verschiedene Konfigurationen umbauen. Im Scooter-Modus fährt man einen klassischen Roller mit Durchstieg. Im Street-Modus wird daraus ein sportlicheres Zweirad, bei dem zusätzliche Verkleidungsteile den offenen Bereich zwischen Lenker und Sitz schließen. Für den GT-Modus kommen Gepäckträger und seitliche Koffer hinzu, die den Roller in eine Art Tourenvariante verwandeln. Je nach gewähltem Modus passt der OMO X laut OMOWAY auch die Gyroskop-Einstellungen an die veränderte Gewichtsverteilung und die zu erwartenden Geschwindigkeiten an. Das cloudbasierte System soll zudem in der Lage sein, regelmäßig gefahrene Strecken zu erlernen und die Stabilisierung entsprechend vorausschauend anzupassen. Beim Design setzt OMOWAY auf eine futuristische Linie. Statt klassischer Scheinwerfer zieht sich ein durchgehendes Lichtband um die Front des Fahrzeugs, das der Hersteller als „Saberlights“ bezeichnet. Für die Aerodynamik wurde das Fahrzeug laut OMOWAY im Windkanal optimiert, was den Luftwiderstand um 23 Prozent reduziert und die Effizienz um 12 Prozent verbessert haben soll. Noch vor dem Marktstart wurde der OMO X mit dem iF Design Award 2026 ausgezeichnet.
Wer steckt hinter OMOWAY?
Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Singapur und wurde von einem Mitgründer des chinesischen Elektroautoherstellers XPeng ins Leben gerufen. Die Entwicklung findet in Guangzhou in China statt, die Produktion ist in Jakarta angesiedelt. Im Januar 2026 gab OMOWAY bekannt, eine Series-A-Finanzierungsrunde abgeschlossen zu haben. Die Summe wurde mit „mehreren zehn Millionen US-Dollar“ angegeben, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Zu den Investoren gehört unter anderem Hui Capital, gegründet von einem Mitgründer des chinesischen Elektrofahrzeug-Giganten BYD. OMOWAY bezeichnet sich selbst als „Tesla der Motorräder“, was angesichts der tatsächlichen Fahrzeugkategorie durchaus hoch gegriffen ist. Die ambitionierte Selbstbeschreibung zeigt aber, wohin die Reise gehen soll: nicht einfach nur ein Roller, sondern eine neue Fahrzeuggattung, die das Unternehmen als „MotoRobot“ bezeichnet.

Honda und Yamaha hatten die Idee schon früher
Selbstbalancierende Zweiräder sind keine völlig neue Idee. Sowohl Honda als auch Yamaha präsentierten bereits 2017 auf Messen eigene Konzeptfahrzeuge mit ähnlicher Technologie. Honda zeigte damals den Riding Assist, Yamaha das MOTOROiD-Konzept. Beide Prototypen konnten sich im Stand ohne Fahrer aufrecht halten. Über den Status von Technologieträgern kamen diese Projekte allerdings nie hinaus. Keiner der großen Hersteller brachte die Technologie bislang in ein Serienfahrzeug. Auch das chinesische Unternehmen Da Vinci Motors stellte bereits 2021 ein selbstbalancierendes Elektromotorrad vor, das dem Fahrer sogar autonom folgen können sollte. Das Fahrzeug wurde für rund 27.500 US-Dollar angekündigt, ist aber bis heute nicht regulär erhältlich. OMOWAY wäre also tatsächlich das erste Unternehmen, das ein selbstbalancierendes Zweirad in die Serienproduktion bringt, wenn die angekündigten Pläne wie vorgesehen umgesetzt werden.
Marktstart zunächst nur in Indonesien
Einen weltweiten Verkaufsstart wird es vorerst nicht geben. OMOWAY konzentriert sich zunächst auf Indonesien, einen der größten Zweiradmärkte der Welt. Vorbestellungen sollen dort Ende April 2026 starten, die offizielle Markteinführung ist für Ende Mai in Jakarta geplant. Das Unternehmen gibt an, bereits Dutzende lokale Distributoren unter Vertrag zu haben, die über jahrzehntelange Erfahrung in der Motorradbranche verfügen. Das Händlernetz soll mehr als 100 Standorte in wichtigen Regionen umfassen, darunter Jakarta, Bandung, Surabaya und Bali. Südostasien insgesamt ist als erster Kernmarkt vorgesehen, ein globaler Rollout soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Konkrete Preise und vollständige technische Daten hat OMOWAY bisher nicht veröffentlicht. Diese sollen erst näher am Marktstart bekannt gegeben werden. Frühere Berichte aus dem vergangenen Jahr nannten eine Preisschätzung von rund 3.800 US-Dollar (circa 3.540 Euro), ob diese noch aktuell ist, bleibt offen. Auch Angaben zu Leistung, Batteriekapazität und Reichweite fehlen bislang vollständig.
Nicht nur ein Roller: OMOWAY denkt weiter
Neben dem OMO X stellte OMOWAY auf der Veranstaltung in Singapur auch den Mobility One vor, einen Mehrzweck-Roboter auf zwei Rädern. Das Gerät nutzt dieselbe Balance- und Autonomietechnologie wie der Roller und soll perspektivisch in der Logistik und im Servicebereich eingesetzt werden. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Lieferrobotern auf vier Rädern: Durch die zweirädrige Bauweise soll der Mobility One auch durch schmale Gassen, Türen und sogar Aufzüge navigieren können. Gründer Todd sagte dazu: „Only embodied intelligence can truly serve humanity.“ (Übersetzung: „Nur verkörperte Intelligenz kann der Menschheit wirklich dienen.“) Die langfristige Vision von OMOWAY geht also deutlich über einen einzelnen Elektroroller hinaus. Das Unternehmen sieht sich als Robotik-Firma, die zweirädrige Plattformen entwickelt, nicht als klassischer Rollerhersteller. Ob der OMO X im Alltag hält, was die eindrucksvollen Demonstrationen versprechen, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die ersten Kunden das Fahrzeug tatsächlich im Straßenverkehr bewegen. Die Herausforderungen realer Bedingungen wie unebener Untergrund, unberechenbare Verkehrssituationen und Dauerbelastung lassen sich in einer kontrollierten Bühnenumgebung nur bedingt simulieren.

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Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit der Redaktion.
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