- Unabhängiger Test durch das finnische Forschungszentrum VTT bestätigt hohe Ladegeschwindigkeiten der Donut Lab Feststoffbatterie
- 80 Prozent Ladestand in unter fünf Minuten bei 11C, volle Ladung in etwa sieben Minuten
- Branchenexperten und Wissenschaftler bezweifeln weiterhin, dass die Kombination aller beworbenen Eigenschaften technisch möglich ist
Als Donut Lab auf der CES Anfang Januar 2026 eine angeblich serienreife Feststoffbatterie präsentierte, war das Staunen in der Branche groß. Eine Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg), eine vollständige Ladung in fünf Minuten und eine Lebensdauer von 100.000 Zyklen, so die Versprechen des finnischen Startups. Zum Vergleich: Aktuelle Lithium-Ionen-Akkus erreichen zwischen 250 und 300 Wh/kg, und die Kombination aus hoher Energiedichte, extremer Ladegeschwindigkeit und langer Haltbarkeit galt bislang als technisch kaum vereinbar.

Massive Kritik nach der CES-Präsentation
Die Reaktion der Fachwelt fiel entsprechend skeptisch aus. Außer einigen Mockups hatte Donut Lab auf der Messe in Las Vegas keine belastbaren Daten oder funktionsfähige Prototypen vorgezeigt. Yang Hongxin, Chef des chinesischen Batterieherstellers Svolt Energy, formulierte es unverblümt: „Alle Parameter widersprechen sich… Jeder, der auch nur über grundlegende Kenntnisse dieser Technologie verfügt, würde denken, dass es sich um einen Betrug handelt.“ („All parameters contradict each other… Anyone with even basic knowledge of this technology would think it’s a scam.“)
Auch auf YouTube nahmen mehrere Fachleute die Ankündigungen auseinander. Der britische Elektroantriebs-Spezialist Ryan Hughes analysierte auf seinem Kanal „Ziroth Tech“ die bekannten Angaben und kam zu einem ernüchternden Ergebnis. Nach Auswertung des aktuellen Forschungsstands und Gesprächen mit Experten schätze er die Wahrscheinlichkeit, dass die Batterie in der beworbenen Form tatsächlich existiert, als „sehr gering“ ein.
Die Kondensator-These und wissenschaftliche Einwände
Hughes stützte seine Skepsis auf mehrere Beobachtungen. Der angebliche Verzicht auf Lithium, die lange Lebensdauer, die schnelle Aufladbarkeit und die anpassbare Betriebsspannung würden eher auf einen Kondensator hindeuten als auf einen klassischen Akku. Tatsächlich zeigten vertrauliche Investorendokumente eine Verbindung zwischen Donut Lab und dem Unternehmen Nordic Nano, das zuvor mit der Entwicklung eines Kondensators zur Energiespeicherung Kapital eingeworben hatte. Für diesen werden ähnliche Spezifikationen genannt, darunter ebenfalls eine Energiedichte von 400 Wh/kg.
Verschiedene wissenschaftliche Ansätze, etwa Pseudokondensatoren mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen, erreichten zwar auf Materialebene hohe Energiedichten. Als vollständiges System lägen die Werte jedoch deutlich niedriger. Der finnische Batterieforscher Juho Heiska wies zudem darauf hin, dass die notwendigen Beschichtungsverfahren für Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit Titanoxid sehr aufwendig seien, was dem Versprechen einer günstigen Herstellung widerspreche.
Donut Lab reagiert mit unabhängigen Tests
Donut Lab CEO Marko Lehtimäki erklärte die zunächst zurückhaltende Informationspolitik als bewusste Strategie. Er sprach davon, dass man die lautesten Stimmen in der Industrie zuerst habe sprechen lassen, damit auch außerhalb der Batteriebranche verstanden werde, wie groß der Durchbruch sei, den man auf den Markt bringen wolle. Anschließend könne man die Zweifler zum Verstummen bringen, wenn die Beweise vorlägen.
Für die unabhängige Überprüfung beauftragte Donut Lab das VTT Technical Research Centre of Finland, eine staatliche Forschungseinrichtung mit Sitz in Espoo bei Helsinki. Das VTT ist vergleichbar mit der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft und gilt als Brücke zwischen akademischer Wissenschaft und industrieller Anwendung. Die Ergebnisse sollen im Rahmen einer „I Donut Believe“-Kampagne über mehrere Wochen verteilt vorgestellt werden, jeweils ein Aspekt pro Woche per YouTube-Video.
Die VTT-Testergebnisse im Detail
Getestet wurde eine einzelne prismatische Feststoff-Zelle mit folgenden Spezifikationen: 26 Amperestunden (Ah) Nennkapazität, 3,6 Volt Nennspannung und 94 Wattstunden (Wh) Energieinhalt bei einer maximalen Ladespannung von 4,3 Volt. Die Versuche fanden bei Raumtemperatur statt, bewusst ohne aktive Kühlung. Stattdessen kamen zwei passive Kühlkonfigurationen zum Einsatz: einmal mit zwei Aluminiumplatten auf beiden Seiten der Zelle und einmal mit nur einer Kühlplatte auf der Unterseite.
Bei den Tests mit 5C (130 Ampere Ladestrom) erreichte die Zelle 80 Prozent Ladestand nach 9,5 Minuten. Die vollständige Ladung dauerte je nach Kühlkonfiguration zwischen knapp zwölf und 13,5 Minuten. Bemerkenswert: Im anschließenden Entladevorgang stand nahezu 100 Prozent der geladenen Kapazität wieder zur Verfügung. Die Oberflächentemperatur blieb bei beidseitiger Kühlung bei 47 Grad Celsius, bei einseitiger Kühlung stieg sie auf 61,5 Grad.
Deutlich eindrucksvoller fielen die 11C-Tests (286 Ampere) aus. Hier war die Zelle nach 4,5 bis fünf Minuten auf 80 Prozent geladen, die vollständige Ladung auf 100 Prozent dauerte etwas über sieben Minuten. Die Energieeffizienz lag bei 98,4 bis 99,6 Prozent. Allerdings zeigte sich bei einseitiger Kühlung ein kritischer Punkt: Die Oberflächentemperatur erreichte 90 Grad Celsius, was zum Abbruch eines Testlaufs führte. Nach einer vierminütigen Abkühlphase konnte der Versuch fortgesetzt werden. Bei beidseitiger Kühlung lag die Temperatur bei etwa 63 Grad.
Beeindruckend, aber nicht ganz wie versprochen
Die VTT-Ergebnisse bestätigen die Behauptung einer vollständigen Fünf-Minuten-Ladung also nicht komplett. Fünf Minuten reichten bei 11C für 80 Prozent, nicht für 100 Prozent. Die vollständige Ladung dauerte über sieben Minuten. Donut Lab argumentiert allerdings, dass in einem realen Elektrofahrzeug aktive Kühlsysteme zum Einsatz kämen, die deutlich mehr Leistung aus der Zelle herausholen könnten als die passiven Laboraufbauten.
Ein technischer Vorteil gegenüber vielen konkurrierenden Feststoffkonzepten zeigte sich bei der mechanischen Belastbarkeit. Während alternative Feststoffbatterien oft einen hohen Kompressionsdruck benötigen und sich während des Ladevorgangs um bis zu 20 Prozent ausdehnen, kam die Donut-Zelle ohne spezielle Kompression aus und blieb formstabil. Das könnte die Integration in Batteriepacks erheblich vereinfachen.
Das VTT hielt in seinen Schlussfolgerungen fest, dass die Zelle unter den festgelegten Testbedingungen erfolgreich mehr als neun Minuten lang mit 5C und mehr als drei Minuten lang mit 11C geladen wurde. Bei der anschließenden Entladung hätten 98,4 bis 99,6 Prozent der geladenen Kapazität zur Verfügung gestanden.

Verflechtungen zwischen Donut Lab und Verge Motorcycles
Für die Motorradwelt ist die Donut Lab Batterie von besonderem Interesse, weil der finnische Elektromotorrad-Hersteller Verge Motorcycles das erste Serienfahrzeug mit dieser Technologie auf den Markt bringen will. Das Modell Verge TS Pro soll noch im ersten Quartal 2026 mit der Feststoffbatterie ausgestattet werden und eine Reichweite von 600 Kilometern ermöglichen.
Allerdings ist die Partnerschaft zwischen Donut Lab und Verge Motorcycles keine Kooperation zweier voneinander unabhängiger Unternehmen. Donut Lab ist eine Tochtergesellschaft von Verge Motorcycles und existiert seit 2018, operierte aber sechs Jahre lang im sogenannten Stealth-Modus. Donut Lab CEO Marko Lehtimäki gehört zum Gründerteam von Verge, dessen operatives Geschäft wiederum von seinem Bruder Tuomo Lehtimäki geleitet wird. Dieses Verhältnis wurde 2024 in einem Social-Media-Beitrag öffentlich gemacht, auf den Firmenwebseiten wird die Verflechtung allerdings kaum erwähnt.
Fragwürdige Methoden bei der Kapitalbeschaffung
Neben den wissenschaftlichen Zweifeln gibt es auch Hinweise auf problematische Geschäftspraktiken. Ein Investor wirft Donut Lab vor, Privatanleger in Finnland mit unaufgeforderten Anrufen und zeitlich begrenzten Sonderangeboten unter Druck gesetzt zu haben. Hohe Renditeversprechen und künstlich erzeugte Dringlichkeit gelten in der Startup-Branche als Warnzeichen, da Unternehmen mit tatsächlich revolutionären Technologien in der Regel Kapital von Großinvestoren oder Industriepartnern erhalten.
Was noch offen bleibt
Die bisher veröffentlichten VTT-Ergebnisse betreffen ausschließlich die Ladegeschwindigkeit einer einzelnen Zelle. Zu den weiteren Versprechen, insbesondere zur Energiedichte von 400 Wh/kg und zur Lebensdauer von 100.000 Zyklen, gibt es noch keine unabhängig geprüften Daten. Ebenso fehlen Informationen zur Langzeit-Zyklenfestigkeit, zur Selbstentladung und zum Verhalten im Modul- und Packverbund. Die industrielle Skalierbarkeit der Fertigung ist ebenfalls ungeklärt.
Die scheibchenweise Veröffentlichung per wöchentlichem YouTube-Video mag als Transparenz-Offensive gemeint sein, erinnert in der Umsetzung aber eher an eine Marketingkampagne als an eine wissenschaftliche Ergebnisveröffentlichung. Ob Donut Lab in den kommenden Wochen genügend Belege liefern kann, um die erheblichen Zweifel der Fachwelt auszuräumen, bleibt abzuwarten.
Was das für Motorradfahrer bedeutet
Sollte sich die Technologie von Donut Lab tatsächlich als praxistauglich erweisen, wäre das speziell für Elektromotorräder ein enormer Schritt. Eines der größten Argumente gegen elektrische Zweiräder ist nach wie vor die begrenzte Reichweite in Kombination mit langen Ladezeiten. Eine Batterie mit 400 Wh/kg Energiedichte und der Möglichkeit, in wenigen Minuten auf 80 Prozent zu laden, würde dieses Problem theoretisch weitgehend lösen. Das Verge TS Pro als erstes angekündigtes Serienmodell mit dieser Technologie verspricht 600 Kilometer Reichweite, was selbst für längere Touren ausreichend wäre. Gleichzeitig würde der Wegfall aufwendiger Kühlsysteme und schwerer Kompressionsgehäuse das Gewicht senken, ein Faktor, der bei Motorrädern deutlich stärker ins Fahrgefühl eingreift als beim Auto. Allerdings stehen hinter all diesen Versprechen bislang nur Laborergebnisse einer einzelnen Zelle und die erheblichen Zweifel der Fachwelt an der Gesamttechnologie. Bevor hier nicht weitere unabhängige Tests vorliegen und ein funktionierendes Serienprodukt auf der Straße steht, bleibt gesunde Skepsis die angemessene Haltung.

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