- Dritter Sepang-Test der Honda RC214V seit Dezember 2025
- Aleix Espargaro könnte erstmals den 850er-Prototyp fahren
- Alle fünf MotoGP-Hersteller haben inzwischen 850er-Maschinen getestet
Während die MotoGP-Teams nach dem US-Grand-Prix in Austin eine dreiwöchige Rennpause nutzen, herrscht bei Honda Racing Corporation in Malaysia alles andere als Stillstand. Am Sepang International Circuit haben sich die HRC-Testfahrer Aleix Espargaro und Takaaki Nakagami für einen mehrtägigen Privattest eingefunden. Es ist das erste Mal, dass beide Testpiloten gemeinsam vor Ort sind, was auf eine deutliche Intensivierung des 850er-Programms hindeutet.

Dritter Sepang-Test seit dem Debüt im Dezember
Die Geschichte der Honda RC214V auf der Rennstrecke ist noch jung. Am 17. Dezember 2025 rollte der Prototyp mit dem auf 850 Kubikzentimeter reduzierten Motor erstmals über den Asphalt des Sepang International Circuit. Takaaki Nakagami saß damals am Lenker und lieferte einen ersten, durchaus positiven Eindruck ab. Der erste Eindruck sei, dass das Motorrad sich superleicht anfühle, so Nakagami. Das habe ihn unter den gegebenen Bedingungen ein wenig überrascht.
Allerdings machte anhaltender Regen dem ersten Rollout einen Strich durch die Rechnung. Honda konnte damals kaum aussagekräftige Trockendaten sammeln. Im Januar 2026 folgte deshalb ein zweiter privater Test über zwei Tage, ebenfalls in Sepang. Diesmal blieb die Strecke trocken, und das Team konnte deutlich produktiver arbeiten. Am 12. März veröffentlichte Honda dann erstmals Videomaterial vom Dezember-Rollout und gab damit der Öffentlichkeit einen ersten Blick auf die RC214V.
Der aktuelle Test ist also bereits der dritte Aufenthalt des 850er-Prototyps in Malaysia. Social-Media-Beiträge von Espargaro deuten auf trockene und sonnige Bedingungen hin, was Honda diesmal deutlich bessere Voraussetzungen für die Datensammlung bieten dürfte.
Espargaro vor dem Wechsel auf die 850er-Maschine
Besonders interessant ist die Anwesenheit von Aleix Espargaro beim aktuellen Test. Der Spanier, der zur Saison 2025 gemeinsam mit Aprilia-Cheftechniker Romano Albesiano vom aktiven Rennsport zu Honda gewechselt war, hatte sich bislang ausschließlich auf die Weiterentwicklung der aktuellen RC213V für die laufende Saison 2026 konzentriert.
Bei den MotoGP-Wintertests 2025/2026 hatte Espargaro die geplante Aufgabenteilung so beschrieben: Nakagami solle mindestens während der ersten drei Monate des Jahres 2026 mit der 850er arbeiten, während er selbst auf Wunsch von Albesiano beim bestehenden 2026er-Motorrad bleibe. Erst in der zweiten Jahreshälfte wolle er dann auf das 850er-Projekt wechseln.
Ursprünglich war der offizielle MotoGP-Test in Barcelona am 18. Mai als Zeitpunkt vorgesehen, ab dem Espargaro vollständig auf die RC214V umsteigen sollte. Dass er nun bereits Anfang April in Sepang vor Ort ist, könnte darauf hindeuten, dass Honda den Zeitplan vorgezogen hat. Sollte Espargaro tatsächlich den 850er-Prototyp bewegen, wäre es sein erster Einsatz auf der neuen Maschine.
RC214V: Bekannte Basis mit neuem Motor
Die Bezeichnung RC214V folgt der klassischen Honda-Nomenklatur für MotoGP-Maschinen. Nach der RC211V mit 990 Kubikzentimetern und V5-Motor, der RC212V mit 800 Kubikzentimetern und der aktuellen RC213V mit knapp 1000 Kubikzentimetern steht die Ziffer 4 für die vierte Motorengeneration in der Königsklasse.
Technisch basiert der Prototyp noch weitgehend auf der aktuellen Maschinengeneration. Die aerodynamische Konfiguration ähnelt dem 2026er-Modell und entspricht damit noch nicht den künftigen Vorgaben. Ab 2027 müssen Frontverkleidungen fünf Zentimeter schmaler und kürzer ausfallen. Zusätzlich wird die Höhe des Hecks inklusive sämtlicher Flügelelemente um zehn Zentimeter reduziert. Ride-Height-Systeme, die das Motorrad während der Fahrt absenken, sind beim Prototyp bereits nicht mehr verbaut, was den künftigen Regeln entspricht.
Der neue 850er-Motor ist dabei keine bloße Verkleinerung des bestehenden Triebwerks, sondern soll eine eigenständige Konstruktion sein. In Kombination mit den Pirelli-Reifen, die ab 2027 Michelin als Einheitsausstatter ablösen, ergibt sich ein komplett neues Gesamtpaket.
Honda und KTM als Vorreiter der 850er-Ära
Honda war nach KTM der zweite MotoGP-Hersteller, der einen 850er-Prototyp auf die Strecke gebracht hat. KTM hatte seinen ersten Rollout bereits im Dezember 2025 in Jerez mit Testfahrer Pol Espargaro absolviert. Inzwischen haben alle fünf Hersteller im Feld ihre 2027er-Maschinen bewegt. In der vergangenen Woche testeten KTM, Ducati mit Michele Pirro, Aprilia mit Lorenzo Savadori und Yamaha mit Andrea Dovizioso gemeinsam in Jerez. Dort kamen auch erstmals bei allen vier Herstellern die neuen Pirelli-Reifen zum Einsatz.
KTM-Technikchef Sebastian Risse äußerte sich in einem Interview zuversichtlich: Die Rundenzeiten der 850er-Maschinen seien auf manchen Strecken wie Jerez und Misano nicht deutlich langsamer als die der aktuellen 1000er-Generation. Das lässt vermuten, dass der Leistungsverlust durch den geringeren Hubraum zumindest teilweise durch andere Faktoren kompensiert wird.
Das 2027er-Reglement: Mehr als nur kleinere Motoren
Die Saison 2027 bringt die umfassendste Regeländerung seit der Einführung der 1000-cm³-Klasse im Jahr 2012. Neben der Hubraumreduzierung auf 850 Kubikzentimeter umfasst das neue Reglement den Wegfall der Ride-Height-Systeme, deutlich eingeschränkte Aerodynamik, den verpflichtenden Einsatz von zu 100 Prozent nicht fossilem Kraftstoff sowie den Wechsel von Michelin zu Pirelli als Reifenlieferant.
Pirelli-Motorsportchef Giorgio Barbier erklärte, dass die Hersteller-Testteams einen gemeinsamen Kalender mit vier bis sechs Rennstrecken für private Tests vorbereiten würden. So könne Pirelli die Mischungen und Karkassen auf die Eigenheiten verschiedener Strecken abstimmen und gleichzeitig Erfahrung sammeln. Der erste offizielle Test mit dem kompletten MotoGP-Fahrerfeld auf Pirelli-Reifen und 2027er-Maschinen soll am 22. Juni in Brno stattfinden.
Blick auf die aktuelle Saison: Honda sucht den Anschluss
Parallel zur Zukunftsarbeit läuft die aktuelle MotoGP-Saison 2026 für Honda weiterhin schwierig. Nach sechs absolvierten Rennen ist Luca Marini auf dem zehnten Gesamtrang der beste Honda-Fahrer. Teamkollege Joan Mir kam fünfmal nicht ins Ziel. Obwohl die Wintertests vielversprechend verlaufen waren, konnte das 2026er-Paket im Rennbetrieb bislang nicht die erhofften Ergebnisse liefern.
An der aktuellen RC213V kann Honda beim Motor keine Updates mehr vornehmen, arbeitet aber weiterhin an der Aerodynamik. Hält der Hersteller am ursprünglichen Plan fest, dürften in Sepang beide MotoGP-Varianten parallel erprobt werden: die 2026er-Maschine für die laufende Saison und der 850er-Prototyp für die Zukunft.
Fahrermarkt 2027: Honda rüstet auf
Auch abseits der Technik positioniert sich Honda für die neue Ära. Ex-Weltmeister Fabio Quartararo wird hartnäckig mit einem Wechsel zu HRC in Verbindung gebracht. Zudem hat Honda kürzlich Moto2-Talent David Alonso für die Saison 2027 verpflichtet. Fast alle Fahrerverträge im MotoGP-Feld laufen Ende 2026 aus, was einen umfassenden Fahrermarkt in Gang gesetzt hat.
Für Honda geht es bei der 850er-Entwicklung also um weit mehr als einen technischen Neuanfang. Nach mehreren schwierigen Jahren in der Königsklasse soll der Regelwechsel die Chance bieten, wieder an die Spitze zurückzukehren. Dass der Hersteller den Testbetrieb offenbar früher als geplant intensiviert und nun beide Testfahrer gleichzeitig einsetzt, unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens. Die zweite Jahreshälfte 2026 dürfte für alle Hersteller im Zeichen der 850er-Entwicklung stehen. Ende November muss die Produktion der wichtigsten Teile für die Basisspezifikation 2027 anlaufen.

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