- Marc Marquez gewinnt den ersten MotoGP-Sprint in Brasilien seit der Einführung des Formats
- Fabio Di Giannantonio führt 12 Runden lang, ein Fehler in Kurve 12 kostet ihn den Sieg
- Jorge Martin feiert sein erstes Podium auf der Aprilia RS-GP
Goiânia, Brasilien, im März 2026. 22 Jahre lang mussten die brasilianischen Motorsportfans auf diesen Moment warten. Zuletzt hatte die MotoGP 2004 in Rio de Janeiro Station gemacht, damals gewann Makoto Tamada den Grand Prix. Nun rollte das Feld der Königsklasse erstmals über den Autódromo Internacional Ayrton Senna in Goiânia, eine 3,835 Kilometer kurze Strecke mit 14 Kurven, auf der zuvor kein einziger MotoGP-Test stattgefunden hatte. Und das Wochenende begann gleich mit einer ganzen Reihe von Dramen, bevor Marc Marquez am Samstag den Sprint für sich entschied.

Ein Wochenende im Ausnahmezustand
Schon am Freitag sorgte heftiger Regen für Überschwemmungen auf der Strecke und eine einstündige Verzögerung des Zeitplans. Die erste richtige Trockensession kam erst am Samstagmorgen im FP2, wo Ai Ogura auf der Trackhouse Aprilia die Bestzeit setzte und Johann Zarcos Freitagsbestzeit von 1:21.2 Minuten auf 1:18.2 Minuten pulverisiert wurde. Innerhalb dieser halben Stunde lagen die Top 20 innerhalb von nur einer Sekunde, was zeigte, wie eng es auf dem neuen Kurs zuging.
Das Qualifying war dann an Drama kaum zu überbieten. Gleich fünf Fahrer stürzten in Q2, allen voran Francesco Bagnaia, der seine Werks-Ducati in den ersten Minuten der Session in den Kies setzte und das Motorrad dabei schwer beschädigte. Pedro Acosta folgte in Kurve 4, derselben Stelle, die sich über das gesamte Wochenende als die gefährlichste der Strecke erwies. Kurz darauf ging auch Marc Marquez an genau diesem Punkt zu Boden, ebenso wie Jorge Martin und schließlich der spätere Pole-Mann Fabio Di Giannantonio. Di Giannantonio hatte seine schnellste Zeit allerdings bereits gesetzt, bevor er stürzte, und sicherte sich mit einer 1:17.410 seine erst zweite MotoGP-Pole-Position, nur 0,070 Sekunden vor Marco Bezzecchi. Marquez komplettierte die erste Reihe mit 0,081 Sekunden Rückstand. Fabio Quartararo sorgte auf Platz vier für eine echte Überraschung auf der neuen V4-Yamaha, während Acosta nur Neunter wurde und Bagnaia als Elfter vom Mittelfeld aus starten musste.
Als wäre das alles nicht genug gewesen, öffnete sich nach dem Qualifying ein Sinkhole auf der Start-Ziel-Geraden. Tage voll starkem Regen hatten den Untergrund aufgeweicht, offenbar in Verbindung mit einer geplatzten Entwässerungsleitung. Arbeiter standen bis zur Hüfte in einem Loch mitten auf der Hauptgeraden. FIM-Sicherheitsbeauftragter Tomé Alfonso sprach von einer „Absenkung der Streckenoberfläche durch Bodenbewegung“. Nach einer Krisensitzung der Teamchefs mit den Organisatoren wurde der Sprint um insgesamt 80 Minuten verschoben, der Start erfolgte erst um 16:20 Uhr Ortszeit statt der geplanten 15:00 Uhr. Die Moto2-Qualifikation wurde komplett auf den Sonntagmorgen verschoben.
Di Giannantonio fliegt davon
Die Reifenwahl sorgte für zusätzliche Spannung. Alle Fahrer setzten auf den harten Vorderreifen. Am Hinterrad griff die Mehrheit zum Soft, während Bagnaia, Toprak Razgatlioglu, Raúl Fernández und Jack Miller den Medium wählten. Marc Marquez hatte ursprünglich ebenfalls zum Medium-Hinterreifen gegriffen, wechselte aber kurz vor dem Start doch noch auf Soft. Einziger Fahrer außerhalb der Top-Starter, der beim Medium blieb, war Fernández auf Startplatz 16.
Beim Erlöschen der Ampeln erwischte Di Giannantonio den perfekten Start und führte das Feld in Kurve 1 an. Hinter ihm schob sich ausgerechnet Quartararo auf Platz zwei und verdrängte Marquez auf den dritten Rang. Bezzecchi fiel auf Position vier zurück, Martin auf fünf. Für Fermín Aldeguer, der sein Saisondebüt 2026 bestritt, nachdem er die gesamte Vorsaison und den Thailand-GP wegen eines Oberschenkelbruchs aus dem Wintertraining verpasst hatte, endete die Eröffnungsrunde mit einer Katastrophe. Sein Hinterreifen drehte beim Start durch, er fiel von Platz sieben auf den 20. Rang zurück.
Schon in der zweiten Runde stürzte Joan Mir in Kurve 6, nachdem er im Gerangel mit Raúl Fernández von der Linie gedrängt worden war. Marquez arbeitete sich zügig an Quartararo vorbei, indem er ihn auf der Geraden vor Kurve 1 zu Beginn der dritten Runde überholte. Di Giannantonio hatte da bereits 0,7 Sekunden Vorsprung und baute diesen weiter aus, Runde für Runde, mit Bestzeiten im Bereich von 1:18.1 Minuten.

Aprilia gegen Aprilia um den dritten Platz
Während vorn Di Giannantonio davonzog, entbrannte dahinter ein heftiger Kampf. Quartararo auf der Yamaha verteidigte seine Position lange Zeit mit späten Bremsmanövern, doch in Runde vier verschätzte er sich in Kurve 4 und wurde von Bezzecchi kassiert. Martin nutzte die Chance sofort und überholte den Franzosen ebenfalls auf dem Weg zur Linie.
In Runde 6 unterlief Bezzecchi ein Fehler in Kurve 9, Martin rückte auf den dritten Platz vor. Es war der Beginn eines Aprilia-internen Duells, das den Rest des Sprints andauern sollte. Bezzecchi fing sich zwar wieder, kam aber nicht mehr an seinem Teamkollegen vorbei. Martin kontrollierte den Abstand souverän und fuhr am Ende 3,587 Sekunden hinter Marquez als Dritter über die Ziellinie. Für den 2024er Weltmeister war es das erste Podium auf der Aprilia RS-GP überhaupt.
Martins Tränen nach dem langen Weg zurück
Was die nackten Zahlen nicht zeigen: Für Jorge Martin war dieser dritte Platz weit mehr als ein Sprintpodium. Der Spanier hatte 2025 ein Alptraumjahr hinter sich, geprägt von einer schweren Verletzung, die ihn monatelang ans Krankenhausbett fesselte. Er konnte zeitweise kaum aufstehen, geschweige denn ein MotoGP-Bike bewegen. Sein letztes Podium datierte aus dem Solidaritats-Grand-Prix in Barcelona Ende 2024, an jenem Wochenende, an dem er zum Weltmeister gekrönt wurde.
Nach der Zieldurchfahrt flossen die Tränen bei Martin. Er konnte seine Emotionen nicht mehr kontrollieren, fuhr einen großen Wheelie und schlug vor Freude auf den Tank seiner Aprilia. „Ich bin wirklich, wirklich glücklich. Danke an alle, die mir geholfen haben, hierherzukommen. Es war eine harte Reise“, sagte er sichtlich bewegt. „Vor zwei Monaten lag ich noch im Krankenhaus, und meine Freundin war bei mir. Und jetzt stehe ich hier. Ich hoffe, wir verbessern uns weiter.“
Marquez jagt Di Giannantonio
Zurück zum Kampf an der Spitze. Di Giannantonio hatte sich einen Vorsprung von bis zu 1,4 Sekunden herausgefahren, doch ab Runde 7 begann Marquez den Rückstand Stück für Stück abzubauen. Der amtierende Weltmeister fand seinen Rhythmus und drehte konstant 1:18.4er Zeiten, während Di Giannantonios Pace leicht nachließ. In Runde 8 waren es noch 0,5 Sekunden, in Runde 11 nur noch 0,3.
In dieser Phase stürzte auch Johann Zarco in der vorletzten Kurve aus dem Rennen, und Maverick Viñales ging ebenfalls zu Boden. Damit fielen drei Fahrer in diesem Sprint aus.
Der entscheidende Moment kam in Runde 13 von 15. Di Giannantonio kam in Kurve 12 leicht von der Ideallinie ab, verlor den Schwung auf dem Weg zur Start-Ziel-Geraden, und Marquez nutzte die Gelegenheit eiskalt. Er beschleunigte besser heraus und übernahm vor Kurve 13 die Führung. „Heute war es anders als heute Morgen in Q2. In den Kurven gab es weniger Grip, und in der gleichen Kurve habe ich zwei Fehler gemacht, die meine Chancen ruiniert haben“, analysierte Di Giannantonio nach dem Rennen nüchtern.
Marquez verteidigt souverän
Auf den letzten beiden Runden versuchte Di Giannantonio alles, um zurückzuschlagen. Doch Marquez, wie so oft in seiner Karriere ein Meister der Verteidigung unter Druck, machte keine Lücke auf. In der letzten Runde setzte er sich in jeder Kurve in die Mitte der Strecke und ließ dem VR46-Piloten keine Chance zum Angriff. Am Ende überquerte Marquez die Ziellinie mit 0,213 Sekunden Vorsprung. Beide setzten auf ihrer letzten Runde die identische Zeit von 1:18.619, was zeigt, wie nah sie beieinander lagen.
Für Marquez war es der 16. Sprintsieg seiner Karriere, womit er mit Jorge Martin in der ewigen Sprint-Bestenliste gleichzog. Und vor allem war es sein erster Sieg seit der Schulterverletzung im vergangenen Jahr. „Das ist ein wichtiger Sieg, ein super wichtiger Sieg“, sagte Marquez. „Zu Beginn des Jahres haben wir wegen der Nachwirkungen des Unfalls von letztem Jahr gelitten. Wir mussten Schritt für Schritt arbeiten. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich fahre hier mit einer anderen Überzeugung. Ich pushe einfach weiter, das ist der Schlüssel.“
Quartararo beeindruckt auf der V4-Yamaha
Abseits des Podiums lieferte Fabio Quartararo eine bemerkenswerte Vorstellung. Der Weltmeister von 2021 qualifizierte sich als Vierter und sorgte damit für das beste Ergebnis der neuen V4-Yamaha in der noch jungen Saison. Im Rennen fiel er zwar auf den sechsten Rang zurück, hielt aber den Anschluss an die Aprilia-Gruppe und hatte mit seinen späten Bremsmanövern über weite Strecken die deutlich stärkeren Maschinen hinter sich. Der Rückstand von 7,728 Sekunden war für Yamaha-Verhältnisse ein Fortschritt.
Ai Ogura wurde als Fünfter bester Trackhouse-Fahrer und lieferte ein solides Ergebnis ab, nachdem er mehrere Runden hinter Quartararo festgehangen hatte. Alex Marquez (Siebter) und Bagnaia (Achter, auf Medium-Hinterreifen) komplettierten die Punkteränge vor Pedro Acosta, der als Neunter gerade noch einen WM-Punkt einsammelte. Heimheld Diogo Moreira rundete als Zehnter die Punkteränge ab und war damit bester Honda-Pilot.
KTM in der Krise
Für KTM verlief der Tag katastrophal. Während Acosta als Neunter wenigstens punktete, kamen die drei weiteren RC16-Piloten regelrecht unter die Räder. Brad Binder wurde 15., Enea Bastianini 17., und Maverick Viñales stürzte aus dem Rennen. Im Qualifying hatten alle drei KTMs außer Acosta die letzten Startplätze belegt.
WM-Stand bleibt eng
Pedro Acosta behält trotz des mageren Ergebnisses die WM-Führung, allerdings nur noch zwei Punkte vor Marco Bezzecchi. Jorge Martin kletterte dank des Podiums auf den dritten Rang. Marc Marquez schob sich mit seinem Sieg auf Platz sechs der Gesamtwertung vor. Am Sonntag steht der 31 Runden lange Grand Prix auf dem Programm, der bei doppelter Distanz ganz andere Herausforderungen an die Reifenwahl und das Kräftemanagement stellen dürfte.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: MotoGP-Saison 2026: Der komplette Überblick – Teams, Fahrer, Kalender & WM-Stand. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.

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Redakteur bei Motorrad Nachrichten. Fokus auf Technik, Szene und Motorradpolitik – neutral, sachlich, verständlich.
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