- Marco Bezzecchi gewinnt den USA-GP und feiert seinen fünften Sieg in Serie
- Francesco Bagnaia wird nur Zehnter und räumt ein: „Aprilia ist vorne, und zwar deutlich“
- Marc Marquez gibt zu, dass er körperlich nicht in der Lage ist, den Unterschied auszumachen
Nach drei Rennwochenenden der MotoGP-Saison 2026 zeichnet sich ein Bild ab, das vor wenigen Monaten kaum vorstellbar war: Ducati, jahrelang das dominierende Werksteam der Königsklasse, steckt in einer ernsthaften Krise. Beim Grand Prix der Vereinigten Staaten auf dem Circuit of the Americas in Austin feierte Aprilia mit Marco Bezzecchi und Jorge Martin den zweiten Doppelsieg in Folge. Kein Ducati-Fahrer stand auf dem Podium. Die Fahrer aus Borgo Panigale finden sich in einer ungewohnten Rolle wieder, und die Aussagen von Francesco Bagnaia und Marc Marquez nach dem Rennen lassen wenig Raum für Optimismus.

Bezzecchi unaufhaltsam: Fünf Grand-Prix-Siege in Folge
Marco Bezzecchi setzte seine beeindruckende Serie am Sonntag in Austin fort. Nach seinem Sturz im Sprint am Samstag, bei dem er die Führung verlor und punktelos blieb, schlug der VR46-Aprilia-Pilot im Hauptrennen eindrucksvoll zurück. Bereits nach wenigen Kurven übernahm der Italiener die Führung von Pedro Acosta, wobei es zum leichten Kontakt zwischen den beiden kam und Bezzecchis Verkleidung leicht beschädigt wurde. Das änderte jedoch nichts am Ausgang des Rennens. Bezzecchi kontrollierte die 20 Runden souverän und gewann mit einer Sekunde Vorsprung auf Teamkollege Martin, der sich zuvor nach einem Verbremser in Kurve 1 Platz zwei von Acosta zurückgeholt hatte.
Mit diesem Triumph reihte sich Bezzecchi in illustre Gesellschaft ein. In der modernen MotoGP-Ära gelang es vor ihm nur Valentino Rossi und Marc Marquez, fünf Grand-Prix-Siege in Folge einzufahren. Zudem eroberte Bezzecchi die WM-Führung von Martin zurück, der seinerseits am Samstag den Sprint gewonnen hatte. Aprilia-CEO Massimo Rivola, der sich in den Wochen zuvor stets betont zurückhaltend geäußert hatte, wurde nach dem erneuten Doppelsieg deutlich: „Wir haben aktuell das beste Motorrad!“
Bagnaia kapituliert: „Aprilia ist vorne, und zwar deutlich“
Das Wochenende von Francesco Bagnaia fasste die Probleme der Ducati Desmosedici GP26 wie unter einem Brennglas zusammen. Im Sprint am Samstag kämpfte der Italiener noch um den Sieg und wurde erst in der letzten Runde von Martin geschlagen, was Platz zwei bedeutete. Doch im Hauptrennen am Sonntag fiel der zweifache Weltmeister komplett auseinander. Nach einer halbwegs ordentlichen ersten Rennhälfte, in der er sich im Windschatten von Di Giannantonio halten konnte, baute Bagnaia ab der achten Runde massiv ab.
„Heute lief es sehr schlecht“, sagte er nach dem Rennen. Er habe bereits im Warm-up gemerkt, dass sich das Motorrad schwerer anfühle und weniger Grip biete als am Vortag. Der Hinterreifen sei bereits nach acht Runden am Ende gewesen, obwohl er gar nicht versucht habe, besonders zu pushen. In den letzten drei bis vier Runden habe er laut eigener Aussage bei jedem Einlenken in eine Rechtskurve das Hinterrad verloren und sei „wirklich am Limit“ gewesen. Auf der letzten Runde überholte ihn Luca Marini noch auf der Außenbahn, ohne dass Bagnaia etwas dagegen ausrichten konnte. Am Ende wurde er nur Zehnter, nachdem ihn auch Alex Marquez und Raul Fernandez in der Schlussphase kassierten.

Auf die Frage, ob Ducati noch das Motorrad sei, das es zu schlagen gelte, antwortete Bagnaia unmissverständlich: „Aprilia ist vorne, und zwar deutlich.“ Der entscheidende Unterschied liege im Reifenmanagement. Aprilia schaffe es, die Reifen auch bei hohem Tempo nicht übermäßig zu beanspruchen. Ducati dagegen habe ein grundlegendes Problem: „Wir waren immer stark im Reifenmanagement, aber jetzt sind wir dadurch limitiert, dass das Motorrad nicht ausreichend verzögert und nicht sauber einlenkt. Deshalb müssen wir den Hinterreifen benutzen und verschleißen ihn zu schnell.“
Das Muster zieht sich durch die gesamte bisherige Saison. Schon in Thailand beim Saisonauftakt und beim Rennen in Goiânia (Brasilien) hatte Bagnaia am Sonntag mit exakt denselben Problemen zu kämpfen. Die Sprints am Samstag, bei denen die Reifen weniger beansprucht werden, verlaufen für ihn deutlich besser. Doch über die volle Renndistanz fehlt der Ducati offenbar die Balance, die Aprilia aktuell perfekt hinbekommt.
Marquez resigniert: „Ich kann den Unterschied nicht mehr ausmachen“
Noch besorgniserregender als Bagnaias Reifenprobleme sind die Eingeständnisse von Marc Marquez. Der neunmalige Weltmeister und Titelverteidiger fuhr auf dem Circuit of the Americas, der traditionell zu seinen stärksten Strecken zählt, ein Rennen, das vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Sieben Siege holte er zwischen 2013 und 2025 in Austin, dazu stürzte er dreimal auf Siegkurs. Doch beim USA-GP 2026 spielte Marquez an der Spitze zu keinem Zeitpunkt eine Rolle.
Bereits im Qualifying verlor er satte 0,501 Sekunden auf Polesitter Di Giannantonio und musste sich mit dem sechsten Startplatz begnügen. Im Sprint am Samstag räumte er dann seinen Markenkollegen Di Giannantonio in Kurve 12 ab, als ein Überholversuch missglückte. Beide landeten im Kiesbett, Di Giannantonio musste das Rennen aufgeben. Die Folge war eine Long-Lap-Penalty für das Hauptrennen, die Marquez am Sonntag in der vierten Runde absolvierte. Er fiel dadurch von Platz sieben auf elf zurück und musste sich anschließend mühsam nach vorne arbeiten. Am Ende rettete er mit einem intensiven Duell gegen Enea Bastianini den fünften Platz.
„Wir haben das Maximum herausgeholt“, sagte Marquez nach dem Rennen. Er räumte aber ein, dass es selbst ohne Strafe nicht für den Sieg gereicht hätte: „Nein. Das Podium wäre möglich gewesen, aber ich hätte nicht um den Sieg kämpfen können.“ Die Ursache liege nicht am Motorrad, sondern bei ihm selbst. „Ich selbst fehle. Nicht das Motorrad, ich selbst. Wenn die Reifen frisch sind, wird das Motorrad aggressiver und dann kann ich es momentan einfach nicht mehr richtig fahren.“
Die schwere Schulterverletzung, die sich Marquez beim Grand Prix von Indonesien 2025 zugezogen hatte, ist offensichtlich noch immer nicht vollständig ausgeheilt. Bereits am Freitag in Austin hatte er zugegeben, dass er das Motorrad speziell im kurvigen ersten Sektor nicht wie gewünscht um die Strecke wuchten könne. Es fehle ihm schlicht an Kraft. In den ersten Runden fahre er aktuell nicht gut, erst mit fortschreitender Renndauer gewöhne er sich besser an das Motorrad. „Ich fahre aber nicht in einer natürlichen Position, ich fahre einfach nur vor mich hin“, erklärte er. Der Satz, der am meisten nachhallte: „Ich bin immer noch schnell, aber ich kann den Unterschied nicht mehr ausmachen!“

Ducati intern: Dall’Igna unter Druck, Tardozzi schlägt Alarm
Die Probleme beschränken sich nicht auf die beiden Spitzenfahrer. Auch im Hintergrund rumort es bei Ducati. Teammanager Davide Tardozzi hatte schon nach dem Brasilien-GP ungewöhnlich offene Worte gewählt und erklärt, man könne sich nicht immer nur auf Marc Marquez verlassen, um die Schwächen des Motorrads zu kompensieren. Ducati müsse das eigene Niveau anheben, um Aprilia herausfordern zu können. Technikchef Gigi Dall’Igna arbeite seit dem Winter daran, die Probleme zu beheben, doch Fortschritte seien nicht leicht zu erzielen, weil Aprilia gleichzeitig so gute Arbeit leiste.
Nach 88 Podiumsplätzen in Folge war Ducati bereits beim Saisonauftakt in Thailand erstmals ohne Top-3-Ergebnis geblieben. In Brasilien schaffte es Di Giannantonio immerhin als Dritter aufs Podest, doch mit deutlichem Rückstand auf die dominierenden Aprilias. In Austin nun erneut kein Podium für einen Ducati-Fahrer. Dall’Igna hatte nach dem Brasilien-GP eingeräumt, das Wochenende sei „unter den Erwartungen“ geblieben, und betont, man müsse „geduldig bleiben und nicht in Panik verfallen“.
Beobachter im Fahrerlager sehen die Situation kritischer. Ducati habe mit dem Motorrad des Jahres 2024 offenbar den Zenit erreicht. Klare technische Fortschritte habe es 2025 nicht gegeben, und auch die GP26 scheine nicht das erhoffte Upgrade darzustellen. Nur Marc Marquez habe mit seinem Talent und seiner damaligen Topform die Ducati-Dominanz 2025 künstlich am Leben gehalten. Im Gegenzug habe Aprilia unter der Leitung von Technikdirektor Fabiano Sterlacchini, der sich im zweiten Jahr bei dem Hersteller aus Noale befindet, konsequent weiterentwickelt. Die RS-GP sei mittlerweile auf allen Strecken und unter nahezu allen Bedingungen konkurrenzfähig.
Ein weiterer Aspekt, der Ducati Sorgen bereiten dürfte: Alle vier Aprilia-Maschinen befinden sich nach drei Rennwochenenden unter den ersten sieben der WM-Gesamtwertung. Neben Bezzecchi und Martin liegen auch die Trackhouse-Piloten Raul Fernandez und Ai Ogura weit vorne. Ogura hatte in Austin sogar auf Podiumskurs gelegen, bevor ihn ein technischer Defekt zur Aufgabe zwang.
WM-Stand: Bezzecchi führt, Marquez bereits 36 Punkte zurück
Nach dem dritten Rennwochenende führt Bezzecchi die Gesamtwertung an, dicht gefolgt von Martin. Pedro Acosta liegt als bester KTM-Pilot auf dem dritten Rang. Titelverteidiger Marquez ist als WM-Fünfter bereits 36 Punkte von der Spitze entfernt. Bagnaia, der im Vorjahr noch Vizeweltmeister war, liegt nur auf dem achten Platz.
Die nächste Chance, die Verhältnisse zu korrigieren, bietet sich erst am Wochenende des 24. bis 26. April beim Grand Prix von Spanien in Jerez. Die dreiwöchige Pause ergibt sich durch die Verschiebung des Katar-Grand-Prix ans Saisonende im November. Am Montag nach dem Rennen in Jerez steht zudem ein offizieller Testtag auf dem Programm, der für Ducati die letzte Gelegenheit sein könnte, entscheidende technische Änderungen auszuprobieren. Ob die drei Wochen Pause reichen, um sowohl am Motorrad als auch an Marquez‘ körperlicher Verfassung etwas zu ändern, bleibt abzuwarten.

Häufige Fragen
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Wer hat den MotoGP USA-GP 2026 in Austin gewonnen?
Marco Bezzecchi gewann den Grand Prix der Vereinigten Staaten 2026 auf dem Circuit of the Americas in Austin auf seiner Aprilia. Es war sein fünfter Sieg in Folge. Jorge Martin komplettierte den zweiten Aprilia-Doppelsieg in Serie als Zweiter, Pedro Acosta wurde auf der KTM Dritter.
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Warum ist Ducati in der MotoGP-Saison 2026 nicht mehr dominant?
Ducati kämpft mit Problemen beim Reifenmanagement und der Fahrzeugbalance der Desmosedici GP26. Das Motorrad baut den Hinterreifen in den Sonntagsrennen übermäßig schnell ab, weil es laut Francesco Bagnaia nicht ausreichend verzögert und nicht sauber einlenkt. Gleichzeitig hat Titelverteidiger Marc Marquez mit den Folgen seiner Schulterverletzung aus dem Jahr 2025 zu kämpfen.
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Wie viele Punkte Rückstand hat Marc Marquez in der MotoGP-WM 2026?
Nach drei von 22 Rennwochenenden liegt Marc Marquez als WM-Fünfter bereits 36 Punkte hinter dem Führenden Marco Bezzecchi. Der Rückstand erklärt sich unter anderem durch seine noch nicht vollständig ausgeheilte Schulterverletzung und die Long-Lap-Penalty im Austin-GP.
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Wann findet das nächste MotoGP-Rennen 2026 statt?
Das nächste MotoGP-Rennen ist der Grand Prix von Spanien in Jerez vom 24. bis 26. April 2026. Die dreiwöchige Pause nach Austin entsteht durch die Verschiebung des Katar-GP auf November. Am Montag nach dem Rennen in Jerez gibt es einen offiziellen Testtag.
- DR. O.K.WACK 2409DR. O.K.WACK Bekleidungspflege-/reparatur, Motorrad 2409 0.1l








